Kissling, Hermann
Türen in Schwäbisch Gmünd — Schwäbisch Gmünd, 1982

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In dieser Schrift ist von Gmünder Türen die Rede, fast ausschließlich
von Außentüren.2 Also von dem Gegenstand, dessen Funktion darin
besteht, Gebäude betretbar oder zugänglich zu machen. Das Thema
macht demnach nicht Ansprüche geltend, in die Höhe und Weite zu
greifen. Wir beginnen nach Vorüberlegungen auch schlicht mit der
Dinglichkeit der Türe, ihrem Material und ihren Gestalttypen, wie
handwerkliche Erfahrung sie herausgebildet haben. Die weitere Überle-
gung, daß notwendigerweise seit eh und je das Haus mit diesem Archi-
tekturdetail ausgestattet war, bringt eine historische Dimension ein.
Registrierte Objekte und im Bild belegt, vor allem analysiert, datiert und
in Zusammenhänge gebracht, ergeben das Kernstück der Darstellung.
Hier wird die Tür primär als ästhetischer Gegenstand vorgestellt. Ein
Prozeß der fortgesetzten Umbildungen führte zu immer neuen Gestal-
ten. Es ist das Gesetz der unaufhörlichen Wandlungsfähigkeit des
Kunstwerkes. Damit zusammenhängend interessieren uns die Men-
schen, die diese Türen hergestellt und die Bedingungen, die dabei
gewaltet haben. Nach diesen Quellenzitaten schließen wir mit Gedanken
zu „Tür und Denkmalpflege", ein memento, wie man sehen wird.

Unser Thema ist in der kunstgeschichtlichen Forschung keine Novität.
Albert Ilg schrieb schon 1894 über Portale von Wiener Profanbauten des
17. und 18. Jahrhunderts, Ferdinand Corell 1898 über „Portale und
Türen, ein Formenschatz deutscher Kunst vom Mittelalter bis zur
Neuzeit" und Peter Klotzbach 1925 über „Die schöne Haustüre am
Niederrhein und im Bergischen Land". Diese Bände sind insofern
ähnlich konzipiert, weil sie reichem Bildmaterial nur eine knappe Ein-
führung voranschicken, Klotzbach nur eine Seite vor 55 Tafeln. Dort
heißt es: „Diese hervorragenden Zeugnisse der Handwerkskunst sollen
in bunter Folge den Interessenten Anregungen bieten und darüber
hinaus aber auch manche versteckte, bisher fremde Schönheit weiteren
Kreisen bekannt machen nicht zum Zwecke der Nachahmung, sondern
als solides Fundament für den neuen Aufbau, als anregende Bereiche-
rung der eigenen Formphantasie und Erfindung".

Heute begegnen wir diesen Dingen mit einer anderen Einstellung. Für
uns sind historische Bestände kaum mehr Hilfe und Promotor auf der
Suche nach einem neuen Stil.3 Und für uns zählen nicht nur Hoch- und
Höchstleistungen. Deshalb nicht, weil unsere Darstellung Charakteristi-
sches miterfassen möchte. Dies vergegenwärtigen auch Türen zweiter
und dritter Qualität nebst solchen, die in Gestalt und Standort soziale
Strukturen zum Ausdruck bringen und darin einen Bereich unseres
Daseins spiegeln.
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