Kladderadatsch — 74.1921

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Berlin, den 5. Juni 1921

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Wochenkalender

Montag, den 6. Juni
Also: Vor sechshundert Jahren,

Wie Von Briand wir erfahren,

Hat man Polen
Oberschlesicn gestohlen.

Dienstag, den 7. Juni
Darum, sagt er, wird cs Zeit,

Daß Von Deutschland man's befreit
Und es Polen wiedcrgibt,

Das cs gar so herzlich liebt.

Mittwoch, den 8. Juni
Sonderbar, wenn ich so denke
Und die Blicke westwärts lenke.
Was erfahren

Elsaß Vor zweihundert Jahren —

Wochenkalender

Donnerstag, den 9. Juni
Fällt mir ein: wie reimt sich das?
Ja, ja, ja, es hat sich was!

Sprach nicht wer Vom „Unrecht" wo,
Das wir taten Siebzig roh?

Freitag, den IO. Juni
Aber nein, wie's hier geschehen.

Sagt man mal was aus Versehen,
Was man lieber

Nicht gesagt als tüchtiger Schieber.

Sonnabend, den II. Juni
Darum immerhin und so.

Das ist alles com nie il kaut.

Ja, Geschäft bleibt halt Geschäft,
Immer grade so, wie's trefft!

lkladdrradalsch.

Gericht?

Sie waren in Feindeshände geraten
Und mußten im prasselnden Schwarm der
Granaten,

In eisernem Kästg^bei Sturm und Regen,

In Schlamm und schmutz zum Schlafe sich legen
Zehn Tage und Nächte, verhöhnt und verlacht,
Dom Hasse tausendäugig bewacht.

Oder sie wurden im Eisenbahnwagen

Mit Steinen beworfen, mit Knuten geschlagen;

Zusammengebunden wie wilde Tiere,

Im Angesicht feindlicher Offiziere

Sah man sie stumm durch die «Straßen ziehn;

Da hat man ihnen ins Antlitz gespien.

Gefesselte Jünglinge hat man geblendet,

Hat tausendfach Menschheit und Gottheit
geschändet;

Wehrlose, die da im Meere trieben,

Denen nicht Habe noch Waffe geblieben,

Hat man beschossen zu hundert Malen
Und ließ sie verröcheln in Todesqualen -

Das tat niemals ein deutscher Mann;

Das haben deutsche Krieger erlitten,

Das taten Franzosen und Beiger und Briten -
Wer klagt sie an?!

O Schmach und Schande! Wir schweigen
und dulden;

Wir schnüffeln nach unserer Brüder „Ver-
schulden"

Auf Feindesgebot!

Die aber, von tausend Gefahren umdroht,
Meint ihr, sie hätten nicht vernommen
Don sener Kameraden Not
Und wären nicht in Groll entglommen,

Don heiligem Zorne nicht durchloht,

Ihr, die ihr richtet
Auf Feindesgebot?

Ihr, die ihr richtet
Und sorglich sichtet,

Und habt ihr das auch wohl bedacht,

Wie man uns Deutsche in aller Welt
Verleumdet und an de» Pranger gestellt,

Zu „Hunnen" uns und „Barbaren" gemacht,
Als „Boches" uns täglich und stündlich verlacht -
Daß ihr es als „Verbrechen" erkannt,

Wenn deutsche Männer^von Zorn entbrannt,
Franzosen und Briten Schurken genannt?

Wie stehst du da i» Schmach und Schand',
Armes, entehrtes, deutsches Land!

Was Schändliches je geschah, ein Nichts
scheint es, verglichen mit deinen Qualen;

Doch still! - einst kommt, sie heimzuzahlen,

Der Tag des größeren Gerichts! "'-TS?'™
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