Kladderadatsch — 84.1931

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(Vom preußischen Ministerium waren Schulfeiern des 18. Januar nicht angeordnet.)

Preußen, Land des Alten Fritzen, Vorcks und Steins und Blüchers Land,
Bismarcks Auge sahst du blitzen, und das Deutsche Reich erstand:

Preußen, nicht dem Sonnenlichte wich dein königlicher Aar,

In den Fluten der Geschichte spiegelst du dich groß und klar. —

Doch auf diese Herrlichkeiten legt man heute kein Gewicht:

Ja, es ändern sich die Zeiten, alte Größe schätzt man nicht.

Also, daß man mit Bedacht sehn diese neue Weisheit kann:

Fm November emno Achtzehn erst fing Preußens Größe an.

Am die Taten, die vertrackten, ferner fluchbeladener Zeit
Wird in feierlichen Akten keine Schule mehr kasteit.

Abgetan und abgemeiert ist, was einst geschah und war —

Selbst der Tag wird nicht gefeiert, der das Deutsche Reich gebar.

Dieser Tag ist — meint man oben — nahezu bedeutungslos:

Will man aber Tage loben, die gewaltig, stolz und groß.

Nun da spricht man sein „kemember" mit dem Ton der Mannesbrust
An dem Neunten des November und dem Elften des August.

Den zu feiern mit Gefühle hat auf höheren Befehl
Jede brave Preuhenschule und mit hochentzückter Seel.

Von dem Achtzehnten des Jänner braucht die Jugend heute kaum
Was zu wissen. Kluge Männer dünkt dergleichen Schall und Schaum.

Bismarck, Moltke, Moon: Die Geister sind ins Nichts hinabgestaucht,

Heut florieren größere Meister, die man nicht zu nennen braucht.

Was die ollen Schreckgestalten anbetrifft, so schweigt man still!

Wers riskiert, mags damit halten — warte, Fungel — wie er will!

Wochensang

Wer selbst das Schöne hat genossen.
Der schätzt die Frauen, hold und keß.
So hat Grzesinski denn beschlossen:
Der Schupo braucht was Weibliches.

Es fehlt zum Beispiel an der Hose

Versunken ist in dunkler Ferne
Die frauenlose, grause Zeit;

Es herrscht vergnügt in der Kaserne
Hinfort die edle Weiblichkeit.

Ein Loch im Strumpf enthüllt die Wade,
Vielleicht geplatzt ist eine Naht,

Gleich wird kuriert der böse Schade
Durch das erhabene Weib der Tat.

Ist sie auch etwas reich an Jahren,

Heil dir, o Huldin ohnegleichen!
Und dreifach dir, o Schupomann:

Es zieht in Herrn Grzesinskis Reichen
Das Ewigweibliche dich an!

Es spricht: „Willst du genau erfahren —"
Der Schupo, der den Goethe kennt.

Begeistert preist ihn meine Leier,
Den Schupomann im Preußenstaat,
Der neben seiner Tante Meier

Auch seine Mutter Lehmann hat.

Versunken und vergessen

Madderada,,«.
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