Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 40.1887

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ßerltn, den 1. Mai 1887.

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WettgeschichMches.

Ijpikus alten Tagen meldet die Sage uns,

i: Daß um ein Weib einst, welches ein Räuber keck
Entführt, die Griechen mit den tapfern
Troern in blutigen schlachten stritten.

Auch jüngst noch drohte grausige Kriegsgefahr,

Als gegen Recht und Sitte — wann hätten sie
Darum gekümmert sich! — die Deutschen
Schnäbele raubten, den braven Späher.

Dicht vor dem Grenzpfahl faßten die Schergen ihn
Und schleppten ihn ins rauhe Germanenland,

Indeß fein chut ins schöne Frankreich
Rollte, vom freundlichen wind bestügelt.

Da scholl der Ruf des Zornes am Seinestrand:
„Nicht dürfen wir den frevelnden Uebermuth
Des Kanzlers dulden!" „Nein, ihr dürft's nicht!"
Scholl es ermunternd vom Newaufer.

Gesenkt in ernstem Sinnen das schöne Haupt
Spricht Klio seufzend: „Müde des schweren Amts
Bin ich. wie selten Hab' ich Arme
Etwas Erfreuliches zu berichten!

Nun soll ich wieder künden vom grimmen Streit,
Nom Brand der Städte! werd' ich erschauen noch
Die Zeit, da nicht mehr meine Tafeln
Triefen vom Blute der Erdenkinder?"

Doch bald erhebt die Göttin das schöne Haupt
Ihr Auge glänzt, in freudiger Hast ergreift
Die Tafel sie, und leichten Herzens
Schreibt sie die tröstliche Kunde nieder:

„Es war im Jahre siebenundachtzig doch
Der Friede fester, als es im Lande rings
Die weisen glaubten; die Entführung
Schnäbeles könnt' er sogar vertragen."

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