Kladderadatsch — 87.1934

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Oie Finanzlage der Welt

Oie Gleichheit macht in der ganzen Welt Fortschritte.

Belohnung

Wer das sagenhafte Seeungeheuer
vom Loch Neß lebend ablicfcrt, soll vom
New Jorker Zoologischen Garten eine
Belohnung von 10000» Mark erhalten,
wenn cs mindestens 12 in lang und
gesund ist.

Da cs für den Fremdenverkehr viel
mehr wert ist, müssen von Loch Neß alle
belohnt werden, die das Tier nicht ge-
fangen haben. jin.

Die Metalle

Indem der menschliche Körper Metalle
enthält und Dr. Bcrtrand sich ihre Er-
forschung zur Aufgabe gemacht hat, so
kann ich ihm dabei unter die Arme
greifen.

Das Gold. Es soll goldene Herzen
gebe», aber nicht in unserem Lehrer-
kollegium, wenn verseht werden soll.

Silber steckt in der Zunge, nämlich
Reden ist Silber.

Nickel gibt cs bei uns in der Klasse.
Sic ärgern die Lehrer.

Vom Zink hat die Nase den Namen
-Zinken. Woraus sich bei längerer
Alkoholbchandlung Kupfer bildet.

Eisen. Man verlangt von mir eiser-
nen Fleiß, wogegen ich mit eiserner
Stirn passive Resistenz übe. Daß, ivic
Dr. Bcrtrand fcststellt, das Metall sich
vermindert, wenn ein Junge geboren
ist, sagt meine Mutter auch und ganz
besonders, wenn nachher der Junge so
lange in Quarta, Coetus b. sitzt wie Ihr
m.,. Carlchcn Micßnick.

Neu und gut!

In Amerika hat man die Entdeckung
gemacht, daß ein Zusatz von Zucker zu
Mörtel oder Beton die Masse haltbarer
und rißfcst macht. Zur Zeit wird in
Deutschland die Erfindung vom Rcichs-
fachvcrband Kalk ans ihre Verwend-
barkeit geprüft. Dabei hat man ge-
funden, daß ein Zusatz von Melasse noch
besser ist als reiner Zucker.

Man denke, so ein Wochcncndhänschcn
aus dieser Masse gebaut, für junge Ehe-
paare, einfach süß! ,U-

Henker und Denker

(Der verstorbene «hef der russischen G.P.U., Menschinsli
ber an einem einzigen Tage 35 Todesurteile unter-
fertigt bat, süblte sich in starkem Maste zur Pbilosovbie.
Musik und Dichtkunst dinaezoaen, spielte mebrere In-
slrumcnte und «ersaßle sogar Gedichte.)

„Mir fällt's niemals ei», mich aufznrcgcn;
Abgeklärtheit, meine schönste Gabe.
Völlig fassungslos sind Sie dagegen,
Weil ich Sic zum Tod verurteilt habe.

Täglich fordere ich fünf mal sieben
Bürgcrköpsc vor dem Blutgerichtc.
Hab' die Urteile ich unterschrieben,
Musizier' ich oder schreib' Gedichte.

Statt dem Schicksal wütend wild zu fluchen,
Sollten Sic, entzücktvon mcincnStrophen,
Sich wie ich zu bändigen versuchen.
Eh'rne Ruhe ziemt dem Philosophen.

All die Aufgeregtheit, linn» lamm!

Daß Sic morgen in der Frühe Ihren
Kopf verlieren müssen, Bester, darum
Braucheil Sic dcn Kvpf nicht z» verlieren!"

Briefmarken

Die schwedische Postverwaltung will
jetzt Briefmarken mit dem National-
licbling Greta Garbo hcrausgcben.

Wenn das in anderen Ländern Schule
macht, ist ja allerhand zu erwarten!
Tann werden die Briefmarkensamm-
lungen das beste Abbild des Kinos geben.
Fürchten aber die Kinogrößcn nicht für
ihre Geltung, Ivenn ihre Bilder dann
durch die Post tagtäglich entwertet werden?

Mei' Rezept gegen alle Meckerer!

An Herr» Kladderadatsch

da drob'n in ehemals Preißcn!

Sic, jetzt hat ma' die Meckerer überall
in der Reißen / und i mnaß fei scho
sagen, i sind's an der Zeit / und des is
a mal was, was mi' sakerisch g'frcit, /
denn des därscns mir glauben, mir
Packträgcr san / mit solchcne Leut doch
am windigsten dran. / Ja, mir kcnncns,
die Brüadcr, Sic ahncns ja net, / was
all's auf dem Boden der Tatsachen
steht, / grad so wia de zwoa: sic a greis-
liches G'stcck, / er aa net viel besser, drei
Koffer Gepäck, / a g'schlagene Stund
Hab i's umanandg'schleppt / und was
war der Dank? „Er" fühlt sich 'je-
ncppt'! / „Ah", schnauzt er mi' an,
„Wat, eene Mark / sor die paar Mi-
nutens? Tct finde ick stark!" / Und
„Sic" tat cahm aa no in d'Wuat cini-
trcibcn: / „Tet müßte man ans Mini-
sterium schreiben!" / Jetzt i hält ja leicht
a Zitat dafür g'sunden, / doch Hab i mir
g'sagt: Sei stad — Dienst am Kunden! /
Bloß, tuat oancr so hnndcrtzwanzig-
prozentig, / dann wirds mir erst hoaß,
dann dnrscht's mi' unbändig / und weil
er mir stinkt, drum denk i: a was, / laß
laufen, de G'scllschast — und kauf dir a
Maß! / Drum geh i ins Hosbräu . . .
scho hockt oaner dort und politisiert
und führt 's große Wort: / „Im großen
und ganzen, na ja, nichts zu klagen, /
doch eins, meine Herren, das muß ich
schon sagen, / wenn ich Kanzler lväre —
ich würde die Sachen / ganz anders,
natürlich weit bester noch, machen. I
Doch so, so gchts schief, und, ich Habs
gesagt, / so Köpsc, Ivic ich, die sind dann
gefragt!" / Grad will i dem Kerl a rich-
tige langen, / da is zu sci'm Glück von
selber cr'gangcn, dafür kommt mei
Spezi, der Seppl, daher / und sangt aa
scho an: „Recht hat er, der Herr . . ." /
Doch da wcrd i sucht,': „Jetzt frag i di',
Sepp, / de Arbeit, wo d' kriagt hast, hast
de von dem Tepp? / Vom Hitler hast's,
Rindvicch!" und dann Han i zu / und
er sagt ganz kleinlaut drauf: „Stimmt,
recht hast du!" / Und schngs, des halt i
fürs richtig' Rezept, / wenn oancr so
damisch z'meckern anhebt, / dann laß m'a
uns deswegen net irritieren / und tean
cahm scho glci a ganz pfundige schmie-
ren, / dann dürf'n m'r geruhsam aus
d'Zukunft oans trinka, / denn der
meckert nimmer!!

Wurmdoblcr, Packträgcr z'Minka.
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