Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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Kunst von Beginn der historischen Epoche an und
lange Jahrhunderte hindurch eine soziale Erschei-
nung gewesen ist; der Gedanke einer rein indivi-
dualistischen Kunst, die nur zu einem ästhetischen
Genüsse dient, und der Geschmack an der Kunst
um ihrer selbst willen sind moderne Erfindungen.
Indessen haben Ethnographen, die sich dem
Studium der wilden Völkerschaften widmeten, zahl-
reiche und auffallende Ähnlichkeiten mit dem prä-
historischen Menschen festgestellt. Nicht nur
Waffen und bewegliche Gebrauchsgegenstände
stimmen miteinander überein: der Geschmack für
die Verzierungen ist derselbe. Ja noch vielmehr:
man hat in Australien, in Südamerika, in Nord-
amerika (besonders in Kalifornien), bei den Busch-

Im Lichte dieser Erkenntnisse und durch Über-
legungen und Analogieschlüsse hoffen die Prähisto-
riker, dazu zu gelangen, einen tiefen Sinn in ihren
Entdeckungen finden zu können. Wenn es sich bei
den Troglodyten nicht nur einfach um Spiel oder
rein ästhetisches Wohlgefallen handelt, so kommt
das davon, dass der Nutzen im Spiele ist. Nach
den Prinzipien des Animismus kann ein Tier dazu
gezwungen werden, die Stelle, wo sein Bild ist,
zum Aufenthaltsort zu wählen: denn das Bild hat
durchaus den Wert eines Doppelgängers. Nun hat
aber das Individuum, oder vielmehr der Stamm,
(denn jene mit Palimpsesten bedeckten Felsen kön-
nen unmöglich das Eigentum eines Einzelindividu-
ums gewesen sein,) ein brennendes und dauerndes

MEHRFARBIGE RENNTIERE AUS FORT-DE-GAUME

KOT UND SCHWARZ

männern, bei den Eskimos, kurz bei fast allen Völ-
kern, die noch heute von der Jagd leben, eine sehr
grosse Anzahl von Zeichnungen und Gemälden bald
auf Felsen in freier Luft, bald in Höhlen entdeckt.
Was stellen nun diese Zeichnungen dar: Tiere,
Menschen, Hände, Keulen und verschiedene Zei-
chen, unter denen man das dachförmige wieder-
findet. Allmählich beginnt der Sinn und der Grund
des Vorhandenseins dieser Ausschmückungen be-
kannt zu werden. Jene Zeichnungen stehen in engem
Zusammenhange mit magischen Praktiken, die an
den Totemismus erinnern. Zeichnungen und Riten
haben den Zweck, dem Menschen eine gewisse ge-
heimnisvolle Gewalt über die abgebildeten Wesen
und Gegenstände zu sichern: der Urheber oder der
Besitzer der Bildes hat einen gewissen Einfluss auf
das Urbild.

Interesse daran, sich die Herrschaft über die Tiere
zu sichern, die für seine Existenz unentbehrlich
sind, die ihm Fleisch, Pelzwerk, Hörn, Bein, Sehnen,
Mark und Fett liefern. Es handelt sich also darum,
sie entweder an die Gegend zu fesseln, damit die Jagd
ertragsreicher ist, oder ihre Vermehrung und die
periodische Wiederkehr (sobald es sich um Wan-
derungen handelt) zu sichern, um eine Hungersnot
zu vermeiden, oder sich ihre Geneigtheit zu ver-
schaffen und sie sich wohlthätig zu stimmen, oder
auch ihre Wildheit unschädlich zu machen ... Dar-
aus erklärt sich die Erfindung von homöopathischen
Vorkehrungen, wie sich Hirn ausdrückt, indem
man Gleiches durch Gleiches, das Lebende durch
sein Abbild, anzieht und überwältigt. Jede darge-
stellte Tierrasse ist ohne weiteres dem Menschen
virtuell unterworfen.

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