Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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feBKOMI UKTIONS NACHRICHTEN

MÜNCHEN

Versteigerung der graphischen Sammlung
von Prof. Karl Voll, München, bei Emil Hirsch,
30. April und 1. Mai 1917.

Am Schlüsse des Vorwortes, das Prof. Voll für
den Katalog seiner Auktion geschrieben hat, sagt er an
einer Stelle, für einen Sammler sei der wichtigste Ge-
sichtspunkt: „Stosse unbarmherzig und ohne Kummer
über verlorenes Geld alles ab, was du nicht in bester
Qualität hast."

Man weiss nicht recht, wie dieser Satz gemeint ist,
ob er für die zur Versteigerung kommenden Blattet
aus dem Besitz des Professors Voll Gültigkeit haben
soll, oder im Gegenteil. Jedenfalls war die Sammlung,
die hier unter den Hammer kam, sehr interessant und
wies eine Menge hervorragender Drucke auf, die man
unbedingt als beste Qualität bezeichnen kann.

Voll hat im wesentlichen illustrierte Bücher,
deutsche und französische, des neunzehnten Jahrhun-
derts gekauft, sowie Graphikblätter in guten Drucken,
besonders auch in Probedrucken.

Die Höhepunkte lagen bei den Namen Wilhelm
Busch, Daumier, Dore, Garvani, Liebermann, Menzel,
Pocci, Rethel, Richter, Schwind undSlevogt. Wir können
natürlich hier nicht alle Preise vermerken, sondern be-
gnügen uns mit den wichtigsten.

Wilhelm Busch: Die Erstausgaben der berühmten
Bücher kosteten yoMk., gelegentlich auch mehr, Probe-
drucke zu Bilderpossen (Nr. 58) wurden von dem Mün-
chener Kupferstichkabinett für 1700 Mk. erworben. —
Cezanne: Lithographie der Badenden 1 90 Mk.; dasselbe,
grösser, mit Landschaft 350 Mk. — Daubigny: Chants
et chansons populaires de la France 335 Mk. — Daumier:
Einzelne der berühmtesten Lithographien brachten an
1000 Mk.; Le ventre legislatif 890 Mk.; Ne nous y
frottez pas! 7J0 Mk.; Enfoncc Lafayette! 1450 Mk.;
5 Mappen „Caricature" iSooMk.; einzelne „Charivari"
zwischen 100 und 400 Mk.; die Serie „Moers conju-
gales" brachte 2100Mk. Holzschnitte: Nr. 140. Amour
de Part et de la colette 150 Mk.; Nr. 141. Dans le
salon carre HoMk.; Nr. 142. Omnibus 81 Mk.; Nr. 143.
La Mi-Careme 60 Mk.; Nr. 144. Le dernier Coup de
Pinceau 16j Mk.; Nr. 145. Nos peintres 78 Mk.; Nr. 146.
Photographes et photographies 91 Mk.; Nr. 147. Quels
sont les plus Chinois? 60 Mk.; Nr. 148. Un vrai Cice-
rone 60 Mk.; Nr. 149. Types d'advocaces 53 Mk.;
Nr. 154. Nemesis medicale illustree j8oMk.; die Probe-
drucke dazu 1550 Mk, — Delacroix: Lithographien zu

„Faust" i7ooMk.; Lithographien zu „Hamlet" 63oMk.
— Dore: Herkulesarbeiten uyMk.; Balzac, „Contes
drolatiques" 240 Mk. —Gavarni: LesToquades 790 Mk.;
Balzac, „La peau de chagrin" 680 Mk. ■ • Gericault:
37 Lithographien, meist Pferdedarstellungen 240 Mk. —
Goya: „Los Caprichos", I.Ausgabe 6iooMk.-- Lieber-
mann: Nr. 261. 6 Kaltnadel-Arbeiten 96oMk.; Nr. 263.
Dr. Burchard, Radierung ioj Mk.; Nr. 264. Polo, Ra-
dierung 120 Mk.; Nr. 265. Selbstporträt, Radierung,
Seh. 60IU 21J Mk.; Nr. 266. Selbstporträt, Radierung,
Seh. 119IV jyoMk. Die Holzschnitte von Liebermann,
die für ein bisher noch nicht veröffentlichtes Werk be-
stimmt waren, wurden aus der Auktion zurückgezogen,
da Zweifel über das Eigentum bestanden. — Menzel:
Nr. 308. Christus als Knabe im Tempel, Lithographie
265Mk.; Nr. 310. Kugler, Friedrich der Grosse, 1. Aus-
gabe 455'Mk.; die Probedrucke dazu kosteten zwi-
schen 25 und 165 Mk., ein unbekannter, nicht ver-
wendeter Druck 230 Mk.; Nr. 350. Bauernhäuser
(Zeichnung) 11 ooMk.; Nr. 3 ; r. Waldhütte 1000 Mk.—
Oberländer: Nr. 379. Zeichnung 315: Mk.; Nr. 380.
2 Zeichnungen 410 Mk. — Picasso: Die Radierungen
kosteten durchschnittlich ioo-ijo Mk., teurer waren
Nr. 3 92, Mädchenkopf, der 1 70 Mk. brachte, und Nr. 394,
Mann und Frau am Tisch, wofür 42? Mk. bezahlt wur-
den. — Pocci: Im allgemeinen billig. Der schöne „Toten-
tanz" (Nr. J01) kostete 7 1 Mk. — Ludwig Richter: Die
Preise waren im allgemeinen normal. Nr. $52, Bech-
steins Märchen, stiegen auf 475 Mk. — Schwind : Nr. 598.
9 Probedrucke zu Bülaus Deutscher Geschichte 31 oMk.;
Nr. 600. Federzeichnung zu den „Sieben Raben"
1200 Mk. — Slevogt: Originalzeichnungen: die kleinen
Federzeichnungen zu Schaffsteins grünen und blauen
Bändchen kosteten zwischen 1 00 und 200 Mk., einzelne
mehr. Nr. 63 5- a. „Fischfang" 280 Mk.; Nr. 635b.
„Zaunkönig und Bär" 270 Mk.; Nr. öy7. „Römischer
Krieger" 310 Mk,; Nr. 66?. „Christus am Kreuz"
300 Mk.; Nr. 665a. „Fuchs und Rabe" 335 Mk.;
Nr. 667. Zeichnung zu „Corinna" 410 Mk.; Nr. 668.
„Schneider und Teufel" 620 Mk.; Nr. 669, „Das
Glück", das mit 3000 Mk. ausgerufen wurde, fand
keinen Käufer. Nr. 670. Aquarell von Winzern 750 Mk.
Die Probedrucke zu den „Schwarzen Scenen" wurden
zusammen mit 3500 Mk. bezahlt. Probedrucke zum
„Achill" 300 — 5-00 Mk. das Stück. Probedrucke zum
„Lederstrumpf" 100—300 Mk., gelegentlich etwas
mehr. Die Luxusausgabe des „Lederstrumpf" brachte
i7foMk. E.W.

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