Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 22.1869

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Mjn RUDOLF MOSSK,
gt. Stikdrlchistrut«

28T Erstes Beiblatt.

KeiblM;umKladdemda1sch.

Berlin, den 20. Juni 1869.

XXII. Onfjnfnng.

SIE: Der ©iej ist errungen,
ER: Ist uliier mein Schatz'

Es ist in Capenne
Für Tausend noch Platz!

Vulvö vt ckeoocum eto.

In Paris bat ein Wähler, ein Sei-
ler seines Zeichens, sich aufgehänzt,
au» VertwUß darüber, daß sein Can-
didat, Rocheforl, durchgefallen war.

Die Lorbeer» des unversöhnlichen
Seilers haben die Kaiserlichen nicht
lange schlafen lasten. Schon am fol-
genden Tage Hörle inan, Last ein Wäh-
ler der Regieningspartei, ein Wein-
Händler seines Zeichens, sich aus Ber-
drust über den Durchfall des cfficieller.
Candidalen mit seinem eigenen Fabri-
kat vergiftet habe.

Der norddeutsche Nc>ch8tag an
den jircufjifdjcu Landlag.
ihm die abgclebntcn Stciicrvorlageii
übergcbciid.

Meinem Arni wird er zu schwer!

Sv du kämpfest ritterlich,

Freut dein aller Vater sich.

(Fr. v. Stolberg.)

Die Petition gegen die Rechtsbestän-
digteit der mecklenburgischen Berfassung
ist v.'in BuudeSrathe zurückgewiesen wor-
den, weil sich im Jahre 1868 die merf-
lenburgische Berfa,stung in „anerkannter
Wirksamkeit" befunden habe.

Dast sie in Wirksamkeit geivesen, steht
leider fest — auf Anerkennung hal sie
aber wohl selbst nieiilalo gered'net.

Hütöl-VkrpLLlitmio' in Berlin.

Ich beabsichtige mein Hierselbst in der Potsdamer Straße 23a, Victoria- und Königin-
AngUfra-Ttraßcn-Ecke belogenes Wohnhaus zu einem Hotel zu vermiethen. Eins der größten und
monuinentalen Gebäude der Residenz, vor 6 Jahren gebaut, entspricht die innere Einrichtung vollständig
den Anforderungen an ein derartiges Etablissement ersten Ranges. Die zu benutzenden Räume bestehen
aus 40 heizbaren Zimmern, nach den drei Straßen vorn belegen, bei denen 12 elegante
Säle von angeiiehiner Größe sind; ferner 20 heizbare Zimmer, nach dem Hofe belegen, und 10 PieckN
im hellen Souterrain zur Küche und WirlhschaftSräumen benutzbar. Hierzu treten 8 Zimmer in der obersten
Etage zu Domestikenzimmern, dann Badestuben, Stallungen, Wagenremisen.

Die Lage des Grnndstülks, mitten im elegantesten und vornehmsten Stadttheil, ganz
nahe am Potsdamer und Anhaitischen Bahnhof, ist für den gedachten Zweck eine ungemein günstige, zumal
da nicht weit entfernt die Sitzungen der Mitglieder des Reichstags und des Herrenhauses Statt finden.
Die Bahnhöfe der Hamburger und Stettiner Eisenbahn sind durch die Bietoriastraße. Thiergarten und
über die neue Alsenbrücks auf dem angenehmsten Wege zu erreichen. Die Aussicht, welche sich von diesem
Hause aus allen Borderzimmern nach den verschiedenen Richtungen über den Boulevard, den neuen Kanal
und über die Promenade bietet, ist eine überraschend angenehme und. ohne Frage in Berlin ans keinem
andern Punkte übertroffcn. In noch höherem Grade kommt dieser Vortheil den obersten Etagen zu,
und da grade in diesen die Zimmer hoch und prächtig angelegt find, so ist anzunehmen, daß sämmtliche
Logements höchst beliebt sein werden. — Bei dem hohen Aufschwungs, welchen Berlin in den letzten Jahren
genommen und dem es noch in riesigerem Maaße entgegen sehen darf, würden ein oder mehrere intelligente
Unternehmer hier ein äußerst angenehmes und lukratives Geschäft begründen können. ES sei bemerkt, daß
sich dann hier eine Nachahmung der Londoner Einrichtungen finde» würde, da dort eineStheilS vom Mittelpunkt
der Stadt mehr entfernt bei de» Eisenbahnstationen, die großartigsten und comforlabelsten HütelS schon seit vielen
Jahren zur Begnemlichkeit des Publikums etablirt ivnrde». aber andi andernlheils in de» vornehmsten Gegenden
der Aristokratie kleinere, höchst elegante, sogenannte Palasthvtclö entstanden sind.

Die Bermiethung würde zum l. April resp. l. Oktober!870, bis wohin die gegenwärtigen Eontraete
bindend sind, erfolgen. Eine Besichtigung des Hauses und einer Anzahl Zimmer ist vom i9. Juni bis
3. Juli von Morgens 10 Uhr bis Nachmittags 6 Uhr gestattet. Zur Uebernahme incl. Pränumerandopacht
und eleganter Einrichtung würde ein Capital von 25- bis 50,000 Thlrn. erforderlich sein. Pächter können
das Grundstück nach einer Reihe von Jahren käuflich erwerben und ist hierbei zu bemerken, daß die
Rentabilität jetzt über 200,000 Thlr. repräsentirt. Die parterre vorhandenen Läden werden zunächst nicht
mit vermiethet, doch kann dies, »veil» nötliig, später arrangirt werden.

Aus frankirte Anfragen werde ich die speeiellen Pachtbedingungen mittheilen und alle weitere
AuSkunst ertheilen.

Berlin, Juni 1869.

Rückeriniierungs-Dueil.

SIE: Wie Hab' ich gezittert
Für dich, elier ami!

Man kommt oft zu Fall, und
Weiß selbst doch nicht wie.

ER: Doch als meine Schergen

Wie sind da die Haare
lind die Ehignons geflogen!

SIE: .sei inll nun, mein Lulu
Und wein' nicht so sehr!
Papachen ist lustig —
Was willst du noch mehr?

ER: Triumph! eh' Sanet Chasiepot
Sein Wunder erprobt!

Bezahlt und belobt.

RR: Fünf Tage, fünf Nächte —
Welch wüstes Geschrei!

Ich Lacht schon, es war'
Mit uns Beide» vorbei!

Varl Schlieder.

Potsdamer Straße 23a.
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