Kissling, Hermann ; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd> [Editor]
Künstler und Handwerker in Schwäbisch Gmünd 1300 - 1650 — Schwäbisch Gmünd, 1995

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Aus den Quellenschriften

dautten greber [Totengräber] Effen [Öfen] Bine
[Bühne], Geul [Gäule, Pferde], Seiher [Sieb], Medle
[Mädchen] Scheira dira [Scheunentüre] Zuig [Zeug],
Die Unverbindlichkeit der Schreibweisen ließen dazu-
hin Varianten entstehen. So findet man in den Kathari-
nen-Rechnungen 1600-1650 für den Begriff verdient
die Schreibweisen verdint, vdinedt, verdünnt, ferdint,
fer dent, dover dennt [da verdient].
Ein schwäbischer Leser hat da keine Verstehenspro-
bleme. Daß ein Christ einem Maurer zum Verhängnis
wurde, wird ihn aber doch stutzen lassen - bis er Gerüst
liest. Vielleicht wundert er sich auch, daß im Jahr 1705
laut Sterbebuch mehrmals ein Franz Hoß beerdigt

wurde, bis ihm aufgeht, daß hier jeweils ein Franzose,
ein französischer Soldat gemeint ist. Aber die Zeiten
ändern nicht nur Ausdrucksweisen, sondern auch Be-
griffe. 1611 erhält die Witwe des Bastian Klopfer 1 fl
für das Fegen der Heimblichkeit in der Grät. Sie tat das,
was heute Toilettenfrauen besorgen. 1616 wird Martin
Flatt trotz eines Defekts seiner Geburt der Eintritt in
den Bettelorden genehmigt. Der Defekt bestand nicht in
einer Gehbehinderung, sondern in der Tatsache, daß
seine Eltern ein Kleriker und eine verheiratete Frau wa-
ren. Die 1558 gerügte fleischliche Vermischung einer
Ehefrau mit einem Heranwachsenden würde heute auch
anders gesagt.

Schriftbeispiele (alle Wiedergaben in Originalgröße, ausgenommen das gering verkleinerte Beispiel aus dem Sterbe-
buch von 1633)




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Ich Johans ■ vnd och Ich sytze sin bruder die hafener genant burger ze Gemunde . . . Pergamenturkunde vom 20. Juni
1343, UASp 25.


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Item vss des schabels des zimmermans hus bi der Cappell 1 Ib Haller halbs waltpurgis vnd martini. Um 1415,
Zinspflichtige der St. Theobald-Kapelle, UAG A 96.



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Petter Eßlinger ist bestelt zü der Statt Märer [Maurer] vnd geitt man Im Jerlich zü sold ii gülden vnd zü taglon Im
Sumer iiii ß vnd Im winter iii ß. StadtR 1500, 73

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