Kladderadatsch / Bismarck-Album: humorist.-satir. Wochenbl. — 9.1849/​90(1890)

Page: III
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/klabismarck1890/0004
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Rs ist ein großeS Stück Geschichte, welches durch das vorliegende Album in Bild und Wort, in
humoristisch-satirischcn Darstellungen lvie auch in ernsten dichterischen Worten illustrirt wird, und
deren Mittelpunkt die geivaltige Gestalt des ersten deutschen Neichskanzlers bildet. Was in einer
langen Neihe von Jahrgängen dcs Kladderadatsch über den ssürsten Bismarck an bildlichen Tarstellungeu ivie
auch im Texte vorhanden ivar, sollte darin zusammengestellt und, wo es uothig schieu, durch kurze Crläuterungen
zn einem einheitlichen Ganzen verbunden werdein Nicht Alles, was zu dem Thema Bismarck gehörte, war
in den geschlossenen Rahmen zn bringen, und dast manches wegsallen konnte, was auf minder wichtige
Episoden Bezug hatte, dürfte dem Eindruck des GesammtbildeS uur vortheilhaft sein. Weil aber dies Albnm
seinem Gesammtinhalte nach eiit-vollständiges Bild der im Kladderadatsch illustrirten Persönlichkeit des
Kanzlers geben soll, so durften darin auch die schärfsten satirischen Angrifse gegen ihn nicht fehlen.

Wie man auS dem Jnhalte ersieht, reichen die bildlichen Darstellnngen bis auf das Jahr 1849
zurück, da Herr v. Bismarck noch Abgeordneter der zweiten Kammer war; die erste Erwähnung im Texte
ist ans dem Jahre 1851. Jn der langen Zwischenzeit von 1853—1862 liegt nnr eine kleine Episode aus
dem Iahre 1859, der wir aber den hier mitgetheilten und facsinnlirten Brief an den Nedacteur Ernst Dohm
verdanken. Die lehten vier Jahre boten, troh der grosten Nesormen im Innern, doch wenig Anlast zn
bildlichen Darstellungen nnd konnten nns daher nur geringe Ausbeute lieferu. Die gröstte Zülle tritt erst
nach 1866 ein.

Was die Redaction deS ganzen Stoffes betrifft, so fand der Vcrleger eS angemessen, dieselbe einer
literarischen Persönlichkeit anzuvertrauen, welche zwar die Pvlitischen breignisse der letzten vierzig Jahre
mit durchlebt hat, aber der Redaction deS Witzbtattes selbst nicht angchört. Sowohl sür die Beurtheilung
des literarischen und künstlerischen Jnhalts wie auch für die danach getroffene Auswahl des reichen
Materials wurde hierdnrch die dem Zwecke dieser Ausgabe entsprechende Objectivität ermöglicht.

Da die Verfasser der einzelnen literarischen Erzeugnisse im Kladderadatsch niemals genannt wnrden,
so war es auch nicht nöthig, ost auch uicht möglich, sie in diesen Auszügen besonderS zu bezeichnen. Die
Antorschaft der verschiedenen literarischen Erzeugnisse ist daher auf die nachgenannten Niitglieder der
Nedaction zu vertheilen. Nachdem im Aiai 1848 der Kladderadatsch von dem bekannten Humoristeu
D. Kalisch in Gemeinschaft mit dem Buchhündler Albert Hosmann begründet worden war, übernahni ein
halbes Jahr später Ernst D ohm die verantwortliche Redaction und blieb in dieser Eigenschast sowohl, wie
durch seine eigenen geistvollen Schöpfungen, die Seele des BlatteS. Nach dem Tode Dohm'S, Anfangs
1883, hatte sein langjähriger treuer Kollege Rudolf Löwenstein die Nedaction fortgesührt, während schon
seit 1862 Iohannes Trojan als regelmäßiger und sehr erfolgreich thätiger Mitarbeiter eingetreten war.
Später gesellte sich Polstorff dem Kollegium bei, während seit einigen Iahren Trojan anch die verantivort-
liche Nedaction führt.

Die bildlichen Darstellnngen, welche den Hauptinhalt unsereS Albums bilden, rühren fast sämmtlich,
mit nur wenigen vereinzelten Ausnahmen aus letzter Zeit, von Wilhelm Scholz her, welcher seit dem
Bestehen des Kladderadatsch noch heute der Redaction angehört. Was Scholz in seinen ausgezeichnet
satirischen Darstellungen Louis Napoleons, seit dem Beginn von desseu Herrschaft, geleistet hat, kommt in
unserm Album nicht zum Ausdruck. Eine größere und schwierigere Ausgabe übernahm er in den Dar-
loading ...