Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Seite: 386
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NEUE BÜCHER

BESPROCHEN VON EMIL WALDMANN

H. Popp: Die Architektur der Barock- und
Rokokozeit in Deutschland und der Schweiz.
(Stuttgart 1912. Julius Hoffmann. Als Band 7 der
„Bauformen-Bibliothek".)

Wer sich mit der Architektur des Barock und des
Rokoko beschäftigt und dabei mit dem grundlegenden
Werke Gurlitts beginnt, bedauert, dass es (notgedrungen)
so unzureichend illustriert ist. Die kleinen Strichzeich-
nungen thun den Dienst nicht. An handlichen Abbildungs-
bänden fehlte es bisher, man musste sich das Material
aus den oft schwer zugänglichen Einzelpublikationen
mühsam zusammensuchen. Das aber tat man schliesslich
doch nur, wenn man spezielle Absichten hatte. Wer
nichts weiter wollte, als sich informieren über die vor-
handenen Monumente, war oft bei den wichtigsten
Bauten verlegen, wenn er schnell eine Abbildung sehen
wollte. So blieb die Kenntnis der Barockarchitektur, ja
sogar der ganzen Achitektur seit der Renaissance das
ausschliessliche Eigentum von einigen Architekten,
Restaurierern und einigen wenigen Kunsthistorikern,
deren Spezialgebiet hier lag. Wenn man einen andren,
einen Nichtsspezialisten, in seiner eignen Bibliothek um
eine Abbildung der Orangerie in Kassel bat, konnte er
sie einem meistens nicht schaffen. Und die Rathausvor-
halle in Köln auch nicht.

Die Bände der „Bauformen-Bibliothek" sind für das
Gebiet der Architekturgeschichte ungefähr das, was die

„Klassiker der Kunst" für das Studium der Malerei und
Plastik bedeuten: Man hat schnell das ganze Material in
guten Abbildungen zusammen, man kann schnell finden
was man braucht. Ausserdem geben sie die erste An-
leitung für das historische Studium der betreffenden
Epoche. Denn wenn, wie im vorliegenden Bande zum
Beispiel, auch die Trennung in Kirchenbau, Palastbau
und Wohnhausbau durchgeführt ist und dann noch ein-
zelne kleinere Gruppen mit Details angegliedert sind,
innerhalb dieser Gruppenherrscht doch die chronologische
Reihenfolge, und ausserdem sind immer die Entstehungs-
zeit (notfalls approximativ) und der Baumeistername
unter jedem Bilde vermerkt. Ein Ortsregister und ein
Künstlerregister erleichtern ferner die systematische
Benutzung des Buches in erwünschter Weise. Wenn —
was ja wohl nicht ausbleiben wird — demnächst auch
„Barock und Rokoko in Osterreich" vorliegen werden,
wenn dann für Frankreich, Holland, England und Däne-
mark dieselbe Arbeit gemacht sein witd, so hat man mit
diesen und den bereits vorhandenen Bänden (Deutsche
Renaissance, Italienische Renaissance) ein hervorragendes
Korpus von Monumenten zur Geschichte der modernen
Architektur, das wir bisher wie gesagt schmerzlich ver-
missen.

Der Verfasser sagt, der Band solle Anschauung ver-
mitteln und praktische Anregung geben. Man braucht
das „Anregen" nicht mechanisch aufzufassen, man kann

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