Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Waldemar Fenn ; Zur ästhetischen Krisis.

Gebiete ein so rastloses Vorwärtsstürmen,
häufig sogar ein so überschnelles, über-
eiltes Jagen nach Neuem und immer noch
Neuerem, als gerade in den bildenden
Künsten und dem Kunstgewerbe: Die Jagd
nach dem — Stile des XX. Jahrhunderts!

Die modernen stilistischen Bestreb-
ungen ernster und ernst zu nehmender
Künstler haben bereits gute Früchte ge-
zeitigt, und es ist anzunehmen, dass ihre
Erfolge den weitgehendsten Einfluss auf
die Richtung unserer weiteren Ent-
wicklung ausüben werden. Es sind
Meister, welche auf der Grundlage ein-
gehender Studien der Leistungen ver-

gangener Jahrhunderte und wohl ver-
wendeter Naturerkenntnis fähig sind, wirk-
lich schöne Neuerungen zu bringen, denen
empfundene Charakteristik und wohlfein-
thuende Gedankentiefe eigen sind. Auf
diesen Fundamenten weiter zu bauen, ist
die Pflicht unserer Künstler. Ihre Pflicht
ist es aber auch, gegen jene mit wildem
Sezessionisten - Kriegsgeschrei — dessen
es überhaupt nicht bedürfte! — am Ziel
vorbei ins Blaue und Flaue schiessenden
«Ueberkünstler» vorzugehen und ihren
meist willkürlichen, gedankenlosen Spiele-
reien mit allen zu Gebot stehenden Mitteln
entgegen zu arbeiten!

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