Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Seite: 438
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1913/0447
Lizenz: Freier Zugang - alle Rechte vorbehalten Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
NEUE BÜCHER

Thieme, Ulrich, Allgemeines Lexikon der bilden-
den Künstler. Leipzig, E. A. Seemann, 191 2. VI. u. VII.
Band.

Von dem an dieser Stelle schon mehrfach gepriese-
nen grossen Thiemeschen Künsterlexikon sind seit dem
letzten Berichte wieder zwei neue Bände erschienen,
der VI. (Carlini bis Cioci) und der VII. (Cioffi bis Cou-
syns). Man muss anerkennen, dass sich im allgemeinen
die Mitarbeiter sachlicher Kürze und Klarheit in der Dar-
stellung befleissigen und die Urteile den lhatsachen ge-
genüber auf das Maass des zur Charakteristik der histo-
rischen Stellung der einzelnen Künstler unbedingt Not-
wendigen beschränken. Nur einzelne Artikel, beson-
ders über moderne, englische und französische Künstler
leiden an einer Breite, die hier nicht angebracht ist.
Dass Corot als Kind vier Jahre bei einer Nourrice auf
dem Lande war, ist doch wohl, wie vieles andere, was
uns erzählt wird, gleichgültig und überflüssig. Auch ein-
zelne Aufsätze über ältere Meister scheinen mir zu um-
fangreich geraten zu sein, so zum Beispiel Gronaus an sich
ausgezeichneter Artikel über Correggio, der 16 Spalten
lange über Lorenzo Costa, und der gar 23 Spalten füllende
über Pietro da Cortona. Solche allzu umfangreichen Ar-
tikel dehnen nicht nur das ganze Werk übermässig aus, sie
sind auch für die Zwecke schneller Orientierung, denen
das Lexikon doch in erster Linie dienen soll, ungeeig-
net. Man verliert mit dem Lesen zuviel Zeit, bald die
Geduld, und endlich auch den Faden, sodass man das
Gesuchte schliesslich überhaupt nicht findet. Trotz dieser
„troppa grazia" in einzelnen Fällen wird man der Vor-
züglichkeit des Werkes volle Anerkennung nicht ver-
sagen dürfen. Man gewinnt den Eindruck, dass die
kunstgeschichtliche Forschungsarbeit hier wesentlich
besser abschneidet als in der sonstigen wissenschaftlichen
und popularisierenden Fachliteratur. Der Wust von
Rhetorik und aprioristischer — nicht aus der Beobach-
tung und Erfahrung erarbeiteter — Ästhetik, durch
die viele Kunsthistoriker ihrem Gegenstande und beson-
ders sich selber erhöhte Bedeutung zu geben suchen,

sind hier fast immer vermieden worden, so dass die Re-
sultate der Forschung und die Probleme in erfreulicher

Klarheit hervortreten.

P. K.

•SS-

Julius Model und Jaro Springer. Der franzö-
sische Farbenstil des XVIII. Jahrhunderts. Stuttgart und
Berlin, Deutsche Verlagsanstalt (1911).

Eine Reihe von 50 farbigen Nachbildungen der
schönsten Blätter der reichen und gewählten Sammlung
des Herrn Julius Model, die in dem vorliegenden Bande
vereinigt sind, sollen und können eine Vorstellung geben
von der Entwicklung des französischen Farbenstiches
und von den künstlerischen Wirkungen, die die vorzüg-
lichsten Meister mit dieser Technik zu erzielen vermocht
haben. Die Sammlung Model ist prächtig, sie ist mit
Sachkenntnis und mit Liebe und Sorgfalt zusammenge-
bracht worden, sie ist die selbständige Arbeit eines ge-
schmackvollen Kenners. Die Auswahl der zu reprodu-
zierenden Werke ist vom Besitzer mit Verständnis und
Geschick getroffen worden. Die Reproduktionen veran-
schaulichen durch das hier angewandte Verfahren den
Charakter der Technik recht gut, von den farbigen Rei-
zen der Originale können sie dagegen nur einen unge-
fähren Begriff geben. In der photomechanischen Far-
benreproduktion hat man, selbst nicht mit dem sehr
kostspieligen und schwierigen Dreifarbenlichtdruck,
bisher überhaupt noch keine vollkommen befriedigenden
Resultate zu erzielen vermocht. Einen besonderen, grossen
Wert verleiht der Publikation der Text, in dem Jaro
Springer in knapper, klarer und anregender Darstellung
uns über die Technik des Farbenstiches, über seine
Entwicklungsgeschichte und über die einzelnen Meister
dieser Kunst mit eindringender Sachkenntnis unterrich-
tet. Vornehmlich der Abschnitt, in dem Springer seine
in langjährigen Studien gesammelten Kenntnisse von den
verschiedenen, zum Teil recht schwer zu ergründenden
Herstellungsarten der Farbenstiche mitteilt, bildet eine
langerwünschte, wichtige Bereicherung der graphischen
Fachliteratur. P. K.

LISTE EINGEGANGENER BÜCHER

Robert Ress: Arno Holz und seine künstlerische, Das Pferd in der bildenden Kunst. Verlag

weltkulturelle Bedeutung. Ein Mahn- und Weckruf an von Friedrich Engelmann, Leipzig,
das deutsche Volk. Verlegt bei Carl Reissner, Dresden 1. Louis Hautecueur: Greuze.

19 13. 1. Henry Caro-Delvaille: Titien, beides in der

Kandinsky, Klänge. München bei R. Piper Librairie Felix Alcan, Paris 1913.
8c Co. Die Radierungen und Steindrucke von

Wagner oder die Entzauberten von Emil Lud- Käthe Kollwitz. Ein beschreibendes Verzeichnis von

wig. Verlag Felix Lehmann, Berlin W. Joh. Sievers. Dresden, bei Hermann Hülst.

ELFTER JAHRGANG. ACHTES HEFT. REDAK.TI0NSSCHLUSS AM 17. APRIL. AUSGABE AM I. MAI NEUNZEHNHUNDERTDREIZEHN
REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERLAG VON BRUNO CASSIRER IN BERLIN. GEDRUCKT IN DER OFFIZIN

VON W. DRUGULIN ZU LEIPZIG
loading ...