Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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mählich deckte er die Nacktheit seinerSalambo
immer mehr mit Teppichen und phantastischen
Gewändern seiner Erfindung zu und zwar so,
dass am Schluss nur ein mystisches Profil und
die Finger einer Hand aus einem Wust von
ornamentgezierten Stoffen hervorsahen.

Strathmann ist jetzt ungefähr in seinem
sechsunddreissigsten Lebensjahre, ganz genau
wird er es selbst nicht sagen können und
kämpft seinen Kampf gegen die Windmühlen,
die in seinem Fall die Gunst des Publikums
bedeuten, unentwegt weiter. Nur wenige
wissen seine Werke zu schätzen und Besitzer
Strathmannscher Bilder sind daher an den
Fingern herzuzählen: da ist die Galerie in
Weimar, die das Glück hat Eigentümerin der
Salambo zu sein, in München der Gründer
der Neuesten Nachrichten, Herr Knorr, ferner
der Herausgeber der Kunst für Alle, Direktor
Schwarz, der Maler Schlittgen. In Potsdam

Rumpf, dann noch einige Kenner am Rhein
und an der Donau und in Hamburg.

Sein Studiengang war natürlich auch anders
geartet als gewöhnlich. Die Akademie seiner
Geburtsstadt Düsseldorf besuchte er zuerst;
gethan, wenigstens nach dem Sinne der Herren
Professoren, hat er aber so gut wie nichts.

Es liegt mir aus dieser Zeit gerade ein Blatt
vor Augen:

Ein von ihm aus dem Kopf gezeichnetes
Porträt des Th. Th. Heine, mit dem er in
diesen Jahren befreundet war. Die Aehnlich-
keit ist, trotzdem doch über ein Jahrzehnt
darüber hinweggegangen, eine frappierende,
aber doch herrscht in dieser realistisch ge-
haltenen Zeichnung ein grotesker Zug vor,
der später mehr und mehr zu seiner persön-
lichen Note wird.

Nach Konflikten mit den Lehrern der An-
stalt, die ihn vergeblich in das gewohnte

CARL STRATHMANN. PORTRÄT TH. TH. HEINLS

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