Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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darstellt, ist etwas Ausserordentliches an
Schwung und Schönheit. Rodin, der der
einzige Meister der Gegenwart ist, der den
Impressionisten so gross wie sie selber als
Bildhauer gegenübersteht, ist in Wien diesmal
nicht mit solchen Werken vertreten, die seine
Kunst ganz und gar zum Ausdruck bringen.
Mit Mitleid sieht man die Werke vonRosso
an, dem Italiener, der, nachdem er als ein
trivialer Bildhauer in „italienischem" Stil be-
gonnen hatte, in sich den Drang zu neuer und
hoher Kunst verspürte, sehr grosse Begabung
hat und ins Unausführbare will.

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Die Veranstalter der Ausstellung haben
auch alte Kunst, die der neuen Schule im Sehen
voranging und mit ihr im Zusammenhang
steht, mit der modernen Ausstellung vereinigt.
Neben schönen Farbenholzschnitten der Ja-

paner zeigen sie eine kleine Sammlung älterer
Meister, zu denen Monticelli, Daumier und
Delacroix zurückleiten. Unter den alten
Meistern fallen namentlich die schönen Bilder
Goyas', Vermeers (Sammlung Czernin) und
Tintorettos auf. Doch lässt diese Abteilung
der Ausstellung im Gegensatz zu allen übrigen,
die wunderbar sind, etwas zu wünschen: man-
che ältere Meister, von denen es am Platze
gewesen sein würde, dass sie vertreten wären,
sind nicht da und von den Bildern, welche
vorhanden sind, hat ein gewisser Teil keine
engen Berührungspunkte mit der gegenwär-
tigen Kunst. Eine Photographiensammlung
ergänzt die ältere Abteilung in vortrefflicher
Weise. Mit besonderem Interesse sahen wir
aber eine Zahl von Radierungen Goyas an,
die aus wiener Privatbesitz der Ausstellung
geliehen sind und eine Schönheit der Drucke
zeigen wie wir sie auch in der Bibliothek von
Madrid nicht fanden. H.

GOYA, SPANISCHES STIERGEFECHT

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