Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 48.1895

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Briefkasten.

^lachen. S.: Für die Tage vom 9. bis
24. Juli ist eine Heiliglhnmsfahrt nach Aachen
angesetzl. In Bezug darauf macht das Eollegials-
StiftScapitel bekannt: „In den Eröffnnngs- und
Vcrschließnngsfeicrlichkeiten werden nur bestimmte
Personen Zutritt erhalten. Nachdem diese unter
Vortritt des Stiftscavitels und des Stadtrarhcs
zur bestimmten Zeit im Chor angekommen und
die.Heiligthümcr unter Gesang aus der ungarischen
Kapelle dorthin gebracht sind, wird die sogen.
Wolssthür geöffnet und das Publikum zur Mit-
beiwohnung der besagten Feierlichkeiten in das
Innere der Münsterkirche zugclassen. Kranken,
welche sich unter Vorlegung einer schriftlichen,
mit dem Pfarrsiegel versehenen Empfehlung ihrer
Seelsorger im Schullokal „Trachcnloch" gemeldet
haben, können Morgens zwischen 9 und 10 Uhr
im Oktogon mit den Heiligtümern berührt
werden." „Wolssthür" und „Trachenloch" klingen
viclverheiffend. Als Endstation fehlt nur der
Höllenschlund.
Anklam. M. Sch.: In der „Anklamer
Zeitung" vom 19. Mai macht Hendel in Sorgen-
frei bekannt: ..Heute morgen sind von meinen
Spargelbecten von Unberufenen Spargel gestochen
und gestohlen worden. Der Spitzbube hat aus
dem rechten Hinterfuß schiefen Absatz." Der
Spitzbube ist anscheinend der gestiefelte Kater
gewesen.
Aplerbeck. Th. Sch.: S. Briefkasten unserer
vorigeil Nummer unter Halbersladt.
Berlin. N. G.: Das „Berliner Tageblatt"
vom 19. Mai schreibt: „Die Osterzeit naht, in
der wieder Tausende von Jünglingen ihre
Lehrlingsstellen antrcten werden." Nun, so ganz
nahe ist Ostern noch nicht, vorläufig haben die
Jünglinge noch etwas Zeit. — Alter Abonnent:
Für unser Blatt nicht geeignet. — I. K.: In
der ..Vossischcn Zeitung" (Nr. 227) zeigt Richard
Schott! er an: „Hierdurch mache bekannt, das;
keiner meiner Frau Martha, geb. Ulrich, auf
meinen 'Namen etwas borgt, und vor Ankauf
warne ich, da ich für nichts aufkommc." Die
Warnung erscheint überflüssig, da wohl niemand
aus den Gedanken kommen wird. Schottiers
Frau anzukausen. — M. N.: In der „Gast-
wirths-Zeituug" vom 18. Mai wird folgender
Rath ertheilt: „Spinat, junge Erbsen, Schoten,
junge Bonnen, alles wird erst im Wasser weich
gekocht". Junge Bonnen im Wasser weich zu
kochen, ist eine unerhörte Grausamkeit. Tie
Polizei sollte das verhindern.
Bitburg. S.: Alls Malmcdy wird der
„EiselcrVolkSzeitnng" über die dort zu errichtende
neue Badeanstalt geschrieben: „Die Badeanstalt
wird einen Flächenraum von 210 Ouadrat-
Meilen einnehmen." Wozu braucht Malmedy
eine so kolossale Badeanstalt? Eine halb so
große würde selbst für Berlin genügen.
Breitenhof. L. L.: Dem „Darmstädter Täg-
lichen Anzeiger" vom 18. Mat wird aus Fried-
berg geschrieben: „Neichen Kindersegen erfuhr eine
Familie in Ober-Nosbach. Derselben wurde vor
ungefähr einem Jahre ein Drilling geboren, und
dieser Tage stellte sich wiederum ein Zwilling ein."
Daß ein Drilling oder Zwilling allein geboren
wird, kommt wohl nur sehr selten vor. Man
begreift auch nicht recht, wie er in diesem Fall
dazu kommt, Drilling oder Zwilling genannt zu
werden.
Bricg (N.-B. Breslau!. St.: Aus der
Stadtvcrordneten-Versammluug zu Brteg berichtet
der „Niederjchlesische Stadt- und Land-Bote"
(Nr. 38): „Herr Stadtverordneten - Vorsteher
Stadtrath a. D. Gabel erösfnete die Sitzung
und ertheilte dem Herrn Ersten Bürgermeister-
Pappel das Wort zur Verpflichtung und Ein-
führung des unbesoldetenHerrnLiqueurfabrikailten
Ernst Schmidt in sein Amt." Ligueurfabrikanten
erhalten, soweit uns bekannt ist, allgemein keinen
Sold, ernähren sich vielmehr durch den Vertrieb
ihrer Schnäpse.
Buenos Aires. M.: In der „Deutschen
La Plata-Zeitung" vom 19. April finden wir
folgende Annonce: „Hauslehrer, europäisch
diplomirter, sucht Stellung in der Stadt oder
auf dem Kamp. Elcmentar-Branchen, nebst
Englisch, Deutsch, Französisch. Holländisch,
Zeichnen, Mahlen. Anfangsgründe der Musik."
Ein vielseitiger Mann! Vielleicht findet er An-
stellung in einer Mühle.
Darmstadt. A. A.: In den „Ostfriesischen
Nachrichten" (Nr.53) empficbll Krohn„Schwanen-
Gänsefedern". Heißt der Vogel, von dem diese

Federn kommen „Schwanengans" oder „Gänse-
schwan" ?
Dt. Efflau. T.: Im „Boren für Deutsch-
Eylan nnd Umgegend" (Nr. 30! macht der
Magistrat Ihres Städtchens bekannt: „Das
Angeln auf dem hiesigen Geserichsee und Cylenz-
fluß ohne Angelkarte, sowie der Aufenthalt von
Enten pp. auf dem Geserichsee und Eylenzfluß
während der Schonzeit ist verboten." Mögen
sich das die Enten pp. gesagt sein lassen!
Frankfurt a. M. A. W.: Dem „Frankfurter
Journal" (Nr. 220) wird aus Kopenhagen vom
15. Mai gemeldet: „Der König reiste heute an
Bord des „Dannebrog" über Lübeck nach Wies-
baden." Wir sind begierig, zu erfahren, ob der
„Dannebrog" glücklich in Wiesbaden angc-
kommen ist.
(Nodeöbcrg. 5k. F.: In der „Godesbcrger
Zeitung" vom 18. Mai zeigt Beruh. Becker
an: „Die neuesten, bewährtesten freistehenden
Eloseis im Betriebe anzuschcn." Nanu!
Hamburg. L. V.: Die Pilzsaison beginnt.
In einem Extrablatt des „Internationalen Sporl-
Elubs" zu Altona wird bereits das Anstreten
des „Champignons von Amerika" angckündigt.
Helmstedt. F.: Im „Helmstedter Kreisblatt"
(Nr 110) empfiehlt W. Müller „Waltsgolls
geklärten Cilronensaft" mit dem Zusatz: „Die
hypothekarischen Gläubiger haben die Hypotheken-
briefe im Termin zu überreichen." Was hat
das mit dem geklärten Cilronensaft zu thun?
HildeShcim. O. B.: Ihre „Allgemeine
Zeitung" (Nr 1l4) meldet: „Eme Merkwürdigkeit
ist zur Zeit bei Herrn Chirurgen Basse zu
sehen, nämlich ein Ei, welches das respektable
Gewicht von 107 Gramm hat und das ein von
ihm selbst gezüchtetes Huhn gelegt hat." Daß
ein Huhn von einem Ei gelegt wird, ist allerdings
sehr merkwürdig.
Kiel. M.: In der „Nord-Ostsee-Zeitung"
vom 15. Mai zeigt Wilhelm Petersen an:
„Große Suppen-Krebse Stück 90 Pf." Das gibt
ziemlich theuere Suppen.
Köln. N. G.: „Zur Communion" empfiehlt
der „Central-Bazar" „Schrubber mit Stiel von
35 Pfennig an." Welche Verwendung sollen die
Schrubber bei der Communion finden? — A. Z.:
In dem päpstlichen Schreiben „worin den
Katholiken besondere Gebete anläßlich des Pfingst-
festes empfohlen werden", kommt nach dem
„EuSkirchener Wochenblatt" vom 18. Mai fol-
gender Satz vor: „So haben denn auch Wir,
die wir sowohl die Person des göttlichen Hirten
aus Erden vertreten, als auch seine Gesinnung
nachzuahmcn trachten, in keiner Weise unter-
lassen, dasselbe Sterben unter den katholischen
Völkern zu fördern, und eben dieses Ziel ver-
folgen wir jetzt eifrig bei jenen 'Nationen, die
die Kirche schon längst mit großer Sehnsucht zu
sich zurückrusen." Das dürfte nicht sehr anlockend
auf jene Nationen wirken — H. W.: Dem
Mannheimer Blatte „Das Nhcinschiff" wird aus
Nuhrort unter dem 10. Mai gemeldet: „Am
8. ds. fand dahier eine große Bürgcrversammlung
statt, welche den Beschluß faßte, zwischen hier
und Hamburg eine feste Brücke zu erbauen."
So etwas läßt sich leicht beschließen, wenn es
aber an die Ausführung geht, wird sich zeigen,
daß die Herren Bürger recht wenig über die
Schwierigkeiten des Unternehmens nachgedacht
haben.
Lalendors. W.: „Mig-ocl-Lampe" soll
die neue Triumph-Spirituslampe genannt werden?
Welch' ein grausamer Einfall!
Leipzig. L.: Einen etwas leichtfertigen Ton
schlägt ein Telegramm des „Leipziger General-
Anzeigers" (Nr. 133) an, indem es Deutschland
und Frankreich die „Rußland verbündeten
Mädchen" nennt. — v. O.: Unter den Anzeigen
des „Leipziger Tageblatts" liest man: „Pferd
zu kaufen gesucht von geehrten Herrschaften,
welche, wegen vorgerückten Alters oder weil über-
haupt nicht flott genug, ein Pferd zu verkaufen
gedenken und solches nur in gute Hände zu
geben wünschen." Können nicht auch alte und
solide Leute ganz gut ein Pferd gebrauchen?
Mannheim. IN. N.: Ein Bericht des
Mannheimer „General-Anzeigers" (Nr. 131) über
eine Wohlthütigkeilsvorstellnng im Hoftheater
schließt mit den Worten: ,.?ro pauperm 68t, dam
ladoro viclomur". Lateinisch schwach.
Metz. B. A.: Im Redactionsbrieskastcn der
..OLxc-tts cio I.orraüiü" vom 15. Mai findet sich
folgende hübsche Mittheilung: „>l. 8. ü U. —
Dos 6lrrbli88üin6»t8 cts eo 8s trouvont

I^äon8bor^ OVurtembor^) ot ä 2adnrr (ötablis86-
inent d'olsva^o äs ebieiw da LI. LI. Oao8ar m
Lliaka)"
Neulinldcnslcbcn. N. E.: In Ihrem „Stadt-
und Lanoboten" ('Nr. 113) wird das „Zacherlin"
empfohlen als bestes Mittel „gegen Wanzen,
Flöhe. Kücheuuugezicfer. Motten, Parasiten auf
Hauslhüreu u. s. w." Was mögen die Parasiten
aus den HauSthürcn suchen?
Arnstadt am Rennsteig. B.: Das „Tage-
blatt sür Thüringen und Franken" vom 14. Mai
berichtet ans Souncbcrg: „Nachdem die Festklängc
unserer 50jährigen Jubiläumsfeier im vorigen
Jahre verrauscht und verklungen waren, regte sich
unter unfern verehrten Mitgliedern der zahlreiche
Wunsch, zur Erinnerung an dieses Fest ein ein-
heitliches Schützenbild zu schaffen." „Zahlreicher
Wunsch" ist nicht übel.
Neustadt i. Schwarzwald. O. M.: Aus
Karlsruhe wird dem „Freiburger Boten" vom
19. Mai gemeldet: „Dem Finanzminister Joh.
Georg Haffe der beim Groß-Bezirksamt Neu-
stadt wurde die etatmäßige Stelle eines Amts-
revidenten übertragen." Menschenloose steigen und
fallen. Vom Finanzminister bis zum Amts-
rcvidenteu ist ein starker Schritt abwärts.
Northeim. Stammtisch in Carls' Hotel:
In der „Göttingcn-Grnbenhagcnschcn Zcilimg"
vom 19. Mai zeigt der Gerichtsvollzieher ui Nort-
heim an: „In ZwangSvollstreckungSsachen soll
am nächsten Mittwoch, den 22. d. Mts. Nach-
mittags 5 Uhr bei Otto Magcrkurth zur
Angermühle bei Gillersheim die Hälfte eines
Sophas mir Ueberzng, die Hälfte von zwei Rohr-
stühlen und die Hälfte eines runden Sopha-
tisches öffentlich meistbietend gegen baarc Be-
zahlung verkauft werden." Das muß denn doch
etwas wunderlich erscheinen. In Bezug aus die
beiden Nohrstühle ist ja alles in Ordnung. Das
Sopha aber und der Sophatisch müssen doch,
wenn sie mitten durchgeschnttlen werden, erheblich
an Werth verlieren.
Nürnberg. G. V.: Mit Dank abgelehut.
Plauen. M. S.: Ter Gesangverein „Palme"
ladet im „Vogtländischcn Anzeiger" ('Nr. 90) zum
Tanzkränzchen ein mit der Bemerkung: „Eltern,
Geschwister und Freunde des Vereins sind will-
kommen."
Potsdam. N.: Folgende Neuheiten sind
uns zngegangen: „Sport im Bild. Iltustrirte
Zeitschrist sür alle Sportzweigc, mit Feuilleton.
Ehesred. A. Pitcairn Knowles, Administration
Horace Simon." Berlin >V., Leipzigcrslr. 103.
I. Jahrgang, Nr. 1. — „AmslcrL- Nuthardts
Wochenberichte. Jllustrirte Zeitschrift für
Kunst, Kuusthandcl und Kuustgcwerbe." Nr. 32
und 33. — „Die Actien des Glücks.
Humoristisch-satirischer Zeitroman von Adalbert
von Haustein." Berlin. Verlagsanstalt des
Vereins für Freies Schrislthnm.—„MaxBewer:
Gedichte." Dresden, Verlag der Druckerei Glöß.
— „Beschreibung der Nordsee - Bädcr
Sylt. Westerland und Wenningstadt.
Herausgcgebcn von der Seebade - Direclion."
Westerland, Druck von Fr. Roßberg. —
„G. Freylag: Karte des Nord-Ostsee-
Kanals. Maßstab 1 :200 000." Verlag und
Druck von G. Frey tag L Berndl, Wien. —
„Was Wilhelm Liebknecht uns alles
vor-machl. Von H. F. Georg Buhr." Selbst-
verlag Nibnitz, Druck von F. Lechner.
Wcilburg. A. H.: Die richtigen gestrengen
Herren haben sich diesmal durchaus liebenswürdig
betragen, aber die nach ihnen kommenden Heiligen,
die Sophia, der Ezeche Johann von
Nepomuk nnd der Jodocns, taugten nichts.
Zn dem Namen Bonifacius bemerken wir,
daß, wie Ihnen jeder Kalender sagen kann, der
14. Mai mit demselben bezeichnet ist. Es gibt
aber, was Sic als Katholik eigentlich wissen
müßten, zwei Kalenderheilige Bonifacius-
WcisxcnfelS. S. L N.: Der eingeschickle
Zeitungsausschnitt — der Name des Blattes
war nicht zu erkennen — enthält folgende Anzeige:
„Große gelbe Hündin entlaufen. Wicderbringcr
erhält, ob todi oder lebend, hohe Belohnung.
Otto Bach. Fl ei sch er meist er." Welchen Werth
hat auch eine hohe Belohnung für einen Todtcn?
Wiesbaden, v. M.: Mit Dank abgelchnl.
Zossen. F. S.: Mil Dank abgelehut._
Bei der grotzen Menge der an uns genchlelen Zuicnbungcn
ist die Beantwortung einer jeden uns ebenso unmöglich wie
die Aufbewahrung der uns unverlangt zugehenden Manuicrwte.
Rücksendung der letzteren erfolgt nur. wenn der Sendung da»
erforderliche Porto in Briefmarken beigesügt ist.
Tic '.ttcdaction deö Kladderadatsch. ,

Vcranlw. Red. I. Trojan. - Veranlw. für den Ins.-Thcil: L. v. WaligcrSkl. — Verlag von A. Hofmann L Comp^ Leipzigerftr. 135 I. — Truck von Hcmpcl L Co. - Sämnnlich in Berlin.
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