Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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beiden Detailverkaufsläden in der Königgrätzer
und Potsdamerstrasse und vor allem der vollständige
einheitliche Ausbau der Westhälfte des am Hum-
boldthain gelegenen Industriebezirks der Gesell-
schah durch den Künstler.

Dieses grosse oblonge Gelände liegt zwischen
der Voltastrasse im Süden, dem Humboldthain im
Norden, der Brunnenstrasse im Osten und der Hus-
sitenstrasse im Westen im Norden Berlins. 13000
Arbeiter und Angestellte beschäftigt dieser riesige
Fabrikkomplex, dessen Osthälfte in der Hauptsache
die schon vor Behrens' künstlerischem Eingreifen
errichtete Grossmaschinenfabrik einnimmt, während
der ganze westliche Teil nur aus von dem Künstler
erbauten oder doch zum mindesten
von ihm architektonisch modifizier-
ten Fabriken besteht. Hier erhebt
sich seit 1 9 1 o als Kern der Gesamt-
anlage der vieltürmige Hufeisenbau
der Hochspannungsfabrik mit der
flachen Doppelhalle dazwischen;
gegen Süden erstreckt sich die wenig
jüngere Kleinmotorenfabrik an der
Voltastrasse, unvergesslich in dem
konstanten Längsrhythmus ihrer
strengen Rundpfeilerfassade. Das
südwestliche Eck an der Volta- und
Hussitenstrasse bildet seit kurzem
die neue Bahnmaterialfabrik und die
ausgedehnte Montagehalle für Gross-
maschinen, indessen an der nord-
westlichen Ecke des Grundstücks,
an der Gustav Mayer-Allee nach dem
Humboldthain zu, sich ein monu-
mentales Pfeilerportal als Haupt-
eingang zu diesem grossen Gelände
der AEG. erheben soll, durch einen
niedern Horizontaltrakt mit den
übrigen es einfassenden Baumassen
architektonisch verbunden. Es ist
eine bei aller Strenge der Einzel-
durchbildung doch in der sich ver-
schiebenden Perspektive höchst ma-
lerisch wirkende Architekturgruppe
von einheitlicher Grossartigkeit, die
sich dem durch das künftige Doppel-
thor an der Gustav Mayer-Allee Ein-
tretenden darbietet, der sicher nur
wenig Baukünstler individuell ge-
schlossene Werke von gleicher Aus-
dehnung an die Seite setzen können.

Die einfache Reihung durchgehender flacher Recht-
eckpfeiler , die die Längsfronten der Hoch-
spannungsfabrik zum ersten Male brachten, über-
nehmen alle Hoffassaden in der Runde, so dass hier
eine rhythmische zwingende Einheit entsteht. Pla-
stisch stösst der Längstrakt der Kleinmotorenfabrik
zwei Querbauten gegen den Hof vor, die je in
einem glatten Giebel schliessen, ein Motiv, das auch
die Schmalfront der im rechten Winkel herum-
biegenden neuen Fabrik für Bahnmaterial gestaltet.
Dieser Winkel wird durch verschiedene Treppen-
thüren belebt, die malerisch geschickt die Härten
des Knicks verhüllen. — Alle diese Bauten sind in
roten Handstrichsteinen verschiedener Wahl er-

l'ETER BEHRENS, KLEINMOTORENFABRIK DER AEG., VOLTASTRASSE

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