Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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Kopf ist im
Linien der

position eingeordnet; hier kehrt in
Hals- und Nackenlinie die eigen-
tümlich schwungvolle Kurve wie-
der, die den Amenophisreliefs die
leidenschaftliche Bewegung und
zugleich den dekorativen Reiz ver-
leiht. Im Relief wurde auch jene
differenzierte Modellierung, die
nun auf die Rundplastik übergreift,
längst gepflegt. Der optische Kon-
trast des geglätteten Mauerplans
und der rhythmischen Hebungen
und Senkungen der reliefierten Ge-
stalten haben die ägyptischen Künst-
ler von Anbeginn so gefesselt, dass
sie sich schon früh für ein Flach-
relief von minimaler Höhe, wenigen
Millimetern, entschieden, dessen
Stilwert in der stark betonten und
doch meisterhaft ausgeglichenen
Spannung zwischen der plastischen
Realisierung der Form und ihrer
Flächenbindung liegt. Sie besassen
vor der Mitte des dritten Jahr-
tausends eine subtilere Relief-
technik als irgendein Volk nach
ihnen, und der plastische Dekor
ihrer Grab- und Tempelwände ist
durch alle Zeiten ohnegleichen ge-
blieben. Für die Rundskulptur
allerdings dürfte das Eindringen
der plastischen Differenzierung in
einen monumentalen Stil von höch-
stem Rang den Beginn einer künst-
lerischen Dekadenz bezeichnen.
Darauf deutet auch die dekorative
Gesamthaltung der Büste und die
unzweideutige Orientierung dieser
Kunst auf das psychologisch Inter-
essante.

Vielleicht ist uns kein persön-
licheres Werk der ägyptischen
Kunst erhalten als der Berliner
Kopf; an Grossheit der Auffassung
Profil am stärksten empfunden: hier sind die und strenger Sachlichkeit übertrifft ihn aber manche
Krone am vollkommensten in die Korn- schlichtere Skulptur eines altägyptischen Meisters.

RELIEFKOPF AMENOPH1S IV.
'BERLIN, ÄGYPTISCHES MUSEUM

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