Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Page: 593
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TAGEBUCH NOTIZEN TH. CHASSERIAUS

MITGETEILT VON

LUDWIG BURCHARD

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Chasseriau ist gegenüber Puvis de Chavannes wenig be-
kannt. Er starb früh (geb. 1819 — gest. 1856). Seine Werke
sind grösstenteils in Privatbesitz, bei dem Neffen des Künstlers,
Herrn Baron Arthur von Chasseriau. Die Fresken sind schwer
zugänglich und zum Teil zerstört. Man ist also im wesentlichen
auf die Photographien angewiesen. Nichts kann die hier mit-
geteilten Abbildungen würdiger begleiten, als die Worte des
Künstlers selbst. Chasseriau pflegte auf seinen Zeichnungen
sich genaue Notizen zu machen. Die Biographie des Künst-
lers von Valbert Chevillard (Un Peintre Romantique. Theo-
dore Chasseriau, Paris, Lemerre, 1893), die einzige grössere
Arbeit über den Künstler, hat diese Notizen gesammelt und
abgedruckt (a. a. O. pag. 223—264). Sie werden hier in einer
Übersetzung gegeben, welche die „inkorrekte und beinahe
barbarische Form" des Originals möglichst unverfälscht wieder-

Alles, was ich in Genua gesehen habe, war ernst
und schön, stolz wie es Kunstwerke sind, die
Republiken hervorgebracht haben; die Mauern der
Kirchen schwarzweiss; die Säulen an ihren Basen
mit Krallen bewehrt, alles ist düster, stark und
eigentümlich.

Niemals vergessen, dass die Meister stets wahr
gewesen sind, ohne alltäglich wahr zu sein.

Ein Wäldchen im Sonnenstaub malen, alle Töne
der Bäume aufgelichtet und dünn, alles in Sonnen-

giebt. Chevillard hat diese „Notes et Pense'es d'Art" folgender-
massen eingeleitet: „Chasseriau hatte die Gewohnheit, auf der
Reise, neben die Skizzen, die er machte, seine momentanen
künstlerischen fdeen hinzuschreiben. Ohne Zweifel unter-
stützte er durch dieses Mittel seine malerischen Eindrücke der-
gestalt, dass er sie bei der Rückkehr, im Atelier, leichter
wiederfinden konnte. So tragen die unzähligen Studien, Skiz-
zen, Bildentwürfe oder einfachen im Flug gemachten Angaben,
die er hinterlassen hat, geschriebene Notizen, zum grössten
Teil leider durch die Zeit verlöscht. Wir haben was uns zu
lesen möglich war, an dieser Stelle vereinigt, getrieben von
dem Charakter der Grösse und Schönheit, der sich hier in
einer inkorrekten und fast barbarischen Form kundgiebt. Der
Maler wird, in seiner Initimität mit der Kunst überrascht,
hieraus nicht kleiner hervorgehen."

duft, und nur die Lichter lebhaft, die auf die Stämme
fallen (zart, prächtig und neu).

Nicht flau malen, nicht schwächlich modellieren
und ohne Liebe, alles unbefangen hinsetzen und
es doch in die Grösse von geschlossenen Massen
hüllen.

Kein Mischmasch in die Töne bringen, die
Natur ist wie ein Mosaik gemalt; widersprechende
Töne schmutzen, heben alle Freiheit und Frische
auf.

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