Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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■ UNSTAUSSTEL LUNGEN

BERLIN

Schuhes Kunstsalon eröffnete die
Saison mit einer Schuch-Ausstellung,
die aber den Eindruck, den man von
Schuch empfangen hat, ein wenig ab-
schwächte. Sie hatte etwas den Charakter einer Nach-
laßausstellung. Besonders viele Landschaften waren zu
sehen; alle mehr oder weniger von der Palette aus
empfunden. Anstatt ausführlich auf diese Ausstellung
einzugehen, ziehen wir es vor im nächsten Heft einen
grösseren Aufsatz über Schuch zu bringen. Er mag dann
gleich auch für diese als Ganzes immerhin recht wert-
volle Veranstaltung zeugen.

Eine Kollektion von Bildern Corinths, die zugleich
bei Schulte zu sehen war (Samml. Zaeslein), macht einen
wenig günstigen Eindruck. Gut vertreten ist Coiinth
in dieser Sammlung nur durch einen „Schlächterladen".
Alles andere ist mit ziemlich unglücklichem Qualitäts-
urteil ausgewählt.

Eine Ausstellung Ostasiatischer Kunst (Japan und
China) ist in der Akademie der Künste eröffnet worden.
Wir kommen auf dieses schöne Unternehmen im nächsten
Heft ausführlich zurück.

Eine Kollektivausstellung von Werken Wilhelm
Trübners gab es bei Fritz Gurlitt. Etwas bunt zusammen-
gestellt, wie es die Um-
stände eben gegeben haben,
aber doch erfreulich, weil
manches schöne alte und
neue Stück zu sehen war.
Von den Trübnerschülern,
die zugleich ausgestellt
hatten, Artur Grimm, Os-
kar H. Hagemann und M.
Pretzfelder, wusste Pretz-
felder am meisten zu inter-

essieren. Vor allem als Radierer. Seine radierten
Blätter haben technische Vornehmheit und Kultur; was
ihnen fehlt ist ein grösseres Maass von naivem Natur-
erlebnis. — Der von Octave Mirbeau uns angepriesene
Franzis Jourdain ist einfach unmöglich. Entweder ist
Mirbeau selbst der Malerei gegenüber dumm oder er
hält uns für dümmer als wir sind. —

FRANKFURT a. M.
Der Kunstsalon Schneider brachte im Oktober eine
umfangreiche Kollektivausstellung von etwa achtzig gut
gewählten Arbeiten Adolphe Monticellis (f 1886) und
Paul Guigons (f 1871). Da die meisten Bilder aus süd-
französischem und schottisch-englischem Privatbesitz
stammten, bot diese Veranstaltung eine für Deutschland
kaum wiederkehrende Gelegenheit, die beiden proven-
qalischen Meister in ihrer kunsthistorischen Stellung zu
werten. Monticellis Streben nach absoluter farbiger
Symphonik entsprach ein in sicherer Tradition (Watteau-
Diaz) erworbenes technisches Können. Das gab dieser
Ausstellung gegenüber moderneren Veranstaltungen eine
klassische Note.

Von Guigon fielen neben nordfranzösisch empfun-
denen, an Rousseau und Daubigny erinnernden Arbeiten
einige provenc;alische Landschaften auf, die in der ver-
einfachenden Flächigkeit und den zurückhaltenden
Valeurs bei starker farbiger Gesamthaltung auf Cezanne

hinweisen, der mit Guigon
im selben Dezennium zu
Aix geboren wurde. Wie
weit beide einander beein-
flussten oder nur gleiche
künstlerische Anschauung
der gleichen Umgebung
verdankten, wird sich bei
dem frühen Tode Guigons
kaum entscheiden lassen.
F. L.

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WILHELM TRÜBNER, SELBSTBILDNIS

AUSGESTELLT BEI FRITZ GURLITT, BERLIN



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12.
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