Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Detail vom Chor^estühl zu Thann (restauriert).

KLEINE MITTEILUNGEN

Erste Ausstellung für moderne dekora-
tive Kunst in Turin 1902. — Nachdem der
Reichszuschuss für dieses Unternehmen, das
von allergrösster Tragweite ist, blos die Summe
von Fünfzigtausend Mark betragt, und diese
Summe kaum ausreicheil dürfte, um erstens ein
würdiges Auftreten Deutschlands zu sichern,
zweitens aber um alle Kosten für den tech-
nischen Theil der Ausstellung( Transport, Ver-
sicherungen etc.) zu decken, so ersuchte unterm
3o. Dezember in München eine Deputation, be-
stehend aus Herrn Professor Fr. von Thiersch,
I. Vorsitzender des Verbandes deutscher Kunst-
gewerbevereine, Paul Merk, 11. Vorstand des
Bayer. Kunstgewerbevereins, Ritter von Olden-
denbourg, italienischer Generalkonsul und H. E.
von Berlepsch, Leiter der deutschen Arbeiten
für Turin und Ausstellungsarchitekt, Seine Ex-
cellenz den Minister von Feilitzsch um aus-
giebige Hilfe seitens der einzelnen Bundes-
staaten. Die Angelegenheit ist zu wichtig, als
dass sie seitens Deutschlands nicht eingehende
Beachtung verdiente, schon aus rein politischen
Gründen. Herr von Berlepsch legte die von
ihm durchgearbeiteten Plane für die deutsche
Galerie vor und gab eingehende Erklärungen
über alle dabei in Betracht kommenden Punkte.
Ks wurde hierauf die Unterstützung des deut-
schen Unternehmens sofort mit einer Summe
von Sechstausend Mark versprochen. Nach
diesem Vorgehen Bayerns ist es wohl kaum
fragenswert, obnichtauch die übrigen deutschen
Regierungen sich in ahnlicher Weise herbei-
lassen, das Auftreten Deutschlands in Turin
namhaft mit Zuschüssen zu unterstützen und so
eine recht eigentlich nationale Sache so sicher
zu stellen, wie sie es verdient

Plastische Malerei. — Eine neue Technik
auf dem Gebiete der Dekoration ist das sogen.
Schudtsche Verfahren, welche die dekorative
Malerei um ein neues Ausdrucksmittel bereichern
will. Den Hergang bei Anwendung des Ver-
fahrens schildert Herr Kunstmaler Schudt aus
Berlin wie folgt: Auf die betreffende Wand-
oder Deckenflache, welche mit Ornamenten
oder sonstigen Darstellungen geschmückt
werden soll, wird die Zeichnung wie üblich auf-

Seitenwanne des Chortestühls
n Thann (restauriert) B « h n
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