Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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CARL MOLL, WINTER

von edlem Gefühl und voller, tiefer Farbe ver-
treten. Genrebilder sind stets ein Hauptzug des
New English Art Club; und als erster der Reihe
kommt Orpen mit seinem charaktervollen Bilde
„The Chessplayers", einem richtigen Beispiel
seiner speziellen Kunst des geschickten Grup-
pierens und zierlichen Ausführens der Details.
Seine Bilder und auch die seiner Kollegen John,
Will Rothenstein und Mac Evoy zeigen uns stets
bürgerliche Interieurs, belebt von Gestalten.

Will Rothenstein bringt eine gute MeneeKreide-
Zeichnungen, lauter Porträts bekannter Persönlich-
keiten der Künstlerwelt, sehr ausdrucksvoll und
von feiner scharfer Beobachtung. Francis Dolls
Kreideporträts sind originell und witzig, obgleich
manchmal von etwas derbem Humor. Johns Akt-
studien sind ganz famos und erinnern an Degas.
Die Malerei von David Muirhead ist ernst und
dichterisch gesinnt, er malt hauptsächlich in
düsteren Farben — grau, braun und grün, und da-
bei erzielt er selten schöne Licht- und Schatten-
effekte. „The lost piece of Money" (das ver-
lorene Geldstück) ist ein Beispiel seiner Kunst.
Charles Conder schickt zwei seiner kapriziösen
und zierlichen Phantasiestücke, „Fete galante"
nennt er das eine. Sein drittes Bild heisst „Blüthe"
und zeigt einen Obstgarten in voller Frühlings-
prachr. Das Kolorit und das Sonnenlicht sind

hen lieh und bieten eine wahre
Augenfreude. Ein Porträt des
Künstlers von W. Rothenstein
zeigt uns eine sympathische

und ungewöhnliche Persönlich-
keit.

Oben in der grossen Galerie
finden wir eine Zusammen-
stellung schottischer Künstler
nebst dem Schaffen englischer
Maler wie Watts, Brangwyn
und Maurice GreifFenhagen.
John Laverys Bildnis einer
hübschen jungen Dame, wel-
che neben einem Fluss in einer
hellgrünen Landschaft sitzt,
ist angenehm, wenn auch un-
bedeutend. Das japanische Bild
George Henrys „The Butter-
fly" ist ein buntfarbiges Stück
aus früherer Zeit, das uns an
seine Verbindung mir Hornel
erinnert.

Der Liebenswürdigkeit der
MessrsCarfax, der Eigentümer
von „The lost piece ol Money",
verdanke ich die beigefügten
Bilder. B. von Keudell.

WIKNF.R SICESSION

EDINBURG

In Edinburg versteigerte Christie am [6. Mai
die Sammlung Hamilton Bruce, in der vor allem
die Landschaften des Holländers Jacob Maris sehr
gut bezahlt wurden. Daneben kamen noch einige
Werke des in England lebenden, so hoch geschätzten
Mathys Maris zum Verkauf, die gleichfalls un-
gewöhnlich hohe Preise erzielten, und Bilder der
Schule von Fontainebleau. Jacob Maris: Ein
Kanal in den Dünen 17900 M. Maris die Schwes-
tern 16400 M. Jacob Maris: Dorf am Kanal mit
Windmühlen und Figuren 1 5400 Af. Mathys Maris:
Das Schloss 15:200 M. F. A. Madrazo: Eine Unbe-
kannte 147^0 M. Mathys Maris: Montmartre
13000 M. Jacob Maris: Gehöft in den Dünen
13000 M. Corot: Im Gehölz, Abend 1 1 800 M.
Monticclli: Flussufer 10300 M. G. Morland:
Landstreicherlager im Gehölz 9500 M. Jacob
Maris: Fluss, mir Figuren 9500 M. Jacob Maris:
Kanal in Amsterdam .'1700 M. Corot: Landschaff
8700 M. Ziem: Hochzeit auf dem Adriatischen
Meer, Venedig 8000 M. Diaz: Wald von Fontaine-
bleau im Sommer 7800 M. Jacob Maris: Dorf-
szene, mit Brücke überm Kanal, Schiffen und
Figuren 7000.W. Jacob Maris: Rotterdam J 300 M.
Jacob Maris: Flussufer 3400 M. Corot: eine Land-
schaft 4000 M. Resultat der Auktion: 620000 M.

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