Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Kleine Mitteilungen.

Seitenlange des Chorgestühls
zu Thann (restauriert).o nnn

gepaust. Darnach wird eine Schnur, welche in
einer gewissen, dickflüssigen Masse, deren Zu-
sammensetzung und Herstellung Geheimnis
des Erfinders, getränkt worden ist, auf die Kon-
turen aufgelegt, wobei zu bemerken ist, dass
diese Schnur vor Eintauchen in die Masse prä-
parirt sein muss, damit sie in den durch die
Zeichnung gegebenen geschwungenen Linien
verbleibt, und nicht, wenn die Masse zu trocknen
beginnt, sich gerade zieht und die Form zer-
stört. Kleinere Flächen, die sich zwischen zwei
Konturen ergeben, werden mit der Masse aus
gefüllt und glatt gespachtelt. Um die grösseren
plastischen Formen von Blumen und Blättern
zu gewinnen, werden in die Masse getauchte
Lappen verwendet und auf die Zeichnung auf-
gelegt. Zur malerischen Behandlung der auf
diese Weise herzustellenden oder hergestellten
Formen wird entweder die Masse sogleich ent-
sprechend gefärbt, oder die gewonnenen For-
men werden erst später bemalt. Auf diese
Weise ruht die Thätigkeit des Stukkateurs und
die des Malers in einer Hand, der Weg zu einem
einheitlichen Kunstwerk ist kürzer und sicherer
geworden. Noch zu bemerken ist, dass die
Masse die Eigenschaft hat, dass sie auf Holz,
Putz, Glas, Eisen, Stein etc. aufgetragen werden
kann und binnen 24 Stunden zu Stein erhärtet.

Nürnberg. — Das Bayerische Gewerbemu-
seum hat jetzt den Plan verwirklicht, von Zeit
zu Zeit unter der Leitung hervorragender
Künstler kunstgewerbliche Meisterkurse zu
veranstalten. Der erste dieser Kurse fand vom
8. Oktober bis 9. November v Jahres statt unter
Leitung des Prof. Peter Behrens aus Darmstadt.
(Vgl. Heft 2 dieses Jahrgangs.) Ferner hat das
Museum eine Zentralschau- und Verkaufsstelle
eröffnet.

Die daselbst zur Ausstellung und zum
Verkauf gelangenden Gegenstände werden, so-
fern sie künstlerisch und technisch den An-
sprüchen genügen, mit einem Kennzeichen des
Museums gestempelt. Ausgeschlossen sind, ab-
gesehen von unkünstlerischen Arbeiten, alle
Stücke welche das Gepräge einer der vergange-
nen Stil weisen tragen.

Nach dem Muster der « Meisterkurse » in
Nürnberg werden ähnliche Veranstaltungen
nächsten Sommer in Krefeld seitens des Kaiser
Wilhelm-Museums in Szene gesetzt. Zur Ab-
haltung dieser Kurse ist u. A. auch H. E. Ber-
lepsch in Maria Eich-Planegg berufen. Weiter
steht eine Berufung eines Münchener Künstlers
für Dresden in Aussicht.

Seitenwange iles Chorgestuhls
zu Thann (restauriert), n n n n
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