Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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HANS MEID, AUS DEM OTHELLO-ZYKLUS. RADIERUNG

MIT ERLAUBNIS DES KUNSTSALONS J- GASPER, BERLIN

Porzellanartige der Meidschen Radiertechnik. Auch
Renoir ist ja die Folgen seiner Thätigkeit als Por-
zellanmaler niemals ganz los geworden. Im übrigen
ist Meid Autodidakt. Seine wichtigsten Lehrer
sind Wahllehrer. Er versteht es ausgezeichnet, An-
regungen dieser Jahre so vollständig zu verarbeiten,
dass etwas Neues daraus wird.

Mustert man die Reihe unserer jüngeren Künst-
ler, so gehört Meid zu den glücklichen, zu den am
schnellsten aufgeblühten Talenten. Seine feine und
edle Begabung ist charmant, ohne dem Kompromiss

zugänglich zu sein; der Kampf und Krampf des
Revolutionären hat sie verschont. Meid will was
er kann und kann was er will. Selbst wenn eine
bedeutende Höherentwickelung diesem Talent nicht
mehr beschieden sein sollte, wird es uns des An-
regenden noch viel zu bieten haben. Und stets und
überall wird Meid willkommen sein. Denn er hat
eine neue Art von Lächeln in unsere ernste, fast
krankhaft ernste Kunst gebracht; und dafür giebt
ihm der Betrachter, dankbar und belebt, ein Lä-
cheln der Zustimmung zurück.

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