Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 52.1899

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einer von, Reichs Posta»,l ergangene,> Beringung
junge Leute in. Aller von Ui—'71 Jahren als
Bolen zur Telegrainnibestellniig gegen Stücklohn
angenommen werde». Die Einnahme des einzelnen
Bolen würde sich täglich auf 1,50 Mk. bis 2 Mk.,
unter Umständen auch darüber slellen." Menschen
von einniidsiebzig Jahren rechnet man, auch wenn
sie sich gut eonservirl haben, eigentlich nicht mehr
zu den jungen Leuten. Hossenllich erhallen die
Eiiiiindsiebzigjährigen bei ihrer Anstellung gleich
etwas mehr als zwei Mark.

Günzerode. I-, Aach der „Nordhänjer Post"
(Nr 117) hat Kaiser Nikolaus an den Präsi-
denten Lanbei, der ihn z»„, Geburtstage begtiitf-
wünschl Halle, folgendes Daiiktelegramm gerichtet:
„Ich danle Ihnen aufrichtig, Herr Präsident, für
Ihren liebenswürdigen Glückwunsch und erneuere
Ihnen den Ausdruck Meiner »mwandelbaren und
aufrichtigen Freniidschast." Tie „Nordhauser Post"
hat wohl nicht ganz richtig überseht.

Heppenheim. N.: In einem sür die „Frank-
'jiirter Zeitung" (Nr. 139» geschriebenen Artikel
über Beaumarchais, der eigentlich Caron
'.lieg, sag, Alfred Herr: „Wie der mittellose
-'Israeli die Witiwe eines Freunde? heirathete,
um au, einen grünen Zweig z» komme», so stieg
Earon über die Witiwe des Äriegseonirolenrs
Frananel." Da Kerr sür einen gewissenhafleii
Forscher gilt, wird es damit wohl seine Nichtigkeit

Jnowrnzlaw. I.: Der in Ihrer Stadt
erscheinende „Kujawische Bote" ,Nr. 117, schreibt:
„Nachlese vom Jahrmarkt. Ein Bauer gab
einem ihn, »„bekannte» Jungen eine» Hniiderl-
markschelii z»i» Wechseln. Ter Knabe versprach
zwar, de» Auftrag aiisznsühren, wurde aber i»
seiner Leichtgläubigkeit furchtbar getäuscht, de»»
der Knabe verschwand ans Nimmerwiedersehen."
Offenbar »ins, es beigen, „der Bauer verschwand,"
so da« der arme Junge das Geld nicht los
werde» konnte.

Karlsruhe. C.A.: Im „Badischen Residenz
'Anzeiger" sind die Loealnachrichle» datirt „K arlS
ruhe, den 80. Mai 1809". Der „Residenz
Anzeiger" will wohl mit dem Mai rasch ein
Ende machen, weil er sich nicht zur Zufriedenheit
anfgesührt hat. — C. A.: Ter „Badische Residenz
'Anzeiger" ,Nr. 109) meldet unter den legte,,
Nachrichten und Telegrammen: „Paris, 9. Mai.
lieber die neuerliche Erdbewegung in Klappel bei
Lipochowih wird berichtet: Infolge der heslige»
Regengüsse der legten Tage geriet ei» kleiner Theil
des Terrains, an dem schon im vorigen Jahre
Erdrutschungen staltgesiinde» haben, von der Spihe
der Hasenbnrg bis gegen die Mitte des Dorfes
und die Kirche hin in Bewegung. Vorsicht?
maffregeln und Schnparbeitei, wurden fosorl an
geordnet." Man sieht, mit welchem Interesse die
Franzosen auch weniger wichtige Vorgänge in
Teutschland versolgen.

Kick. K.: Tie „Kieler Neuesten Nachrichten"
, v. 108) schreiben: „Gelegentlich ihres Aufenthalts
in Kianlschaii ist dem Eonsiil H. Tiederichse»
ans Kiel sowie seiner Gattin die.Ehre zu Theil
geworden, den Prinzen Heinrich von Prengen

begrüsien zu diirse». Tie hohe» Herrschaften i
haben sich manches Stündchen über unsere jüngste
Eolonie „nlerhalten »nd Erinnerniigeii an die
Heimath ansgelauscht." Gewiss gehören ein Eonsiil
und seine Gattin auch zu den „hohen Herr-
schaften", aber sie dürfen doch »ich! in dieser
Weise einen, Prinzen des Königlichen Hauses
gleichgestellt werde».

Krefeld. E.: Ihr „General - Anzeiger"
(Nr. 205) berichtet: „Kreseld, 15. Mai. Sein
20. Stiftniigssest feierte am verflossenen Samstag
und Sonntag der hiesige 'Artillerie Verein.
Da? Fest, welches vom herrlichsten Weller be-
günstigt war, wurde am Samstag Abend durch
eine !>,'eveille cingelcitet." In Kreseld steht man
wohl erst am Abend ans.

Lanchrode. N.: Zn dem Biertagerenne»
schreibt die arglose „Eisenacher Zeitung" (Nr. 124,:
„Sieger (Ehampions wurde ein Franzose, der zu-
fällig de» Namen Eham Pion trägt, er legte in
de» vier Tagen 576 635 lcm zurück, das ist etwa
soviel, als 868 Mal die Strecke von Eisenach
„ach Berlin „nd zurück." Es ist nur gut,
dast E hanipio» nicht fortwährend zwischen Berlin
„nd Eisenach hin- und hergesahren ist, denn bei
dieser »»heimlichen Schnelligkeit hätte er gewis,
viel Unglück angerichlel.

Liebeustei». G.: Tie „Gerathal-Zeitung"
(Nr. 59) bringt ein Gedicht, das solgenderiiiasie»

Es macht keinen angenehmen Eindruck, wenn
schon an kleineren Orten so frivol gedichtet wird.

Mühlhause». A. L.: Die „Mühlhänser
Zeitung" (Nr. 116, berichtet über den Strile
der Pariser Brieslräger: „Uiiterstaatssecrelär

Mongeol traf dann Mahregeln, damit die
Briefe wieder vertheilt werde» löiinle». De»,
Uiiterstaalsseeretär wurde Personal aus andere»
Zweigen der Slaatsverwaltung zur Versügiing
gestellt, diese wurden am Doniierilag Nachmiltag
und Abend von Soldaten „. s. w. ansgelragen."
Wenn die zur Versügiing geslelllen Beamten von
anderen Leute» ansgelragen werden miisite», so
war damit auch nicht viel geholfen. ES ist nur
gi», das, die richtigen Briefträger ihre» Dienst
bald wieder angelrele» haben.

Miilheiiii. T.: Ihr „General Anzeiger"
(Nr. 94) berichtet über ein Concerl, das einige
auswärtige Gesangvereine in Mülheim gegeben
haben, und sag! dabei: „Tie Violinsoli waren a»
Stelle des verhinderte» Herrn Spin,ansk» von
Herrn Friv Meuhen übernommen, der sich
anss neue als ein Meister aus keinem Jnstnimeiit
bewährte." Das ist gerne»,.

Nainslaii. H. B.: Das „Namslaiier Stadl-
blalt" (Nr. 38) melde,: „Behufs Besichtigung der
| beide» Schwadronen traf gestern mit dem Miitag-
znge, von Breslau kommend, der commandirende
! General des VI.Armeeeorps.Se.Hoheit derErb-

I in Begleitung des Regien,„gs - Eo,»iiia„de!»s

Oberstlentnanl Schaljcha von Ehrenfeld hierselbst
ein." Ein Regiernngs-Comniandeur ist wohl ein
höherer Ossieier, der der Regierung Befehle er-
lheil,. In Berlin gib, es offenbar einen solchen
Mai», nicht, sonst hätte er die Regierung längst
angewiesen, in der Bestätigungssrage zu einem
Entschlliff zu kommen.

Naiiniburg. O. B.: Nicht verwendbar.

Oehringen. F.: In, „HohenloherTageblatl"
(Nr. 115, mach, A. Henschele in Oehringen be-
kannt: „Herr Th. Ma»er, Hühnerangen-Ope-
raleur, zur Zeit im Gasthaus zum Hirsch in
Oehringen, hat mich von meinen so lästigen
Hühneraugen befreit, ohne de» geringsten
Schmerz dabei zu empfinden." Taff Herr Mauer
bei der Operation keinen Schmerz empiniiden hat,
ist doch nicht ausfallend, „nd man versteht nicht,
wie Henschele ihn nur ans diesem Grunde

Pasewalk. A. H.: Zu der Ablehnung der
Eanalvorlage in der Commission schreibt das
„Uecker,nünder Kreis- »nd Tageblatt" (Nr. 115):
„Die Ablehnung erfolg,e, Irohdem der Kriegs-
miiiifter eingehend die strategische Bedentunq und
die Nolhweudigkeit des Canals im Interesse der
LandeSverschnldiing nachgewiesen." Der KriegS-
minister, der immer so viel Geld bedars, brauchte
auch nicht noch anfferhalb seines Ressorts sür die
LandeSverschnldiing zu sorgen.

Potsdam. L.: Ten erhebenden Ruf „Heil!
Heil,'.! Wacker!" hat der „Alldeutsche Wer
band" gleich „ach seiner Grund,»ig für seine
Versa,»mlniige» eingeführt. Ob er seht noch darin
erschallt, oder ob man sich später dieser Kinderei
geschämt hat „nd zu de», üblichen „Bravo!"
zurückgekehrl ist, wissen wir nicht.

Wildiingcn. 9t.: In Nr.59 der „Waldeckschen
Zeitung" veröffentlich, August Peil, eine»
„Psingstgrnff an Wildlingen", dessen erste
Strophe lautet:

Dies ist wohl das erste Mal, daff ei» schad-
hast gewordenes Jiisirnmeiil zu einer Heilquelle
gebracht wird. Wir wünschen Peill den besten

Zeit!. I.: Der „Höllischen Zig." (Nr. 194)
wird ans dem Saallreije über die JagdauSsichlei,
geschrieben: „Ter erste »nd zweite Sah Hasen
haben zwar durch die kühle nnstäle Witterung
gelitte», doch werden auch Kaninchen zahlreich
»iigelrossen, jodaff an dem Bestände alter Hasen
kein Anssall zu erwarten ist." ES ist nicht recht
zu erkennen, ob der Einsender glaubt, daff das
Kaninchen sich mit den, zunehmenden Aller zum
Hase» entwickelt, oder ob er der Ansicht ist, daff
die alten Hasen Kaninchen in die Welt sehe».
Beides ist nicht richtig.

Wer alles wissen will - Der lese “Das Ccho’
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