Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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vergessen werden: die starke Wirkung wäre nicht
erzielt worden, wenn Busch nicht von einem un-
bestechlichen Naturalismus ausgegangen wäre,wenn
seine Linien ihre Entstehung nur abstraktem Denken
verdankten.

Um zu kennzeichnen, wie diese letzten Blüten
der Kunst Buschens mit ihren Wurzeln in fest
gegründeter Erde ruhen, müssten den hier repro-
duzierten ausgeführten Gemälden eigentlich ent-
sprechende Darstellungen aus bekannten Bilder-
folgen beigegeben werden. Die Gegenüberstellung
würde zeigen, wie Busch die von ihm erfassten
Gegenstände innerlich verarbeitet hat.

Nur oberflächlich konnte hier die Schaflens-
linie des Meisters skizziert werden. Licht in das
noch so unbekannte Leben dieses grossen Künstlers
zu bringen, bleibt der eingehenden Forschung vor-
behalten. Hierbei drängt sich von selbst ein

Wunsch auf. Nach dem Bekanntwerden des künst-
lerischen Nachlasses von Busch werden sich natürlich
tausende von Armen ausstrecken, um ein Stück von
der Hand des grossen Humoristen zu besitzen. Wäre
es nicht möglich, ehe diese Schätze in alle Winde
zerstreut werden, eine rettende Aktion in die Wege
zu leiten, um Alles, was von Wilhelm Buschens
Nachlass noch beisammen ist, zusammenzuhalten
und, was bereits zerstreut ist, wieder zu sammeln?
Man sollte meinen, diese Aufgabe Hesse sich am besten
durch ein womöglich von privater Seite zu gründen-
des Wilhelm-Busch-Archiv lösen. Das entspräche am
besten dem unabhängigen Sinn des Verstorbenen.
Die Persönlichkeit Wilhelm Buschens, die un-
beirrt und unbekümmert um den Erfolg bei der
grossen Menge und bei den Grossen dieser Erde,
das Mass seines Thuns in sich selber suchte, wäre
eines solchen Unternehmens schon wert.

WILHELM BUSCH, SILHOUETTE

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