Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Seite: 437
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lich geschenkt erhalten. Auch einen Teil seiner privaten
Sammlung hat der Verstorbene dem Museum einverleibt-

Was Morgan dazu getrieben hat, im Kunsthandel
eine Rolle spielen zu wollen, ist schwer ersichtlich. Es
war wohl die Liebe zum Sport; vielleicht auch die Suchr,
„das Grösste, Schönste und Besre zu besitzen", in der
Kunst sowohl wie in anderen Dingen. Vielleicht auch
wirklich eine gewisse Liebe zur Kunst. Wie dem auch
sei — ein Kunstkenner war er jedenfalls nicht. Er ver-
mochte eine Fälschung genau so herzlich zu bewundern
wie ein Original. Nur sagen durfte man es ihm nicht —
sonst konnte er „saugrob" werden, und es mussten schon
viele hervorragende Kenner immer und immer wieder-
holen, ehe er sich bereit fand, dieses oder jenes zu entfer-
nen. Dann schrieb er an den betreffenden Bilderhändler;
nannte ihn einen Betrüger und andere schöne Dinge und
verbot ihm, ihm je wieder unter die Augen zu kommen.

Im ganzen aber musste er sich auf die Kunsthändler
verlassen. Hierbei war er sehr misstrauisch. Hatte je-
doch einer sein Vertrauen erworben, dann vertraute er
ihm auch blind. Dass sich die Kunsthändler glänzend
dabei standen, kann man sich wohl denken. Keiner von
ihnen dürfte aus der Verbindung mit dem amerikani-
schen Milliardär weniger als 20—30 Millionen Mark
herausgeschlagen haben. Aber auch Morgan stand sich
gut dabei, denn die Preise stiegen immer höher; die
Bilder wurden immer wertvoller.

Grosszügig wie in seinen finanziellen Unternehmun-
gen war er auch im Sammeln. Er wollte nicht „einen"
Rembrandt, er wölke „den besten" Rembrandt. Dabei
verliess er sich hauptsächlich auf das Pedigree, die Her-
kunft der Bilder. Stammte das Bild etwa vom Herzog
von Marlborough — dann wars gut.

Man darf nicht annehmen, dass Morgan besonderes
Gewicht auf das Sammeln von Gemälden legte. Im
Gegenteil, er sammelte alles; seine chinesischen und
Majolika-Sammlungen, seine Sammlungen in Bronze,
Elfenbein waren ganz ausgezeichnet und übertrafen
verhältnismässig die Sammlung der alten Meister. Be-
sonders versessen war er auf kirchliche Altertümer, für
deren einzelne Stücke er manchmal bis zu einer Million
Mark zahlte. Sehr bemerkenswert ist seine Medaillen-
sammlung; prächtig schön seine Bibliothek illustrierter
Bücher und früher Drucke. Der Verstorbene dürfte
reichlich 200 Millionen Mark, das heisst etwa ein Drittel
seines Vermögens, für seine Sammlungen verausgabt
haben. Zurzeit wird ein Anbau an das Metropolitan
Museum aufgeführt, in dem er seine Schätze unter-
bringen wollte. Es dürfte folglich nichr überraschen,
wenn er seine Sammlungen gänzlich diesem Museum
Testamentarisch hinterlassen hat......

Indirekt hat der Verstorbene auf eine ganz merk-
würdige Art zur Hebung der Kunstsammlungen in
Amerika beigetragen. Er hatte sich nämlich daran ge-
wöhnt, die Kultur eines Menschen, mit dem er ver-

kehrte, nach — der Anzahl alter Meister zu beurteilen,
die er besass. Keine alten Meister — keine Kultur!
Keine Kultur — kein Geschäft! Die Folge davon war,
dass gewisse grosse Finanzmänner — wie etwa Kuhn,
Loeb & Co. — miteinander wetteiferten im Bestreben,
möglichst viele alte Meister anzukaufen In einem
Zimmer, in dem mit Morgan ein Geschäft abgeschlossen
werden sollte, konnte man mit Bestimmtheit eine Wand
voll alter Meister finden. Ihnen galt sein erster Blick.
War er befriedigt— dann konnte es Millionen kosten .. ."

In München und Berlin haben vielbesuchte Ver-
sammlungen stattgefunden, in denen ein wirtschaftlicher
Zusammenschluss der bildenden Künstler, ein Zentral-
verband, beschlossen wurde. Als Zeichen der Zeit ist
diese Organisationsbewegung wichtig genug. Wir kom-
men auch noch darauf zurück. Grundsätzlich kann der
Kunstfreund angesichts dieses Kartells von Künstlern
nur sagen: auf dem Parnass giebt es weder Rechtsschutz-
bureaus noch Witwen- und Waisenkassen, noch Verkaufs-
vermittelungsstellen. Das Wesen des Künstlers ist,
zweckfrei zu sein; diese Organisationsbewegung will ihn,
im Gegenteil, wirtschaftlich zweckvoll machen. In der
Berliner Versammlung im Rathaus stand in einer Ecke
ein Maler. Er zeichnete die vielköpfige Versammlung
und sah und hörte nichts von dem, was um ihn herum
vorging. Er war in dem Augenblick mehr Künstler als
alle die laut Votierenden.

Der Senior der Berliner Architektenschaft, Otto
March, ist, 67 Jahre alt, plötzlich einem Herzschlag er-
legen. Als ein feinsinniger und gebildeter Eklektiker,
der dieResultate akademischer Schulweisheit selbständig
zu verwerten wusste, hat March die mannigfaltigen Auf-
träge einer ausgedehnten Baupraxis mir liebevoller Hin-
gabe und sogniertem Geschmack erledigt. Er hat als
Architekt bei den Versuchen, das Raumprogramm des
protestantischen Kirchenbaues zu klären und zu einem
normalen Grundrissschema zu gelangen, praktisch mit-
gewirkt. Auch hat ihn das Problem des modernen Volks-
theaters vielfach beschäftigt. Seine eigentliche Domäne
aber war der Wohnhausbau. Er kannte von Haus aus
die Postulate eines entwickelten Wohnbedürfnisses und
darum verstand er auch die gesteigerten Ansprüche
seiner Bauherrn, für die er eine Reihe ausgezeichneter
Landhäuser und Herrensitze geschaffen hat. Neuerdings
ist Marchs Name wiederholt im Zusammenhang mit
dem Neubau des Berliner Opernhauses genannt worden,
für den er bei der letzten Konkurrenz einen sehr geist-
reichen Wertbewerbsentwurf eingereicht hatte. Im
übrigen lebt er in der Erinnerung der jungen Genera-
tion fort als eine aufrechte Persönlichkeit, die über der
Würde des Alters die Sorgen der Jugend nicht vergessen
hatte und, wo es die gute Sache galt, jederzeit bereit
war, ihre Gesinnungen mit dem Prestige seiner akade-
mischen Senatorenwürde zu schützen. W. C. B.

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