Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 10.1912

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Kerl ist, der mag sich fein vorsehen, dass er nit
fällt und sein tumbes Genick zerbricht" Darumb
riet er auch immer allen teutzschen Gesellen mehr
ab als dazu, wenn sie gen Engelland fahren wollten.
Nit, weyl er ihro Nachbarschaft fürchtete, davor
war er zu sicher in seiner Kunst, sondern darum,
dass es ihm arg war, wenn seyne Landsleute sich
zu Hansnarren machten oder um ihrer Tölpelei
Anstoss erregten vor dem Volk oder den Grossen
hier. Und mocht derwegen auch nit Umgang
halten mit den vilen viamischen Molern, die hier
seyn, um Geld zusammenzukratzen. Das ist auch
der wahre Grund gewest, warumb er seynen Haus-
stand nit herüberzog und seyn Weib und seine
beiden Kinder in Basel bleiben liess. „Sagt Selbsten,
Gisze!" sprach er wohl: „Ob eyn Weib wie meines,
das in aller Kleinheit aufgewachsen ist und von
,,Ätti"und„Bäseli"und„Gütsli"redetundschnabbelt,
in unsers Königs Burg mithausen könnte? Itzt war'
meines Bleibens dort keine zwei Tag' mehr, wann
ich mit der Bauernschürzen umgebunden herum-
schlarenzen würde. Item wisst Ihr wohl, dass der
König kein Weib lang leiden mag, und die meinichte
zog' ihm gleich wie Schlehen das Maul zusammen.
Ergel, ich lasse sie besser, wo ihre Sippschaft ist
und ihr Gemachte."

Dieses sagte er so als seine Meynung. Andere
erzählen, dass er mit Lüsten die Frau verlassen habe.
Denn sie war schon ein alt Wittib, geheissen Elisa-
beth Schmid, und hatte bereits drei Kinder, als er
sie heuerte. Dornoch ward sie bald ernst und
grämlich, wie Ihr es auf dem Bildnuss sehen könnt,
das er von ihr gemalt hat, do er zum vorletzten
Mal gen Basel kommen was. Und auch zänkisch
und spitzig soll sie worden sein und könnt' sich
um einen Zaspel Garn vexieren. Und wusste sich
nit mehr in ihren Mann zu finden, der ein grosser
Herr geworden war. Denn do er das letzte Mal
uff ein Zit gen Basel reiste, was er in Siden und
Samett bekleidt und mit vilen Ringen geschmückt,
er, der vormols, do er Geselle was, dort Wein am
Zapfen holen musst und froh war und guter Dinge,
wenn es eynen leeren Giebel auszumolen gab oder
ein Tischplatten oder ein Wappen, ein Schenken-
oder Schulschild, so man uff die Strassen hängt.
Und Ihr habt ihm da ein prächtig Fest im Haus
uff der Mägd gegeben, darvon er mir vielerley er-
zählet hat, wie des Poculierens dort, dem er für
seyn Leben gern oblag, keyn Ende gewesen wäre.

Dieweyl er nun hier ohne Hausstand war, so
lebte er in des Königs Burg als eyn prächtiger

Herr, hielt sich Ross und Diener und ritt mit Fleiss
auf die Schüssplätze oder Jagden und Beizen, wo-
mit sich die Herren bei Hof hier nit anders wie
die Edeln bei Euch die Zeit vertreiben. Und meynt
eynes Tags zu mir: „Wann ich allhier bloss ein Nasen
in mein Büchlein gerissen hab, das wirft mehr Geld
ab, als wann ich zu Basel eine gantze Sonnenuhr
aufmole!" Man sagt, dass er vil Kebsen gehabt
habe, auch darin dem Exemplum unsres allmächtigen
Herren folgend, und dass er in dem Vermächt, so
er den Morgen vor seinem Tode von sich geben,,
seiner Bankerte oder „Hübschkinder", wie er uff
schweyzerische Art sie nannte, mit guter Meynung
gedacht habe. Dorvon ist mir nichts weiteres be-
kannt worden. Wahr ist, dass er seinen recht-
mässigen Sohn Philippum, do er ins sechszehnte
Johr ging, von Basel mit genommen hat. Und hat
ihn unterwegs bei einem Goldschmied in Paris in
die Lehre gebracht, weyl er nit mochte, dass er in
so jungen Jahren schon an den Hof kommen sollt.
Und darin mocht er Recht gehabt haben. Denn
solches wüste Leben voll Unlauterkeit hat mancher
kindlichen Seele arg schlimmen Schaden beyge-
bracht. Mit unserm König, seynem hochwirdigsten
Herren, hat Meister Holbein, sich gut gestanden
bis an sein Ende. Nur eynmalen, do er des Königs
vierte Frau Anna, ein Prinzessin von Kleve, hat
konterfet und der Majestät hernachen die Frau, do
sie ankam in Engelland, nit halb so gefiel denn das
Gemäl, das der Meister von ihr gemacht hatte,
süllen sie hart an einander gekommen sein. Die-
weyl er auf eyn kurtze Zeit später zu mir kam und
hatte ein blau unterlaufen Auge, das was ihm vom
Könige angeschlagen. Und wies mir seine Schienen,
die arg zertreten waren und ächzte: „Mag er
nächstens den Satan schicken, sein Buhlen zu conter-
feyen, wann ihm mein Gemäl nit mehr ansteht.
Ich hob' sie nachgemacht, wie Gott sie mir vor-
gemacht hat, um keinen Zipf und keinen Tupf
anders. Aber er hat gebrüllt als einer uff der Folter-
bank, do er ihrer erstmalig ansichtig wurde, als
sei meyn Tafel falsch und schlecht nachgemünzt!"
Darnach hat sich freylich der König wieder mit
ihm ausgesöhnt und ihm einen prachtvollen Saphir-
ring und einen mit einem seltenen Chalcedon-
steinlein angethan. Und hat unser Meister noch
vieles für ihn hergestellt und malen müssen. So
die Bildnusse von Katharina Howard, der fünften
Frau unsers Königs, die hernach gleich Anna Boleyn
auf dem Schaffott hat für die Krone büssen müssen,
und die berühmbte grosse Leinwand von Heinrich

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