Kladderadatsch — 73.1920

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(Zum 6. Juni 1920)

Me Deutschen schmachten in den Ketten,

Die geschmiedet blicke und verrat,-
JUIc Deutschen ruft, sich selbst zu retten,
heut das Vaterland zu ernster Tat.

Macht euch los denn von dem schalen Treiben,
Wo so Großes auf dem Spiele steht l
Keiner, keiner darf zuhause bleiben,

Wo es um so hohe Dinge geht.

Jeder soll zu festlichem Beginnen
Rüsten und erhabenem Geschehn,-
Jeder soll stch heiliger Pflicht besinnen,

Keiner, keiner darf beiseite stehn.

Durch die tiefe Seele deutscher Erden
hallt die Glocke dieses Stunöenschlags,

Durch Jahrhunderte, die kommen werden,

Klingt vielleicht die Stimme dieses Tags.

Denn wir stehn an hoher Zeitenwende,

Die von taufend Lockungen umschwirrt,-
Deutsche Zraun und Männer rührt die Hände,
Daß die Stunde nicht verloren wird.

Türmt der Ordnung und dem Recht die Veste,
Schafft am Tempelbau der neuen Zeit,

Rettet für die Kommenden das Beste
Ms den Krümmern der Vergangenheit!

Daß die Arbeit friedlich wieder schaffe,

Sorgt für fest Gesetz und fest Gebot,-
Arbeit, Arbeit lst des Bürgers Waffe,

Arbeit, Arbeit nur besiegt die Not.

Dann wird einst, was blöder haß zerschlagen,
Jugendlich die Welt erwachen sehn,

Dilles Große aus vergangenen Tagen
herrlicher und schöner auferstehn.

Denkt nicht: ,was verloren ist verloren,

Mem Wollen winkt nicht Lohn noch Ziel!"

Du und ich, wir alle, sind erkoren,

Mfzubauen wieder, was zerfiel.

Hehle nicht, da große Dinge werden!

Jedes Herz ist nötig, jede Hand!

Denn es ist kein größer Tlmt auf Erden
Ms der hohe Dienst am Vaterland!
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