Dengler, Georg [Editor]
Kirchenschmuck: Sammlung von Vorlagen für kirchliche Stickereien, Holz- & Metallarbeiten & Glasmalereien — N.F. 4.1888/​95

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Nr. 23.

Zusammcnstelliing der kirchlichen Borschristen über Paramrntc rc.

/uZaminemteÜunI lter l^irchlichett HFrschrisiett über Ailrclmeilte

ttml tltnrglsche Äestsse.

(Fortsetzung.)

Die stols, latior, die der Diaeon zur Advent-
nnd Fastenzeit in Kathedral- und Kollegiatkirchen
über der gewöhnlichen Stola trägt, ist keine eigent-
licheStola, sondernmehr eine Schärpe. Sievertritt
vielinehr dic alte Casula, welche aufgerollt und über
die Achsel gelegt wurde. Siemuß die Farbe des
Meßgewandes haben (d. h. sie kommt nur beim
violetten und am Charsreitag beim schwarzen Ornat
vor) darf aber nicht, wic die gewöhnliche Stola,
die drei Kreuze haben sbsi R,. 0. n. sspt. 1847.)

3. Die Casula. Die Casula (casnla, plansta.,
plisloninm) ist das eigentliche Meßkleid, welches
nach den Worten des Ordinationsritus die Liebe
versinnbildet. Ursprünglich war sie ein weites,
ringsum geschlossenes Gewand, das bis an die
Knöchel reichte. Beim Gottesdienst wurde sie mit
den Armen emporgeschlagcn, damit der Priester
die Hände frei hatte. (Der armenische und andere
orientalische Riten haben heute noch diese Form.)
Das Oa.ersttiottials Cpiscoporttitt slik. II. oap.
8 n. 19.) spricht ebenfalls von eineni Zurück-
schlagen der Casula, scheint also diese Form
vorauszusetzen. Späterhin wurden zur größeren
Bequemlichkeit die Seitentheile der Casula gekürzt
und das, was man sonst in die Fälten legt,
großentheils weggeschnitten.; dadurch entstand die
sogenannte gothische Form der Casula, welche
ziemlich weit über die Schulter herabhing und
vorne und rückwarts in eine Spitze auslief. Der
hl. Carl Borromäus gibt in seiner Instructio
supoll. Hcclss. die Maße einer solchen Casula
an wie folgt: „Jn der Breite (von einem
Schultertheil zum anderen gemessen) soll sie 3
cuditus -- ca. 130 cru oder etwas darüber
haben, so daß sie, wenn sie über die Schultern
herabhängt, auf jeder Seite unterhalb der Schulter
cine Hand breit zusammengefaßt werden kann;
sie soll die gleiche Länge haben oder noch etwas
darüber, so daß sie fast bis an die Knöchel
reicht. Vorne und rückwärts soll bis an das
äußerste Ende hinab ein Streifen aufgenäht sein,
der wenigstens 8 Vecien — ca. 14 crn breit
sei. Jn geringer Entfernung vom oberen Saume
^ soll quer zu diesem ein ebenso breiter Streifen

angebracht sein, damit so auf der Brust und am
Rücken ein Kreuz entstehe." Gavantus allerdings
sagt, daß dies die Maße des ambrosianischen
Ritus seien und gibt für den römischen folgende
Maße an: Breite 90 cru, Länge 130 cru,
Breite des Streifens 15 cra. Allein Carl Borro-
mäus, der stets strenge und tlar unterscheidet,
wenn der inailänder Ritus vom römischen ab-
weicht, und dies immer ausdrücklich betont, hat
hier keinen Unterschied gemacht, so daß man
füglich annehmen muß, daß er hier auch den
römischen Ritus im Auge hatte.

Die heutzutage gebräuchliche Form der Casula
entstand dadurch, daß man, als man anfing, die
ganze Planeta zu sticken, alles gänzlich wegschnitt,
was Falten machte. Der obere Theil deckt nur
mehr die Schultern und fällt von da in geraden
Linien nach rückwärts ab, wo er im Halbkreis
endigt: der vordere Theil, ebenso gestaltet, ist
etwas schmäler, und hat an der Arnigegend zwei
runde Ausschnitte. Allerdings wollte man da-
durch ein faltenloses Gewand schaffen, allein es
mit Steifleinwand oder gar niit Pappe auszu-
stasfiren, das ist doch zu weit gegangen. Mag
diese Form der Casula auch besonders in der
Zopfzeit durch die Baßgeigenform geradezu un-
schön geworden sein, mag der alte Schnitt oder auch
die Bvrromäische Casula um vieles üsthetischer
sein, wir müssen die jetzige behalten, weil sie die
römische Form ist, und ohne Erlaubnis des
hl. Stuhles darf niemand eine andere einführen.

Doch kann man auch in dieser Form sehr
würdevolle und wirklich schöne Meßkleider her-
stellen, wie die größeren, in Roni gebräuchlichen
Caseln zeigen. Sie müssen so lang sein, daß sie
bis über die Kniee reichen; über die Schultern
sollen sie etwas vorstehen, so daß sie den ganzen
Körper decken; der Ausschnitt für die Arme am
Vordertheil kaum mehr als 10 cnr tief sein; die
Oeffnung für den Kopf soll sich nicht zu wcit auf die
Brust hinabziehen, damit dieAlbe nicht chemissetten-
artig vorschaue, und rückwärts sei sie nicht zu rund
ausgeschnitt.en, daniit die Stola nicht vorstehe,
sondern sie nähere sich mehr der Kapuzenform.
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