Kladderadatsch — 96.1943

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S*ie Heimatfront--

Herbett Hoover hat eine Rede vom Stapel gelassen,
die sagte den amerikanischen Massen,
es komme in diesem Krieg auch drauf an,
wie die Heimatsront steht, was die Heimat kan».

Die Yankees vernahmen die Wotte mit Staunen:
das klang ja ganz anders als Franklins Posaunen!
lind Mister Bäbitt und Mister Brown
konnten die Mahnung nur schwer verdaun.

Aber-

Aber in Deutschland - und darauf kommt's an! -
weih heute, worum es geht, jedermann.

Cin jeder weiß es: Herr Hoover hat recht,
und deswegen steht seine Sache schlecht,
denn Mann für Mann sinduvir angctreten
im Gefühl: es ist auch das Letzte vonnöten.

Eine Burg festen Willens ist jedes Haus,
und nicht ein einziger schließt sich da aus!

Die Schornsteine rauchen, die Räder, sie rollen,
und alle eint uns das gleiche Wollen,

Männer und Fraun in geschlossenen Reihn,
denn es muß unser die Zukunft sein!

Oer Adju

Wlnston Churchill erklärte vor Pressevertretern

ln Cismblenes, daB er sich bei der Landuni: der

gelsterter Adjutant Mister Roosevelts Befühlt habe.

In der Alten Welt gilt der Grundsatz,
daß als Adjutant der Beste gerade gut
genug ist. Ein Adjutant,.der schweigt,
muß eine gute Figur machen. Ein Ad-
jutant, der redet, hat ein kluger Mann
zu sein. Ein Adjutant, der handelt, ist
sein eigener Chef.

In der Neuen Welt ist das wohl anders.
Die Männer, die Roosevelt der Öffent-
lichkeit als seine Adjutanten vorstellte,
machten alles andere als eine gute Fi-
gur. Redeten sie, dann war das ein
Mauscheln. Handelten sie, dann stellte
sich heraus, daß sie wirklich die Chefs
waren und daß Roosevelt nach ihrer
Pfeife tanzte. Deshalb legte sich Roose-
velts Adjutantur auch richtig den Na-
men „Gehirntrust" bei. (Vielleicht
glaubten die Figuren auch, ihren Man-
gel an äußerer Schönheit mit dem Hin-
weis auf schwer kontrollierbare innere
Werte ausgleichen zu können.)

Wir haben volles menschliches Ver-
ständnis dafür, daß sich ein Chef mit
solchen Adjutanten auf die Dauer nicht
wohlfühlen kann. Es kommt hinzu, daß
ihm die Möglichkeit, seine beruflich
versetzten Chefgefühle zu Hause abzu-
reagieren, fehlt. Jedenfalls läßt die
Konstruktion der Zähne Ellinors für
jeden, der das Leben kennt, diesen
Rückschluß zu. Es gibt Männer, die
lieben solche Zähne. Das sind Domp-
teurnaturen. Aber haben Sie schon ein-
mal beobachtet, daß die Männer, die
mit Raubtieren umgehen, meistens et-
was ganz Sanftes, Ohnmächtiges und
Ungefährliches in ihrer Umgebung
haben? Einen zahnlosen Dackel, ein
winziges Äffchen oder so? Wieviel
mehr muß dieses Bedürfnis bei dem
Dompteur Roosevelt vorhanden sein,
der nicht seine Raubtiere als Schau-
stück vorführt, sondern der von diesen
als „Nummer" gezeigt wird!

Man braucht nicht Magnus Hirschfeld
zu heißen, um klar aus den krauSen
Seelenlinien dieses Falles zu folgern,
daß hier nicht ein Dackel und kein
Zwergäffchen notwendig ist, sondern
ein ungefährlicher, möglichst alter und
zahnloser Löwe.

Und siehe da! Der Löwe als Adjutant
bot sich von selbst an. Er roch nicht
gut, denn das tut niemand, der zwei
Menschenalter lang Zigarren rauchte.
Er weiß nichts von der Prohibition, die
im Hintergrund der Heimat Roosevelts
immer noch wetterleuchtet. Aber in
diesem Fall ist der Whisky nur die Me-
dizin für den Weltschmerz. Der Löwe,
den wir meinen, sucht seine Nahrung
auch nicht mehr wie einst in kessen
Jugendtagen auf freier Wildbahn. Doch
das ist nur gut, denn wer sich füttern
lassen muß, braucht keine Kette.

Ja, so wurde Churchill zum Adjutanten
Roosevelts.

Er fing seine Sache nicht schlecht an.
Er führte seinen neuen Chef, den Rei-
senden aus dem Weißen Haus in Wa-
shington, nach Casablanca, also in ein
anderes weißes Haus. Ein guter Ad-
jutant legt Wert darauf, daß gewisse
Dinge den Chef auf Reisen begleiten.
Der eine Chef braucht seinen Pantoffel
— Roosevelt war sicher froh, ihn mal
los zu sein —, der andere braucht totes

oder lebendes Inventar, aber Herr
Roosevelt schwärmt nun mal für das
Weiße Haus. Wir sind gespannt, wo
demnächst noch Weiße Häuser die
Ehre eines Roosevelt-Besuches haben
werden.

Der vielversprechende Auftakt der Tä-
tigkeit des Adjutanten W. C. war bald
zu Ende. Eine Viererkonferenz zu
zweien ist keine Musterleistung seiner
Organisation. Daß Tschiangkaischek
nicht mag, mag noch hingehen, denn
sein Weg ist wirklich sehr weit. Aber
daß Stalin absagte oder vielmehr un-
annehmbare Bedingungen stellte, ist
peinlich vor allem als Symptom für das,
was Stalin einst seinen Verbündeten als

Rechnung zu präsentieren gedenkt. Am
ungeschicktesten aber ist es, die Num-
mern 3 und 4 der Konferenzteilnehmer
durch Figuren wie Giraud und De
Gaulle zu ersetzen. Das tut kein guter

Letzten Endes aber kann ein geschick-
ter Adjutant auch die schlechteste Kon-
ferenz durch ein gutes Schlußkommu-
nique retten. Nicht einmal das gelang.
Denn die Leere von zehn Verhandlungs-
tagen gähnte aus jeder Zeile der amt-
lichen Mitteilung über ihren Verlauf.
Ich glaube, der jüdische Gehirntrust
hätte soviel Schwarzes um die Niete
von Casablanca gelegt, daß sie wie ein
Volltreffer gewirkt hätte. Hanton

Kladderadatsch
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