Dengler, Georg [Editor]
Kirchenschmuck: Sammlung von Vorlagen für kirchliche Stickereien, Holz- & Metallarbeiten & Glasmalereien — N.F. 4.1888/​95

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Zuscnnmcnstelluug der kirchlichen Borschriften über Paramente :e.

Nr. 22

St. Gabriel in Prag, dessen Frau Abtissin uns
diese schöne Zeichnung zur Berfügung gestellt hat.
Auf der Rückseite der Tasel 140 ist das Meß-
gewand in verkleinertcm Maßstabe gezeichnet,
während Tafel 139 das Mittelstück der Pluvial-
kappe in Farbendruck, dann Tafel 140 bei a
den Stab und die Kappe des Pluviale, dann bei
b den senkrechten Stab und bei L den schiefen
Querstab des Caselkreuzes in natürlicher Größe
gibt. Die Figur des guten Hirten auf Tafel 139
ist den Katakonibenbildern entnommen, und des-
halb das Bild des Heilandes jugendlich bartlos,
mit einer Rohrflöte am Arme und das verlorene
Lamm in den Schafstall (das himmlische Paradies)
hineintragend. Die beiden mit einem einfachen
Kreuze bezeichneten Wasserkrüge deuten auf die
„Wasser, die aus den Quellen des Erlösers ge-
schöpft werden" (lllauristis Lc^uas cls koutidu8
Zalvatoris). Gewis; eine tief symbolische Ver-
zierung für ein zum Todtenoffizium dienendes
Gewand.

Anf dem Meßgewande bildet das Mittelstück
ein Lamm Gottes, welches auf einem rothen

Kreuze steht, dessen 7 Sigeln ebensoviele Quellen
entströmen. Beide Bilder sind in Plattstich aus-
zuführen.

Die runden und viereckigen Einsätze in den
Stäben der Casel und des Pluviäle bedeuten auf-
gesetzte Edelsteine, und sind, mit Gold und Silber,
oder weißer Seide eingefaßt, am besten aus
Sammt aufzusetzeu. Der Grund des Kreuzes
sollte violett sein, die abstehenden Ranken mit
Röschen mattgelb, die Tauben auf den schrägen
Kreuzbalken milchweiß. Bei 1 ist ein Kreuz für die
Bursa, welches verkleinert auch für Stola und
Manipel gebraucht werden kann.

Tafel 141.

Caselkreuz in romanischem Style, entweder
in Tamburirstich oder in Applikation mit Ein-
fassungen von Gold und Silber äusführbar. Die
Farben richten sich je nach der liturgischen Farbc
des Meßgewandes, und können, jedoch mit Ber-
meidung aller modernen Anilin- und anderer
süßlichen Nüaneirungen, für jeden Fall anders
zusammengestellt werden.

/immmeiistellmlg iler hikrhlieheii Äorsthrijjteii iitier Dllrrimenle

nmt liturgisthe ^eftsse.

UEMsicht.

Kleiduttg des Priesters:

N. Wäsche,

L. Paramente.

Kelch und Altarbedeckung re. (Kanzeltücher,
Kommunionbanktücher, Missalepultdecke rc.

Die hl. Gefätzt (auch Reliquiarien).

Anhang: Sonstigc Metallarbeiten: Leuchter,
Crucifix, Ampel, Weihrauchfaß, Schiffchen,
Weihwaffergefäße.

Sacristei.

Schreinerarbeiten: Stühle (Ssckilia), Chorstühle,
Kirchenbänke, Beichtstuhl, Kanzel.

AonÜrnlrnkungm.

Alles, was die Kirche zur Feier des Gottes-
dienstes benützt, hat, wie die Liturgie selbst, eine
historische Entwicklung hinter sich. Und wie die

Liturgie eine einheitliche ist in der Kirche, so
müssen auch die zum Gottesdienste verwendeten
Gegenstände den Stempel der Einheit wenigstens
insoferne an sich tragen, als sie nach den von der
Kirche hiefür gegebenen Vorschriften gefertigt sind.
Freilich gilt der Grundsatz, zum Gebrauche beim
Gottesdienste ist das Beste gerade gut genug.
Allein dennoch hat die Kirche dem subjektiven
Geschmacke Schranken setzen müssen: um einer-
seits übertriebene Prahlerei und eitle Putzsucht
und weltlichen Leichtsinn, anderseits wieder un-
würdige Sparsamkeit ferne zu halten, um alle
bizarren und phantastischen Auswüchse rein welt-
licher Kunst aus dem Gotteshause zu verbannen,
um schließlich die äußere Einheit und Würde des
Gottesdienstes aufrecht zu erhälten, hat die Kirche
eine Menge von Bestimmungen gegeben, hat
Normen aufgestellt, nach denen gearbeitet werden
muß. Die Kirche hat den Stoff vorgeschrieben,
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