Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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Gewiss haben wir für Liebermann Sym-
pathie. Und gewiss ist er für uns ein Meister.
Weil er durchaus bedeutend, leidenschaftlich,
voll Feuer ist. Nicht weil er ein Impressionist
ist. Er ist es nicht einmal! Ist er auch, stufen-
weise, ohne Doktrinarismus, zu einer Auf-
hellung seiner Palette hingekommen, so kann
er doch auch jetzt noch nicht jener ganz be-
stimmt abgegrenzten historischen Gruppe der
französischen Maler, welche man Impressio-
nisten nennt, etwa als ein später Nachfolger
beigesellt werden. Von ihnen trennt ihn auch
jetzt immer noch vieles. Er ist immer noch
mehr malerisch als impressionistisch, zielt
immer noch, im Gegensatz zu der Gruppe der
französischen Impressionisten, auf die Wucht
einer einheitlich geschlossenen malerischen

Gesamtwirkung hin. Was aber seine Aesthetik
betrifft: er hat einmal gesagt, dass mit jedem
wirklichen Künstler die Kunst neugeboren
wird, und diesen Satz von ihm eignen wir
uns an. Unsre Aesthetik muss, wie Lieber-
mann uns sagt, vielgestaltig sein. Nach dieser
Maxime denken wir unsere Zeitschrift zu re-
digieren. Diese Zeitschrift wird zeigen, dass
wir die Süssigkeit Corots, die Milde seiner
Figuren, die Herbigkeit Constables, den Luft-
traum Turners, die Genialität Menzels und das
Wunderbare von Böcklin bewundern... neben
Manet, neben Liebermann und neben jenem
Engländer, der mit seinen linearen Phantasien
das Gegenteil eines impressionistischen Malers
ist: Aubrey Beardsley.

H,

IHM, „HAARLEM", ZEICHNUNG

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