Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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Rn -ie verehrlichen Vorttände drr tzüllsvcreine.

Ta es für di- Ausbreirunq und Bclebung des Jntercsse für d-c
Lsmbau-Sacke nichk anders als höchst förderlich sein kann, wenn d:e
sn so vielen Orten bercils gegründeten Lombau-Vereine naherc Anga-
b«a über ihre Ausdehnung, Hülfsmittcl und Wirksamkcit, so wie über-
haupr über alles, was auf den Fortaang des Unternehmrns Einfluß
Sbt odcr übc« könnte, drm größcrn Publicum mittbeilcn >rolltcn, 'o
sseht sich der unterzeichnete BerwalNungs-Ausschuß veranlaßr, an die
Äerehrlichcn BorstZnde sämmtlicher Hülfsvcreine hiermit die crac.cnsie
Mtle zu richten, ihm hicrauf bezügliche Mitlheilungen zum Behufe
der weitern Verbreitung derselben durch das Wcrcinsorgan ron Zeit
zu Zeit gefälligst zugehcn lassen zu wollen.

Köln, 10. Nov. 1842. Der Verwalrungs-Ausschuß

des Central - Dombau - VereinS.'

Der Verwallungs-Ausschuß des Central-Dombau-Vereins ist erfrcut,
den nachstehcnden Aufruf zu eincr Eeneral-Versawmlung der Dom-
aau-Fccunde B.hufs Bildung eineS Filial - Dombau . V ererns
im Kreise Wipperfürth veröffentlichen zu könncn. Diescr cchritt
der unterzeichnctcn Ehrenmänncr, welcher allseitig mil BcifaU aufge-
nommen worden ist, gibt der Hossnung Raum, daß das großartige
Aatrrländische Untcrnehmen eine krästig« und nachhaltige Stütze i»
«rem Kreise sindcn werde:

Der Dom in Köln ist das gnoßartige Denkmal dcr vaterländisch.cn
Baukunst und dcr Frömmigkeit'unscrer Worfahrcn, worauf die Sluf-
mecksamkeit unserer Zcit gcrichtct ist, und dessen sich das deutlche
Bolk niit Begei'sterung annimml. Fern und nahe bildcn sick Vereine,
tzie ihre Kräfte aufbieten zur Erhaltung und Vollendung diescs Nie-
sentcmpcls, dessen Bau, vor 600 Jahren begonnen, durch die Ungunst
der Zeilen unterdrochcn wsrden und nun dcm Vcrfalle bcrcits «ahe
war. Die Fürsten Deutschlands haben sich selbst an die Spitze diescr
-Bereine gestellt und durck ihr hochherziges Beispiel zur Theilnahme
«rnuntert. Da dürfen auch wir Bcwohner des Kreises Wipperfürlh
nicht zurückbleibcn. Sowohl die Nähe des Domes als die geschichtliche
Srinncrung seines Ursprungs fordern uus vor Andern noch bcsonders
^rr Mitwirkung auf. Engelbert der Heilige, Erzbisckof vonKöln,
«, dessen grvßer Seele sich der Plan zu diescm bewundcrnswürdigen
Domwerke zucrst gcbildck, war ein geborncr Graf von Bcrg, der Lan-
desherr unserer Voreltern, der in Wipperfürth die crste Htadt des
Sergischen Landes gegründet, die hicsige Pfarckirche erbaut und hier,
«r- auf dcm nahe g-lcgcnen Schlosse Ncuenbera, öfters seincn
Zlufmthalt genommcn, woran noch manche Namcn in unserer Gegcnd
«nverkennbar crinnern. Seln Andcnken mahnet uns an dic hcilige
Pffjcht der Mitwirkung. Zwar ist man im hiesigen Kreise für das
Zroße Unternehmen des Dombaues auch bi'sher krineswegs gleichqültig
gewesen, das beweisen die vielen Namen derer, wclcke als Mikglicder
Central-Dombau-Vercine in Köln bereils beigetreten sind. Aber
zu groß und schön ist das Wcrk, als daß nicht den Einsassen die
Lheilnahme daran noch mehr erleichtert, und zu dem erhabencn Zweckc
micht noch mehr geleistet werden sollke. Deßwegen haben sick die Un-
«erzeichneten alS vorläufigcs Comite zur Bildung eines Filial-Dvm-
-au-Bereins für den hiesigen Kreis constituirt, und laden htcrmit Alle,
«elche bereits ihren Beitrag zum Dombau für das laufende Jahr ge-
keistet haben, so wie diejmigen, welche ihre Tbeilnahme dafür durch
Guzeichnung von wenigstens 10 Sgr. noch bekunden, ein,

der Gcneral-Versammlung am Dinstag dcn 15.

November, Vormirtags 10 Uhr,
in, Locale der Gesckwister Mcrkcn, beizuwohncn, um die Statuten
4»« Vereins zu bcrathen und festzustellen. An dic Hcrren Pfarrer,
BLrgermeister und Gemeinde-Vorstehcr ergrht aber insbesondcre die
Brtte, in ihrem Wirkungskreise die Thcilnahme an diesem edlcn und
gsttgefälligen Unternehmen nach Kräften zu wcckcn und zu belebcn.

„Es gilt ja die Ehre Goktes, die Sache dcr Kunst und dcn Ruhm
«mseres dcutschen Vaterlandes!

^Wipperftirth, den 20. October 1842.

„Das provisvrische Comitc:
„Schumacher, Landralh. I. W. Dünner, Landdechant.
„Müller, Kreissecrclär. H. Müller, Rector deS Progym-
„nastums. Doinet, Friedcnsrichtcr. Wirth, c. Bürgcrmeistcr."

Geklgnete Beiträge zum „Kölner Domblatt" wolle man
Hffen oder unter Kreuzband mir der für den Umfang der
königl. preußifchen, der großherzagl. badischen so wie der
färstlich thurn- und taris'schen Postverwaltung portofreien
Rubrik: „Allgemeine Angelegcnheiten des Dombau-Vereins
Köln", einsenden.

Die Rcdactions-Commission.

Aebcr die Uückttchten bci dcr fvahl dcs Materials
;um Domban.

Von 0. Mohr in Coblenz.

Es düiftc dic Frage über das zum Fortbau dcs Domes zu wäh-
lcndr Mateiial von der hcchstm Bcdculung sein, da die Dauer dcs
herrlickcn Weickes, an dem wlr bauen, dis in die enlftrntisten Jahr-
hundcrte fast stillschweigk'nd als eine gcgebcne Bedinguug angesehcn
wird, oh»e welche cs üdcrhaupt gar nicht derMühe wcrlh wäre, sort-
und auSzubauen. Tcnn sthc man voraus, daß die Zeit in irgend einrr
bercchncnbaren Ausdebnung das ganze Wcrk vernichren würde, so wür-
den die Fiügcl der Begeisterung erlahmen, für welcke ein Zeltcaum
von 6 bis 8 Jahrhunderren nicht länger sein darf, als cine Stunde
für cln mcnschliches Leben. Allein wir sind genöthigt, die berriiche Zdee
Les Meisters starrcn Matericn anzuvertrauen: Steine, Mörtel, eisirne
Bande werdcn die Träger des unsterblichen Gedankens werden, und
dic Eigenfchafttn dieser Matirien den adsolutestcn Einfluß auf die
Daucr des Werkcs ausübcn. Eine größere odcr gcringcre Cohäsion,
einige Procente Kali mebr in dcr Mischung deS vulkanischen Steines
wcrdcn das herrliche Dcnkmal zwei- bK dreitauftnd Jahrc früher in
den Skaub legen. Darum dürftn wi'r fttzf, wo das Matcrial zvm
Forlbau qcwählt wirb, auck nicht dic kleinste Andeutung übcrfthen,
die uns über die muthmaßliche Dauer desftlben aufklärcn kann. Zch
wiü nichr vcrsäumcn, zu bcmerkrn, d«ß ich bei dieftr Erörlerung nur
die Daucrhaftigkcir im Sinne habe, iudcm ich die Beacklung anderer
Rücksichtc», die ciwa aus der Farbe des zu wählknden Mareriais ab-
geleilct würden, Anderen übcrlasse.

Es ist bckannt, daß der Lom aus dcm trachytischen Gcsteine dcs
Sicbcngebnges gcbaul ist. Daß die Wühl dicscs Sleines einc glück-
liche war, kann man nicht behavpten, dcnn die Zerstörungen, welche
ganz allein die Unbilden der Atmosphäre an dcm noch nicht ftchS Jahr-
hunderle stchcnden Werke angerichlct haben, waren fthr groß, ss daß
alle bis jetzt aufgedrachken Summen fast lediqlich auf die Rcstaura-
kion des Zerstöne« verwendet wurden. Eine Mcnge freistehende Zie-
ralhcn waren bis zum Verschwinden der Form vvn der Zeit zerfresseu,
cbene Fiächen mit Aushöhlungen, Giubcn vcrunstalket. Jedoch das
Geschehene könncn wir nlchr ändern, unsere Sorge fti unftm cigsncn
Schritten zugewendct. Die Zerstörungen ter äußcrn Fläche der Bau-
wcrke, welche im Lauft der Zcit geschehcn, müssen von dcn UmstäUden
adgeleitct werdcn, denen dirse ausqefthr sinb; diese sind nun die
Wärme und Kälte, der Frost in Verbindung mit Feuch-
rigkeit, die Einwirkung der Luft und des Wassers. Die
WLrme übt bekanntlich auf alle Körper ihrcn Einfluß durch Ausdch-
nung aus. Wcrden alle Thcile cines Körpcrs glcichwäßig von dcc
Wärme crgriffcn, so nimml der Körpcr sxmmetrisch an Kubikinhalt
zu, dagcgcn bleibcn die einzelncn Theile dcs Körpers in ihcen relati-
ven Enifcrnungen. Wird dagegen rin Körper nur einfti'tiq crwärmt,
so crlci'det cr an dcr erwärmten Stelle eine Ausdehnung, während dies
an der kalt gebliebencn nicht Statt sindet. Die Folge dieftc Wirkung
muß ciu Beugen dcs Körpers ftin oder doch eine Spannung, welcke
von dem Bcstreben, sich zu beugen, herbcigeführt ist. Der Körper hat
dicftr Eiuwirkung nichts eutgcgenzustellen, als ftine Cohäsisn unb
Elasticitär; sind bcide sering, so reißen die Theile von einander ab.
Eine Stange Schwesel, ein großer Salpeterkrystall, beide spröde und
nichl harte Körpcr, zerbrechen schon, wenn sie sanft von der warmen
Hand umschlossen werdcn; Glas springt nicbt von der warmen Hand,
aber von kochendem Wasser, wcil es cohärenter ist; Pocccllan springt ni'cht
von kochendcm Wasser, aber von geschmolzemm Dlei, und Eisin springt
nickt von geschmolzenem Blei', sondern wohl, werm es hefkig glühend,
einftltiq crkältct wird.

Dieft nun ruiunterbrochenc Wechftl der Temperatur müsscn einen
nacktheiligen Einflvß auf den Zusammenhang nusüben. Jede, auch
ftlbst die größte. Masse ist diesen Einwirkungen unterworftn. Dcr
Thurm der Sternwarke zu Mailand bewegte sich den ganzen Tag,
wenn ihn die Sonns befthien, indem er sich nach der schailigen Seite
;urvckbog. Mitkels stark vergrößerndcr Fernrihre, die mit einem Fa-
denkreuz aus ein terrestrisches Ob>ect gerichter ware», konnte man diiS
auss genaueste erkennen und meffen. Jetzt bauc man keine Sternwar-
trn mehr auf Thürme, sondern ganz niedrig, weil die AuSdchnung
durch die Sonnenwärme den Jnstrumenten keinen unwandelbaren Platz
gestattet. Wcnn nun eln massiser runder Thurm diesem Einfluffe solgt,
um wie viel mehr der Dom und seine Theile, in denen die Verlhei-
iung der Maffe und Erschaffung von Oberflsche mit dünnem Kerne
aubs Aeußersts getrieben ist. Die Wirkung der abwcchftlnden trocknen
Wärme und Kälte allcin muß demnach eine nachtheilige ftin, obglei'ch
cs nicht die schllmmste ist, denen cln Gebäude ausgcfttzl ist. Feuchtig-
keit in Verdindung mit Frost übt vor AUem den zerstörendsten Einfluß
aus durch die tzigenschafk dcs Waffers, sich beim Friersn auszudeh-
nen. Alle poröftn Gestcine, welche sich mir Wasser süllcn, ssnd dieftm
Einflusse bcim Gefrieren unterworfe», und fie haben demftlben wic-
drmm nichts als Cohäflon und Elusticität entgegenzustellen, welche je-
Loch durch den öfter wiederkehrcndcn Einfluß derftlben Ursache aufgc-
hoben werden, womit dann die Zccstörung des SkeincS unaufhaltsam
fortsckreitet. Dir verschiedenen Aeiträume, währcnd welcher zwei ver-
schiedene Gestcine, dcnftlben Emflüssen unterworfen, ausdaurrn wer-
den, hangrn also ganz allein von dcr Porosität und det Größe dcr
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