Kladderadatsch — 84.1931

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Miefkasten

Folgende uns zugegangene Manuskripte werden unter Hinweis auf die am Ende des Briefkastens befindliche Mitteilung mit bestem Dank abgelehnt:
Anklam: W. B. - Dresden: B. ». - Fürth: F. B. — Jena: M. S. - Leipzig: K. T. - Lüthorst- O. N. — Northeim: H. P.
Steglitz: F. R. - Verden: K- M. - Zerbst: D.

Cloppenburg i. V. In Nr. 183 der „Münster-
ländischen Tageszeitung" liest man: „Lankum,
10. August. Von einem Bullen angefallen
wurde Sonntag nachmittag der Landwirt
Thoben. Der alte Mann war nach Hemmels-
bühren gebeten worden, um beim Decken des
Tieres behilflich zu sein."

Ein Bulle, den man decken lasten will,

Hält natürlich nicht still,

Sondern wird energisch aufbegehren —
Wer sollt's ihm wehren!

Dresden, Dr. H. W.: In der „Woche" vom
13. Juni 1931 befindet sich ein Aufsatz „Fon-
täne nach dem Mars"; es wird darin berichtet,
daß ein amerikanischer Profeflor den Mars-
bewohnern gewaltige Lichtsignale zusenden
will. Daran schließt der Verfasser dieses Auf-
satzes folgende Bemerkung: „Sollte die phan-
tastische Absicht Wirklichkeit werden, so wäre
es natürlich verfehlt, daß wir eine Antwort
der Marsbewohner in absehbarer Zeit er-
warten dürfen. Denn diejenigen von uns,
die in der Physikstunde nicht geschwänzt haben,
werden sich vielleicht erinnern, wieviel Licht-
jahre der Mars von der Erde entfernt ist." —
Ohne dem trefflichen Verfasser dieser muster-
haften Ausführungen irgendwie zu nahe

treten zu wollen-aber hat er nicht doch

dann und wann auch — die Physikstunde
geschwänzt?

Düsseldors-Grasenberg. H. Sch.: In der
Zeitschrift „Der Schleswigholsteiner" (Heft
15/16) schließt eine Polemik gegen einen ge-
wissen Maxim Fackler mit den vernichtenden
Worten: ,Hn sechs Tagen hat der Herr
Himmel und Erde gemacht, aber Maxim hat
in sechs Tagen nichts gemacht. Christian
Tränckner." Dem Maxim Fackler hat's
Christian Tränckner gehörig — eingetränkt!
Sollten nicht für sein bedauernswertes Opfer
in diesem hartnäckigen Falle — einige Löffel
Rizinusöl am Platze sein!

Flensburg. P. F.: In Nr. 199 der „Flens-
burger Nachrichten" lesen wir zu Beginn einer
Wetterbetrachtung: „Als sich der Spät-

sommertag abendlich rötete und ein frischer
Wind über die Förde strich, klagten die Bäume
am Strande ein ledernes Lied." Diesen
jammervollen und prosaischen Eindruck von
dem doch sonst so symphonisch-stimmungsvollen
Spätsommerlied der Bäume am sturmbeweg-
ten Meeresstrande hat der wetterbericht-
erstattende Redakteur der „Flensburger Nach-
richten" wohl von den ledernen Einsendungen
eines dortigen Lokaldichters erhalten.

Gleithain (Sa.). Dr. W.: In Heft 36 von
„Motor und Sport" lesen wir unter der
Rubrik: „Misten Sie daß": „... Butter ein
vorzügliches Mittel ist, um im Notfälle Teer-
flecken aus den lackierten Flächen wie auch
aus den Strümpfen der Sozia zu entfernen?"
„Wenn der „So—zi—a" die Strümpfe
Greulich starren voller Flecken,

Wird man eben diese Nymphe
Alsobald in Butter stecken;

Weiter töfft man mit Getutter,

Alles ist jetzt schön — „in Butter".

Hannover. Dr D.: In Nr. 202 des „Han-
noverlchen Anzeigers" lesen wir: „Geschäfts-

mann sucht möbl. Zimm. bei Witwe, welch,
nur 1—2 Tage in der Woche benutzt wird.
Angeb. mit Preis u. W T 945 an den ,H. Anz.'
Rathenauplatz." Die merkwürdigen Vor-
stellungen, die sich der Inserent von einer
Witwe zu machen scheint, sind uns völlig un-
verständlich.

Hann.<Mündcn. L. H.: In Nr. 161 der
„Mündenschen Nachrichten" lesen wir als Er-
widerung auf eine Anzeige eines gewissen
Georg Schmidt, der die Warnung ausspricht
(Nr. 160 derselben Zeitung), seiner Frau auf
seinen Namen etwas zu borgen: „Baron
Schmidt!!! mach' Dir keine Sorgen, hält' ich
alle Deine Knüppel, bekäm ich wahrlich nichts
zu borgen. Berta Schmidt." Aus dieser Aus-
lassung der dichterisch veranlagten Gattin
scheint hervorzugehen, daß auch Herrn „Baron
Schmidt" der- heute so viel genannte „Re-
diskontkredit" hier und da fehlen mag.

Leipzig. H. I.: Im Handelsteil der „Leip-
ziger Neuesten Nachrichten" vom 31. Mai
1931 lesen wir einiges über „Übertriebene
Nervosität" an der Börse; unter anderm heißt
es da: „Solche „Revolutionen im Setzkasten"
einiger von Sachkenntnis nicht allzu be-
schwerter Berichterstatter bergen die Gefahr in
sich, daß die wirklich ernste wirtschaftliche Ge-
samtlage als ein quam unerwartet ein-
getretenes Naturereignis gewertet wird, wäh-
rend es sich tatsächlich um eine folgerichtige
Entu-7xenirdgoveniumlhnirdogeniaumlhweniat
um eine folgerichtige Entwicklung handelt."
Dieser gutgemeinte Bcruhigungsversuch der
„Leipziger Neuesten Nachrichten" birgt leider
die Gefahr in sich, daß der bereits stark nervöse
Leser — völlig verrückt gemacht wird.

Markranstädt. K. D.: In Nr. 189 des
„Markranstädter Tageblatts" befindet sich
unter dem Datum des 17. August 1931 eine
Wetterbetrachtung mit der Überschrift „Der
gestrige Sonntag"; sie schließt mit den Wor-
ten: „Hoffen wir nur, daß uns bald noch einige
warme Wochen beschert werden, denn Natur
wie Mensch bedürfen ihr sehr. Der nun seit
zwei Wochen auf uns lastende Kälteeinbruch
ist zu allerlei Krankheiten Anlaß gegeben." —
Wenn sich doch zum Donnerwetter dieser ver-
flixte Berichterstatter eine bestere Ausdrucks-
weise angeivöhnen möchte — wir bedürfen ihr
sehr. — In den „Leipziger Neuesten Nach-
richten" vom 17. Juni 1931 lesen wir: „Klaus
Braune. Am Sonntag kam ein kleiner Drogist
Anger-Drogerie. Entbind.-Anstalt Hanna
Jentsch, Lilienstraße 2." Hofsentlich hat sich
dieser Neuangekommene kleine Drogist gleich
die nötige Menge Puder für seinen kleinen
„Allerwertesten" mitgebracht.

Murrhardt (Württbg.). W.: In der Stntt-
garter „Süddeutschen Zeitung" vom 5. August
1931 wird über einen „Wolkenbruch über
Karlsruhe" berichtet; zum Schluste lesen wir:
„Besonders in der Mittelstadt waren die Uber-
schwemmungen in den Kellerräumen groß. Der
Blitz zündete mehrmals, doch waren es nur
kalte Schläge." Oh, Oh! Wenn dem Bericht-
erstatter nur nicht einmal ein „kalter Schlag",
vorausgesetzt, daß er zündet, die wallenden
ambrosischen Locken seines Dichterhauptcs in
Helle Flammen setzt.

Neumünfter. F. P.: Im „Holsteinischen
Courier" vom 18. August 1931 befindet sich
ein Lokalbericht mit der Überschrift „Brand-
manöver ohne Geräte — wegen Regens";
darin heißt es: „Nachdem die Wehr, 58 Mann
stark, auf dem Hose der Feuerwache an-
getreten war, erklärte der Städtische Brand-
ingenieur Dr. Freiesleben, die Berufswehr
rücke wegen des Regens nicht mit aus, um
die Schläuche nicht naß zu machen." Ganz
recht; zwei Dinge muß man sich merken: So-
bald die Spritzenschläuche naß und die Schorn-
steinfeger schwarz werden, haben beide ihren
Berus verfehlt.

Wolgast. W. Sch.: Auf einem uns ohne
jede nähere Angabe aus Wolgast zugesandten
Zeitungsabschnilt wird unter „Eingesandt" über
die Frage verhandelt: „Ist die Pommersche
Bauernschaft unpolitisch?" Unter anderm
lesen wir: „Das stärkste überhaupt mögliche
Aufgebot aller oppositionellen Elemente aus
der Rechten und Linken hat trotz gewissenloser
Ausnutzung der wirtschaftlichen Not weiter
Volkskreise, trotz Anwendung der skrofulösesten
und demagogischsten Agitation nicht zum er-
wünschten Ziele geführt." Diese Agitationen
darf man wirklich, selbst wenn man die Skro-
fulöse ganz außer acht läßt, als die — skrupel-
losesten bezeichnen.

Würzburg. E. Z.: Auf einem uns ohne
jede nähere Angabe eingesandten Zeitungs-
abschnilt ist die Ankündigung einer „Zauber-
vorstellung" unterzeichnet: „John Wendler,
Profestor der höheren Maggie." Nanu, das
heißt doch — Maggi! Wir wandten uns sofort
an die weltbekannte Firma und erhielten die
Auskunft: „Dieser Suppcnwürfelprofestor ist
uns völlig unbekannt; außerdem geht bei uns
auch alles — ohne Zauberei zu."

Zörbig. F. A.: Auf einem uns aus Zörbig
zugesandten Zeitungsausschnitt (ohne jede
nähere Angabe) befindet sich ein Gedicht
mit der Überschrift „Marienklänge"; darin
heißt es:

„Der Kuckuck hat mir vorposaunt
noch viele Lebensjahre,
er war wohl etwas gutgelaunt,

Doch sagt er nie das Wahre."

Dazu meint der stark satirisch veranlagte
Einsender:

„Willst du dem Leser etwas bieten,

So mußt du munter Verse schmieden,

Sinn und Verstand beiseite lassen,

Bedenk' nur, daß die Reime passen."
Hierzu bemerkt der „Tartius gaudens“:

„Ach, laß den Kuckuck ruhig Posaunen!

Ein jeder Dichter hat seine Launen.

Doch wenn er „bieten" auf „schmieden"

Der Kritiker vor Empörung schäumt.

Nbfchlnk dieser flJummer:'l7. September X031.

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chriftleitung verantwortlich: Paul Warncke. Berantworl,
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Fernlprechanschlüsse für Skpedltion: Bergmann 3060, «nzeigenadt.: Bergma
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