Kladderadatsch — 74.1921

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4. Dczcmbcr 1921

Knackerorjes

Montag, den 5. Dezember
Von wejen die richtjc Jescllschaft mach'
Ick mir den Kopp »ich dicke;

Von wejen nämlich den neetigen Krach
Un sonstije saftije Zicke.

Dienötag, den 6. Dezember
In den Klamottenleller bin
Ick nculichs zwar verrissen,

Un jeh' zu'n Strammen Hund ick rin,
Denn wcrd' ick rausgeschmisscn.

Mittwoch, den 7. Dezember
Na ja, janz sauber bin ick nich,

Ick bin een kesser Junge;

Ick bin sojar ooch Ludewig
Un Hab '»e forsche Zunge.

Wochenjesang

Donncrörag, den 8. Dezember
Mit Biest und Schweinehund und Aas.

Da schmeiß' ick, det et hajelt;

Ooch schlag' ick eenen in den Fraß,

Bis ihn det Loch vernajelt.

Freitag, den 9. Dezember
Wenn eener mal mit mich krakehlt,

Den hau ick voll de Hucke;

Un wenn mich nial de Bleibe fehlt,

Det macht nnr nich mcschugge.

Sonnabend, den 10. Dezember
Un Pfeif' ick uff det letzte Loch,

Reißt nischt mir aus die Klemme,

Zuletzt bleibt niir doch immer noch
Die preuß'sche Landtagskoschemme!

_»ladderadailch.

Der Mann

Wem mag dir erste Preis geziemen?

Wem reichen wir de» größten Kranz?

Da sitzen die erlauchte» Mimen,

Die Rührung trieft um ihre^Kiemen,

Die «eele wedelt mit dem Schwanz.

Denn er erhob sich, er, der Groß^,
Frankreichs gewaltiger Held und Sohn;
Aufstieß er mit Titanenstoße
bind spritzte seine Phrasensoße
Mit seines Busens Götterton.

„Mein Frankreich", rief er, „strebte immer,
Dies edle Hand, das mich gebar,

Nach sanftem Frieden mit Gewimmer;

Wer anders spricht, hak keinen Schimmer,
bind spräche er auch wirklich wahr.

An houis denkt, denkt an Napoleum!

Wie liebten sie das deutsche bland!

Das aber brächte mit Petroleum
Am liebsten uns vom Kopf zur Sohle um,
Das ist ja aller Welt bekannt!

des Ruhms

's ist wahr, daß man dem deutschen Simm
Die Zähne und die Krallen nahm;

Doch eben drum ist er zu scheuen,

Denn, statt darüber sich zu freuen,

Ist er uns tief im Herzen gram.

Wie ekelhaft! Wie unmoralisch!

Wer soll uns schützen, sagt mir's an!

Dies deutsche Volk ist infernalisch;

Nur Monsieur Wirth ist loyalisch,

Der leider gar nichts machen kann!

Und kurz und gut, wir müssen rüsten,

Macht auch dergleichen wenig Spaß.

Wir tätcn's nicht, wenn wir's nicht müßten
Und wenn wir's nicht gebilligt wüßten
Vom große» Volk Amerikas.

O großes Volk! Die Welt wär' turmlos,
Wenn du nicht wärst! Ja meine Herrn!"
Und als er diese» Riesenwurm^los,

Da brach der Beifall wie ein Sturm los -
Denn so was hört der Dankce gern!

Ja, Monsieur Briand gab sich Mühe!
Wie abgestanden sie und schal,

Er bot die aufgewärmte Brühe,

Als ob von Edelmut er sprühe,

Zum sünfmalhundcrtzehnken Mal. -
Begeistrung in den edle» Zügen
«aß da das Auditorium;

Es stellte, feirend vor Vergnügen,

Wie duinm auch Briands freche hügen,
Noch dümmer sich sein Publikum!
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