Kladderadatsch — 70.1917

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Alle Rechte für lämtllche Arfikel unv Mullranonen vordehatten.

AmerikanNches Oop/ri^llt. 1/2 1817 by A.. Hofmann & Comp, in Berlin.

Wochenkalender

Montag, den 5. Februar

Aber nun geht's wirklich los!

Und sogar mit allen Mitteln.

Laßt das Nörgeln, laßt das Kritteln
Jetzt erfolgt der große Stoß.

Dienstag, den 6. Februar

Lange hatten wir Geduld.

Aber nun geht's ihm zu Kleide;
Endlich sitzt er in der Kreide,

Endlich hat es ausgebullt.

Mittwoch, den 7. Februar

Warum sollten wir auch nicht!
Endlich ist die Zeit erschienen,

Wo mit U’s und Zeppelinen
Deutsch der gute Michel spricht.

Wochenkalender

Donnerstag, den 8. Februar

Gder noch nicht? Aber nein!

Länger kann er doch nicht warten,

Wo mit Freveln aller Arten
Beine Feinde ihn bedräun.

Freitag, den 9. Februar

Kein Verbrechen ist so groß,

Daß sie's frech nicht schon verübten.
Draus denn! Drauf auf die Betrübten!
Endlich, endlich geht es los!

Sonnabend, den 10. Februar

Keine Rücksicht fürder mehr!

-Schlagt zu Brei die tollen Hunde!

Höll' und Teufel stehn im Bunde,

Aber — Gott ist unsre Wehr!

Kladveravatlch.

Wenn Sie es wünschen_!

O wie entzückt mich diese Predigt!

Wie sänftigt sich mein wildes Blut!

Nun ist der ganze Kram erledigt
Und alles, alles wieder gut.

Des Frommen Wort ertönt von fern,

Und ruhig fließen die Gewässer,

Und jeder flüsterte „Aber gern!

Wenn Sie es wünschen, Herr Professer..."

John Bull zwar wollte uns zerfleischen,

Er tat dabei sich leider weh:

Nun hört man ihn vor Freude kreischen,
Und flugs wird er zum sanften Reh.

Er ging zwar aus auf Raub und Mord,
Nun scheint Entsagung ihm weit besser,

Und lächelnd flüstert er: „Sofort . . .

Wenn Sie es wünschen, Herr Professer . .

Der Franzmann in dem Seinebabel,

Der brüllt begeistert: „An den Rhein!"
Urplötzlich steckt er jetzt den Sabel
Mit tiefer Rührung selig ein.

Man hat ihn nie so brav gesehn,

Veiseit legt er das lange Messer:

„Wer könnte Ihnen widerstehn . . .

Wenn Sie es wünschen, Herr Professer . .."

Zu Rom, wie tobte Herr Sonnino
Mit vielen andern im Verein:

„Triest sowohl wie das Trentino
Und ganz Tirol muß unser sein!"

Sieh da! Auf einmal ist er still,

Der biedre Makkaronifresser:

„0 Dio mio! Wie Gott will . . .

Wenn Sie es wünschen, Herr Professer . . .“

Der Iwan mit der Bärentatze,

Der dachte sich den Kram so leicht:

Und war auch alles für die Katze,

Sein grauser Mut ward nie erweicht.

Sein Antlitz, sonst vom Wodka rot,

Ei, ei, nun ward es blaß und blässer:
„Noch weiter Krieg? Nein, lieber Tod!
Wenn Sie es wünschen, Herr Professer . .

Und wir, die wir die ganze Bande
Verhaun im wilden Schlachtengraus,

Wir lassen gern die fremden Lande
Und gehen stillvergnügt nach Haus.

Vorbei, ,für ewig', ist der Krieg:

Die Waffen fort! Das dünkt uns bester:
„Natürlich ,Frieden ohne Sieg'. . . .

Wenn Sie es wünschen, Herr Profester . .

Und alle Menschen werden Brüder,

Und alles schwelgt in Seligkeit:

Das Paradies kam endlich wieder,

Wer tät' dem andern was zu leid!

Seht, Lamm und Fuchs in holdem Bund —

Ja, ja, die Welt ward endlich bester —

Die Taube küßt des Tigers Mund ....

Bloß, weil - Sie's wünschen, Herr Profester!




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