Kladderadatsch — 74.1921

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Berlin, den 4. September 1921

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Wochenkalender

Montag, den 5. September
Ach ja, ein ewig Kommen ist und Gehn
Der Mensche» Los auf diesem Wandelsterne.
Kaum hat man einen Menschen recht gesehn,
So schwindet er schon in die dunkle Ferne.

Dienstag, den 6. September
Bedenkt man das, so stimmt cs trüb fürwahr,
Indes ein andres stimmt uns fast noch trister,
Es ist auf Erden nichts so wandelbar
Als neuerdings des Deutschen Reichs Minister-

Mittwoch, den 7. September
Sie wandeln her und ivandcln wieder hin,
Als zöge sie ein Kobold an dem Bändel —
So pflegen sie in allerneustem Sinn
Ten Handel weniger als wie den Wandel.

Wochmkalmder

Donnerstag, den 8. September
Im Wandeln war ein Meister einer längst.
Ja,im Sich wandeln war er's schon recht lange—
O Menschenseclc, die an ihm du hängst,
Wird dir's dabei am Ende doch nicht bange?

Freitag, den 9. September
Rathenau geht — die Pulse klopfen wild.
So muß auch diese Hoffnung jäh zerbrechen;
Selbst mancher, der sonst manchmal auf ihn schilt
Wird diese Worte mit Erstaune» sprechen.

Sonnabend, den 10. September
Rathcnau geht — packt dich ein Schauder an?
Zwickt cs vom Kopfe dich bis zu den Waden? —
Er geht, der vielgerühmte große Mann,

O sei getrost! Er geht - nur nach Wiesbaden!

lNadderadotsch.

„Friede"

Was soll ich mich mit Ischi plage»
Und dem erlauchten Völkerbund!

Es ward mir ja in diesen Tagen
Ein höchst erfreulich Faktum kund.
Ich spreche keineswegs von Dante,
Zu dessen Feier man sich regt;

Ich spreche nicht einmal von Klante,
Der jedes deutsche Herz bewegt.

Dass England mit der Krone ziere
Den Emir Fcssal lobesam,

Und wenn auch nicht der dies Ire,
Doch schon ein dies Irak kam -
Daß Peter man.mit Dankgefühle,
Den alten Gauner, „groß" genannt,
Dies alles läßt mich gänzlich kühle
Trotz Serben- und Slowakcnland.

Nein, besseres rührt an ineinen Busen,
Den manches sonst bedrückte schwer.

Mir singt die lieblichste der Musen:

Wir haben einen „Frieden" mehr!

Weil Onkel Sam, der alte Esel,

Der häufig mehr dem Fuchse gleicht,
Vermittelst seines Freundes Dresel
Deni Rosen sanft die Flosse reicht.

Noch weiß ich nicht, was »ns beschieden.
Indes ich hoffe dies und das;

Im Hinblick auf gewisse „Frieden"
Merkt schließlich auch der Tollste was.
Wohl mir, wenn ohne stark zu lügen
Michel mit lächelndem Gesicht:

„An Rosen such' ich mein Vergnügen!"
Mit Johann Christian Günther spricht!
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