Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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TH. CHASSERIAU, PORTRÄT DER COMTESSE d'aGOULT. ZEICHNUNG
SLG. BARON ARTHUR CHASSERIAU, PARIS

Einen sterbenden Araber malen, nahe einer
Schlucht von Oleander, die Felsen grau, Vogel
flattern, der sterbende Araber platt auf dem Boden
ausgestreckt, das Pferd schaut ihn unruhvoll an,
Spannung und Schmerz, es wittert ihn.

Keine Angst vor einem grossen Glanz; nichts
funkelt mehr als die Natur, nichts ist strahlender.
Die Malerei neigt dazu, verworren zu werden und
ihre Schärfe zu verlieren; monumental malen und
doch reell; Lichterund Schatten setzen wie in Wirk-
lichkeit. Köpfe ganz im Halbton, von starker Sonne
getroffen, die ihnen Farbe giebt, und andere, die im
Lichte sind voll vom Ausdruck jugendlicher Frische;
das wäre bezaubernd.

Das Kolosseum abends von einem erstaunlichen
Goldton, der Himmel blau, die Schatten nicht hell,
sondern braun und warm, was nicht häufig vor-
kommt.

(1841)

Rom um fünf Uhr, golden und rot zu-
gleich, und wenige Schatten, die fernsten
etwas bläulich, schwärzlich.

In einem Gemälde soll das Licht stets
aus der Mitte kommen.

Im Kriegsministerium alle der Kavallerie
entnommenen Szenen aus dem Soldatenleben
malen die Schildwache am Tor zu Fuss,
den Säbel in der Faust, mit der weissen
Quaste in die Hand eingerollt (stolz und
gross).

Das Putzen der Pferde — Original-
kostüm des Reiters ausnutzen; die Pferde,
die gestriegelt werden, einige wehren sich,
andere trinken aus langen Becken.

Alle militärischen Szenen darstellen. Ge-
schickt Französisch-Afrika dazu verwerten
und Szenen aus dem Leben unserer dortigen
Truppen wiedergegeben, die Spahis beson-
ders, alles was ich davon gesehen habe.

Männer und Frauen im Kopfputz aus
weissem Jasmin, der ihnen in Girlanden von
der Frisur auf den rosigen Busen nieder-
hängt. Der Leib ganz jung, fein und schön;
leichte Stoffe von Goldpunkten bedeckt wie
von Sternen.

Merken, wie die glühenden Städte des

Südens Atlasfarben in den Schatten haben

und strahlende Lichter; der Himmel in einem

stechenden Blau und Grün, dann in roten Tönen,

rötlichen, endlich in grauen Tönen.

Um an Mauern grosse ruhige und graue Stellen
zu haben, dazu genügt ein einfacher Goldton an
einigen Stellen.

Die Landschaft gross und prächtig, braune wilde
Herden, Züge von Pferden auf den Bergen; am
Abend der Himmel golden, die Berge in lebhaftem
Blau und die Hügel in prächtigem frischen Grün;
Bächlein von Oleander umsäumt, über grosse Steine
fliessend.

Abends die Strassen vom Mond erhellt und vom
Feuer der Lichter, die in den Läden strahlen; die
Männer kauernd um Wache zu halten.

Wenn zwei Pferde beisammen stehen, so be-
findet sich das hintere häufig im Schatten. Daran

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