Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 2.1904

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SALZFASS, METSSEN. SAMMLUNG DR. VON PANNWITZ
SCHACHSPIELFIGUÜEN. SAMMLUNG SCHÖLLER

ALTES PORZELLAN

VON

GEORG SWARZENSKI

ER moderne Geschmack hat
wenigBerührungspunktemit
der Kunst des 18. Jahrhun-
derts. Und gewiss, wem es
Ernst ist um sachlichen Aus-
druck der Formen, wer
Schlichtheit und Zwecklich-
. keit sucht, wird wenig übrig

haben, wenigVerständnis habenfür eineKunst, die die
Rücksichten auf Material, Technik und Zweck der
Phantasie, derCaprice so souveränunterordnet,die mit
dem Verzicht auf Werte kokettiert, mit deren Be-
tonung wir kokettieren. — Als die moderne dekora-
tive Bewegung enstand, wurde von ihren Verfechtern

bald das Wort „Luxuskunst" geprägt. Man wollte
damit den falschen Luxus treffen, aber man wurde
skeptisch gegen jeden Luxus. Und es wurde viel ge-
redet und geschrieben von Bedarfskunst und Nutz-
kunst, es wurden Worte gefunden, die nie ganz
stimmten, und ein altes, lehrreiches Buch, das die
Kunst aus Material und Technik erklärte, wurde
wieder modern. Die Kunst des 18. Jahrhunderts
hat man da gerne ignoriert; im Eifer des Gefechts
war es bequemer, sich auf den berühmten altägyp-
tischen Stuhl und den Bauerntopf zu berufen. Heute
brauchen die modernen Bestrebungen keine histo-
rische Stütze und umgekehrt wäre es ungebildet,
ältere Kunstwerke unter dem Gesichtspunkt be-

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