Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 22.1924

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ALFRED MAHLAU, RUMMELPLATZ. FARBIGE ZEICHNUNG

AUSGESTELLT BEI GOLDSCHMIDT & WALLERSTEIN, BERLIN

nur in einem Exemplar oder in wenigen Exemplaren er-
haltenen Zustandsdrucke mit Angabe des Ortes, wo sie sich
befinden, notiert. Früher, als Liebermanns Kunst noch
nicht so eifrig wie jetzt gesucht wurde, sind viele dieser
Seltenheiten in öffentliche Kabinette gelangt, namentlich in
das Dresdener und Berliner Kupferstichkabinett, dank dem
Sammeleifer, den Max Lehrs entfaltete, in jüngerer Zeit
aber wurden sie fast ausschließlich von einem übermächtigen
Privatsammler, von Herrn Dr. Stinnes in Köln, aufgenommen,
mit dem die öffentlichen Institute längst nicht mehr in Wett-
bewerb treten können.

Grundsätzlich sollten nur Veränderungen der Platte ver-
merkt werden, deren sichtbare Kennzeichen mit Worten zu
beschreiben sind. Unter den üblichen römischen Ziffern
verzeichnet Schiefler in der Tat nur wirkliche „Zustände",
mit a und b fügt er aber Abdrucksgattungen ein, die nicht
voneinander zu unterscheiden sind, soweit nicht etwa Papier-
sorte oder handschriftliche Bezeichnung als das charakte-
ristische Merkmal angegeben wird. Man findet zum Bei-
spiel unter Nr. 107 III als b „signierte Vorbehaltsdrucke des
Künstlers" als ci „vom Künstler signierte Vorzugsdrucke".
Mit solchen Unterscheidunge"n ist in der Praxis nichts an-
zufangen. Vermißt wird die Angabe, welchen Zustand die
Reproduktion wiedergibt. Zur Erleichterung der Übersicht
wäre die Jahreszahl auf jeder Seite erwünscht.

Im ganzen steht Liebermanns „Werk" in diesem Bande
wie ein Baum da, dem immer breitere Jahresringe zuge-
wachsen sind. Und die Übersicht, die Text und Abbildungen
gewähren, ist umso willkommener, als bei der ausgedehnten

Produktion und den gesteigerten Preisen die Reihe der
Originaldrucke schwerlich irgendwo lückenlos zugänglich
sein dürfte. Max J. Friedländer.

Max Sauerlandt, Deutsche Porzellanfiguren
des 18. Jahrhunderts. 124 Abbildungen nebst einer Ein-
leitung und einem Verzeichnis der Lebensdaten der be-
deutendsten Modelleure der deutschen Porzellanmanufak-
turen. Marcan-Block-Verlag, Köln.

Wer vor der Aufgabe steht, aus der übergroßen Zahl
deutscher Porzellanfiguren des achtzehnten Jahrhunderts eine
kleine Auswahl charakteristischer Proben zusammenzustellen,
wird alles ausschalten, was dem innersten Wesen des Por-
zellanstils widerspricht, in erster Linie jene Gebilde, deren
Formgedanke nicht aus dem Material heraus geboren ist,
die nichts anderes darstellen als Großplastik in Miniatur-
format, gleichviel, ob sie nach monumentalen Werken ver-
kleinert oder eigens für Porzellan geschaffen sind. Er muß
ferner alles ausscheiden, was ins Kuriositätenkabinett oder
in eine Spezialitätensammlung hineingehört.

Sauerlandt hat die Grenzen in seinem Werk, dem er
eine fesselnde, allgemein orientierende Einleitung voraus-
schickt, etwas zu weit gesteckt. Manches wäre besser durch
anderes ersetzt worden: der Meißener Kriegselefant von
Kandier, die große Statuette Augusts III. nach Silvestre, die
beiden Gellertdenkmäler, deren eines nur eine Verkleine-
rung des Marmosoriginals von Schlegel, deren anderes eine
recht schwache Leistung von Kandier aus dem Jahre 1775,
kurz vor seinem Tod, darstellt. Von dem Höchster Modell-

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