Kladderadatsch — 72.1919

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Amerikanisches Copyright 5./10. 1919 by A. Hofmann & Comp, in Berlin

Wochenkalender

Montag, den 6. Oktober

Wird alles auf den Kops gestellt.
Warum nicht auch in — Birken selb?

Dienstag, den 7. Oktober

Heut—wie man sieht —wird's mit Musik
Bon Frankreichs Gnaden Republik.

Mittwoch, den 8. Oktober

Und tags darauf wird proklamiert,
DatzesdesNheinlandsWappenführt!

Wochenkalender

Donnerstag, den 9. Oktober

Da plötzlich telesunkt man durch:

Für ewig bleibt's bei Oldenburg!

Freitag, den 10. Oktober

Nun fragt man telephonisch an
Bei Ebert: Was ist Wahres dran?

Sonnabend, den 11. Oktober

Doch aus dem Schallrohrtrichter gellt:
„Wir wissen nischt von Birkenseld!"

kladderadatsch.

Stolze Antwort

«Auf die Zumutung des englischen BesehIshaberS der Entente.Truppei, im Baltikum, ihm die Deutschen namhaft zu machen, dle an dem sich verzögernden Abzug der
deutsche» Soldaten durch ihre Propaganda schuld sein könnten, erwiderte der Führer des 6. Reservekorps Generalmajor Graf von der Goltz: „Im letzte» Absatz
Ihres Schreibens wageil Sic es. mich zu ersuche». Ihne» einzelne meiner LandSleute als Schuldige anzngeben. Ich sehe in Ihrer Zumntung eine schwere
Beleidigung meiner Person und deS deutschen NationalgcfühlS. Ich möchte Ihnen daher raten, derartig niedrige Ansinnen in Zukunft weder mir, noch meinen
Untergebenen zu stellen. Ich würde gezwungen sein, jeden Verkehr mit Ihnen abzubrechen und jeden Engländer anS dem noch von deutschen Truppen besetzten
Gebiet auSzuweisen. da die Sicherheit der alliierten Missionen, die den deutschen Nationalstolz absichtlich und schroff verletzen, ausgeschlossen ist. Ich werde Ihr
Schreiben meiner Regierung vorlegen und bin überzeugt, das; diese Ihrer Negierung durch den berufenen Vertreter des Deutschen Reiches, den Minister des
Auswärtigen, die würdige Ankivort geben wird auf dieses schimpfliche Ansinnen. daS eine alliierte Kommission einem deutschen General im Auslände stellen
zu dürfen glaubt. - gez. Gras v d. Goltz.")

Was bricht da an dem morschen Holz
Ein grünes Hoffnungsreis hervor!

Es flammte alter deutscher Stolz
Im Osten plötzlich hell empor.

In dieser Zeiten Not und Graus,

Wo man sich tief vor Schurken neigt —
Ans ward, als ob ein Frühlingsbraus
Im trüben Herbst uns noch erreicht!

Herrgott von Leuthen und von Prag,
Wie hallt solch Wort in solcher Zeit.
Wo Lumpentum so bang und zag
Zum Feinde nach Erbarmen schreit!
Das war ein Wort—Heil ihm und Dank!—
Ein Wort der hohen Ahnen wert,

Als ob das Eisen, scharf und blank,
Ingrimmig aus der Scheide fährt!

Ob, von der Meute rings umstellt,

Der deutsche Aar am Boden liegt,

An diesem Worte merkt die Welt:

Der deutsche Stolz ward nicht besiegt,
Der vor der Schreckgewalten Dhron
Der Ehr' sich nie begeben mag,

And der auf Frechheit und auf Hohn
Die Antwort gibt mit Blitzesschlag.

Wenn einst in ferner Enkel Zeit
Am Baltenstrand die Jugend singt,
Auch über alle Lande weit
Das Lied vom Grafen Goltz erklingt!
And wenn des Pöbels Wutgeschrei
Auch heut zu deinem Ohre drang,
Dann merk': Dein Wort, so stolz und frei,
Es war uns ein Erlösungsklang!

Kladderadatsch
M. Br.
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