Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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Yarborough, Baron Alfred Rothschild, Air. Robarts
ausDulwich College u.a. Gerade in den abweichen-
den Vorwürfen erscheint der Meister besonders
gross und eigenartig, wenn man ihn mit den Land-
schaftern, die regelmässig solche Motive malten,
vergleicht: in seinen Mondscheinbildern mit Aart
vanderNeer, in den Winterlandschaften mitlsack
Ostade u. a. Wie flach, wie absichtlich und ge-
quält erscheinen die meisten Bilder dieser Künstler
neben den wenigen grosszügigen Kompositionen
des Cuyp in dieser Art!

So selbständig und frei Albert Cuyp im allge-
meinen in seiner Kunst und seiner künstlerischen
Entwicklung ist, ganz fremd von fremden Ein-
flüssen blieb er doch nicht. Ein eigentümlich buko-
lisches Element, das schon in einzelnen früheren
Bildern sich geltend macht, kommt namentlich in
seiner späteren Zeit in stärkerem Masse zum
Ausdruck. Seine Landschaften dieser Art be-
kommen durch ihre hohen Berge in der Ferne,
durch die steilen Flussufer und den breiten
Sonnenschein einen italienischen Charakter,
dem die schalmeiblasenden Hirten und ihre Be-
gleiterinnen entsprechen. Auf unmittelbarer An-

schauung beruhen sie zweifellos nicht: ein feiner,
naturalistischer Beobachter wie Cuyp hätte die
südliche Natur ganz anders aufgefasst. Offenbar
sind die Gemälde der in Italien grossgezogenen
holländischen Landschaftsmaler, die gegen die
Mitte des Jahrhunderts wieder das allgemeine
Interesse gewannen, auch für Cuyp das bestim-
mende Vorbild gewesen, namentlich die Bilder
des Jan Both. In günstiger Weise wirkte diese
Richtung der holländischen Malerei nicht auf ihn
ein; sie brachte etwas Fremdartiges, Maniriertes
in seine Bilder, die auch durch eine gewisse Ober-
flächlichkeit gegen die Gemälde seiner mittleren
Zeit abstechen. Eine Landschaft mit Herde aus
Dulwich College könnte man mit einem Bilde von
Jan Both. verwechseln. Bedeutenderundein Haupt-
werk dieser Richtung ist die sehr grosse Abend-
landschaft mit Hirten und Herde, die Lord Scars-
dale ausgestellt hatte. Eine fast treue Wieder-
holung dieses Bildes, jetzt im Besitz von Pierpont
Morgan, das als Hauptstück im Cuyp-Saal der
Ausstellung prangte, erwies sich bei näherer Prü-
fung als eine alte Kopie, an der Cuyp selbst
keinen Anteil hat, Wilhelm Bode.

WALTER LEISTiKOW, LANDSCHAFT

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