Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 1.1902-1903

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BÜCHER BESPRECHUNGEN

Richard Mut her , „Ge schich r e der eng-
lischen Malerei". Mir 152 Abbildungen im
Text. Berlin, S. Fischer 1903. 400 S.

Ein neues Buch von Murher bedarf keiner An-
zeige. Man hat eigentlich nur zu sagen: es ist da,
kann vielleicht noch hinzufügen, was etwa der In-
halt der einzelnen Abschnitte ist. Denn heutzu-
tage verbindet jeder in Deutschland, der sich
irgendwie mit Kunst abgibt, mit Muthers Namen
eine ganz genaue Vorstellung und weiss daher,
wie er sich zu der Neuerscheinung zu stellen hat.

Der Referent erfüllt eine Pflicht, indem er kurz
über den Inhalt berichtet. Das Buch beginnt mit
einem Auftakt über fremde Kunst in Alt-England.
Dann kommt Hogarth, dann Reynolds und Gains-
borough, eingeführt durch Bemerkungen über die
bürgerliche Kultur im England des 18. Jahrhun-
derts. Danach über Landschaft und Tierbild der
gleichen Zeit, worin eine neue Würdigung des
Meisters zu finden, der in Claudes Spuren wandelte,
Wilsons.

Das neue Jahrhundert führt der Abschnitt ein:
Die grosse Malerei, d.h. der Klassizismus (Barry,
Stothard); Bildnis und Tiersrück (Romney, Hopp-
ner, Lawrence, Landseer u. s. w.), Phantastik und
Geschichtsmalerei (Blake, Füssli — „ein seltsamer
Mensch, den zu entdecken unsere Pflicht wäre" —
Northcote), die Genremalerei (David Wilkie „als
einer der führenden Geister der europäischen
Kunstgeschichte zu feiern" u. Newton).

Das Kapitel „Die Anfänge der Landschafts-
malerei" leitet zu den Abschnitten über Constable
— „Die Entdeckung der Luft" — und Turner —
„Der Flug in die Sonne". Man ersieht aus den
Titeln, wie Muther den Stoff anpackt.

Ein Zwischensatz „Ermattung" : man sucht sich
an Altes anzulehnen oder in neuen Stoffen (Orient-
malerei) neue Sensationen. Das Ende dieser Epoche,
das Jahr 1849, in der die „Secession" feste Form
gewinnt; die Secession der Prärafaeliten, die ihre
abwägende Beurteilung findet. Dann Einzelab-
schnitte: Millais, Leighton und der Klassizismus,
Rossetti, Burne-Jones, Morris und das Kunst-
gewerbe, Watts.

Was diesen hervorragendenRepräsentanten eng-
lischer Kunst folgt, hat wieder mehr generelle Be-
deutung. Daher ein paar allgemeine Abschnitte
in der Folge, wieder stofflich gruppiert: Dekora-
tive Kunst, Bildnis und französischer Einschlag;
die Epigonen des Prärafaelitentums; Sittenbild
und Landschaft.

Den Beschluss bilden zwei Kapitel über Schott-
land und die Boys of Glasgow.

Eine Inhaltsangabe hat etwas von Sezierung. Sie
ist unerfreulich für den, der sie schreibt, wie für
den, der sie lesen soll. Aber in unserem Fall lässt
sie doch ersehen, wie gut Muther wieder dispo-
niert — seine hervorragendste Gabe, — wie leicht
und übersichtlich er grosses Material ordnet. In
einem Generalüberblick die Hauptsache.

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