Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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i.

D ie Bedeutung Strassburgs als Her-
stellungsort von Zinngeschirr ist bis jetzt
nur selten richtig erkannt und gewürdigt
worden. Namentlich die Anfänge dieser
heimischen Produktion sind vielfach ge-
ringschätzig behandelt worden. Der allge-
meine Gebrauch des Zinns scheint sich
hier erst mit dem 14. und 15. Jahrhun-
dert verbreitet zu haben. Wasserkannen,
Aquamanilen, Messkännchen für den ge-
wöhnlichen Gebrauch, in einigen Fällen
auch Kelche werden in den Inventaren
verschiedener Kirchen und Klöster erwähnt.
Ebenfalls erwähnt werden Weihwasser-
becken, Taufbecken, Kannen, Behälter für
das heilige Oel, Weihrauchsbüchsen u.
dgl. Davon ist heute natürlich nichts mehr
vorhanden. Und selbst die Strassburger
Arbeiten aus dem 16. Jahrhundert sind
sehr spärlich aufzufinden. Die ersten Zinn-
arbeiten, welche für Strassburg nachweis-
bar sind, entbehren häufig der gravierten
Reliefornamente, aber später wird in Strass-
burg nicht nur das Gravieren zu einer
beliebten Technik, auch das Aetzen ist eine Zeit lang herrschende
Sitte; künstlerisch am wichtigsten sind aber die mit Relief verzierten
Schüsseln, Teller, Kannen, Humpen u. dgl. Wir wissen, dass im
16. Jahrhundert eine Reihe von Künstlern in dem an Kirchen und
Zünften so reichen Strassburg lebte, die sich u. a. mit der Anfer-
tigung von in Stein und Metall geschnittenen Gussformen für Zinn-
giesser und Goldschmiede befasste.

Wenn heute im Vergleich zu dem aus den Inventaren u. dgl.
hervorgehenden reichen Bestände so wenig ältere Strassburger Zinn-
geräte nachweisbar sind, so hängt dies hauptsächlich mit den Ver-
wüstungen in der Zeit der französischen Revolution zusammen. Man
plünderte die Kirchen erbarmungslos aus und bemächtigte sich der
heiligen Gefässe ebenso wie der anderen darin vorhandenen Kost-
barkeiten. Von Alt-St.-Peter und St -Wilhelm ist es z. B. ausdrück-
lich beglaubigt, dass man diesen Kirchen nicht nur die silbernen
und vergoldeten Abendmahlgefässe, sondern auch die zinnenen

* Vgl. Heft 1, Band II, S. 17 unserer Zeitschrift.
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