Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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Sraatsminister und General-Postmeister eine günstige Dcclaration,
resp. eine enlsprechcnde Ausdehnunq der unserer Sache gewährten Be-
günstigung in Antrag zu stellen. Einer geneigken Entscheidung in die-
ser allerdings für die Prosperität des Vereins sehr wichtigen Angele-
genheit sehe« wic mil Vertraucn entgcgen.

„Es gerricht mir zum Vergnügen, Jhnen auch heute wieder neue
Beweise von vcrmehrrerTheilnahme an der Domdau-Sache mitlheilcn
zu können. Namentlich gibt die nunmehr auch ersvlgte Organisation
»on Fihial-Vereinen

1) in der Pfarrgemeinde Stommeln,

2) in dem Kreise Wipperfürlh,

3) in der Pfarrgemeinde Jmmcndorf,

4) in den Pfarrgemeinden Sürlh und Rodenkirchen

dem Vereine einen recht crfrculichen Gewinn von neuen Kräften und
Mitteln. Wir hvffen zuverstchtlich, daß die jetzt schon zahlrcich voclie-
genden Beispiele von Vercinen, welche nach einzelncn Psarrgemeinden
adgegränzk stnd, auch scrner zur Nachfolge anregen werden.

„Dem Resultate der von Herrn Pfarrer und Schul-Jnfpector Han-
sen zugesaglen Bcmühungen sür die Bildung eineS HülfSvereins
in Oltweiler und Umgedung sehen wir entgegen.

„Dic hochwücdige Pfarrgeistlichkeit des Dekanates Ealcar hat ihrc
Theilnahme an der Dombau-Sache durch die Vereinbarung bewährr,
vorläusig während dreier Jahre einen jährlichen Beitrag von 1 Thlr.
den Zwccken des Vereins zu widmen, und sind diesem Entschluffe noch
mehre andere Einsassen beigelreten.

„An vielen anderen Orten ist die Stiftung von Dombau-Vereinen
im Werke. und von nahe und fern fließen fvrlwährend Gabcn aller
Art dem VereinSfond zu.

„Derselbe halte stch nach d.m Berichle in der Vorstands-Versamm-
lung vom 31. Ockober e. auf 35,205 Thlr. 14 Sgr. 10 Pf. erho-
ben. Seildem, und zwar bis zum heutigen Tage, sind wieder 1230
Thlr. 10 Sgr. 9 Pf. hinzugekommen, so daß Lie Lolal-Einnahme
sich hcule auf 36,435 Thlr. 25 Sgr. 7 Pf. beläuft, wovon 18,751
Thlr. 11 Sgr. 5 Pf. in Köln und Devtz aufgekommen sind.

„Jn der heutigen Sitzung wird dcr Vecwaltungs-Ausschuß mehre,
dic fernere Beförderung und Entwickelung der Vereinssache bezwek-
kende Anträge vorlegen, und insbesondere Jhre Aufmerksamkeil auf
die Frage lenken, in welcher Weise die bisher gesammeltcn Baumittcl
zur Verwendung gebracht werden sollen."

Am Schlusse seineS BvrtrageS ersucht der Präsident den Herrn
Reichenspergcr um Vorlesung der in der Vorstandssttzung vom
31. v. M. besciKossenen Dank-Adressen an des Herrn Erzherzvgs
Johann von Ocsterreich Kaiserliche Hoheit, und an Jhre Durch-
lauchten die Herren: Fürst von Melternich und Herzog Pros-
per L. von Arenbcrg. Herr Reichensperger defcrirt biesrm An-
suchcn. Der Vorstand genehmigt die Adreffcn und unterzcichnet die
Reinschriften iu eontinouii.

Der Präsident stellt den Antrag:

Sämmtlichen Hülfsvereinen soll eine verhältnißmäßige Anzahl
der übrig gcblicbenen GrundsteinlegungS-Gcdenk-
zeichen, zurVertheilung dcrselben nach dem besten Ermessen der
Vercins-Vorsiände, zugefertigt und dicsen Gedenkzeichen zu glei-
chem Zweckr einc Anzahl dcc von dem Herrn von Vleuten
dem Dombau-Vercine geschenkten Dom-Ansichten beigefügt
werden.

Nach vorgängiger Ecörterung und, so viel cs den letztern Punct be-
trifft, mit besonderec Berückstchligung deS von den bildlichen Dar-
stellungen dcs Domes in der Ferne zu erwartenden Nutzens für den
Vereinszweck wird der Derwaltungs-AuSschuß zu dcr von dem Präsi-
denten vorstehend beantragten Vcrwendung aukoristrt.

Der Präsident beantragt, Namens deS Verwallungs-Ausschusses,
die Zahlungs-Anweisung der Summe von 32 Thlrn. 10 Sgr. sür
die laufenden Ausgaben der Verwaltung, namentlich des letzten MonatS.

Nach Prüfung der einzclncn Posten ertheilt der Vorstand die be-
antragte Anweisung.

Der Präsident verlies't folgenden motivirten Antrag des Hrn. I.
M. Farina:

„DaS allgemeine Jntercffe, welchcs unsere Zeit der kölner Dom-
bau-Sache schenkt, bekundet sich unter andern auch in dcm Erschei-
nen so vieler literarischcn und artistischcn Productionen, bie theils
den Dom oder seincn Bau selbst zum Gegenstande haben, theils
durch ihcen Ertrag den Bausond zu mehrcn bestimmt sind, thcils
Beides mit cinander verbinden. Eine vollständige Sammlung der-
selbcn würde kein unwichtigec Beitraq zur Geschichte unscres Zeit-
alters sein, und ich erachte eS daher nicht als unpassend, in dem
„„Domblatt"" an alle Autoren und Vcrleger die Bitte ergchen zu
laffen, ein Frei-Exemplar aller derartigen Erscheinungen unter der
portofreien Rubrik: „ „Allgcmeine Angelegenheiten des Dombau-
Vercins zu Köln"", dem hiestgen Cenlral-Vereine überwcisen zu
wvllen.

„Diese Sammlung, dann vor und nach mil den vor dieser
Aeit erschienenen Werken, welche den kölner Dom betreffen, ver-
vollständigt, würde einen höchst inkcressanten Theil des Vercins-
Archivs für alle Zeiten bilden. Sollken diefe Zeilen cinigen An-
klang sinden, so würde ich alsdann vorschlagen, ein Mitglied deS
Ausschusses oder Borstandcs zum Bibliothecar zu ernennm, dem

die Obsorge übec das bereits Vorhandene zu übertragen wäre,
und das für die Vervollständigung bestmöglich sorgen müßte."

Herr Reichensperger stellt die Frage, ob die Anfchaffungen,
welche die fragliche Bibliothek nothwendi'g machen werdc, vorstehend
mit beantragt scien. Herr von Groote stellt dazu daS Amendement:
Anschassungen, welche die Verwendung von Geldmitteln erfordern,
können jedes Mal erst nach vorläufiger Genehmigung des Vor-
standes bewerkstelligt werden.

DaS Amendement des Herrn von Groote wird einstimmig geneh-
migt nnd der Antrag deS Herrn Farina mit diesem Amendement
eben so einstimmig angenommen.

Dcr Präsident beantragt, Namens des Verwaltungs-Ausschusses,
die Erhöhung des GehalteS des ExpeLienten Herrn Nelles von 400
auf 500 Thaler für die demselben übertragenen und von ihm zur
vollen Aufriedenheit des Cassen-Curatoriums wahrgenommenen Func-
tionen des Cassirers. Der Präsidcnt bemerkt zu diefem Antrage, daß
durch diese Gehalls-Erhöhung die Besoldung eines besondern CassirerS
erspart werde, und daß die bisherige thätige und umflchtige Geschäfks-
führung des Herrn Nelles nicht minder alS die von demsclben über-
nommene Cautionspflichtkgkeit von 500 Thalern das Quantum ber
bcantragten Gehalts-Erhöhung durchaus zu rechtfcrtigen scheine.

Die Versammlung nimmt den vorstehenden Antrag einstimmig an.

Der Präsidcnt bittet den Herrn Regierungs- und Baurath,
Dombaumeister Zwirner um Ecstaltung seines Berichkes über die
Verwendungsfrage. Herr Awirner erstattet diesen Bericht in folgen-
der W-ise:

„Ueber die Verwendung der Geldmittel des Central-
Dombau-Vereins für den Fortbau des Domes zu
K ö l n.

„Die Erörterung dieses Gegenstandes knüpft sich unmittelbar an
den h. 9 des Vereins-Statuts, worin es wörllich heißt: „„Die Mittel
des Vereins bilden, nach Abzug der unvermeidlichen Verwaltungskosten
und der Ausgaben für die Vereins-Gedcnkzei'chen sh- 13), den Vereins-
Baufond. Dieser soll von dem durch die königliche Gnade und die
Kathedralstcuer gebildeten Dombau-Fond getrennt gehalten und in
Gemäßheit der allerhöchst sestgestelltm Bauplane, unter Anordnung
und Leikung des Dombaumeisters, wo möglich auf einzelne, aus dem
großen Ganzen hervortretende Theile des BauwerkS in der Art ver-
wendet werden, daß dieselben als das Werk dcs Vereins enlstehen und,
in so fern dessen Miltel dazu ausrcichen, auch durch den Verein zur
Vollendung gebracht werden.""

„Hieraus geht zunächst die Frage hecvor: welche Mittel der
Verein jetzt und in Zukunft aufzubringen im Stande
ist, um einen aus dem großcn Ganzen hervortretenden
Theil, als abgesondertes Werk des Vereins, in Angciff
zu nehmen.

„So lange diese Vorsrage nicht auf eine mtscheidmde Weise beant-
wortet werden kann, erscheint es sehr schwierig, über das bei der
Bauausführung einzuschlagmde Verfahren im Voraus etwas festzu-
stellm; und dahcr war es auch bisher unzulässtg, diese in dm Vor-
standssitzungen öster angeregte Angelegenheit früher zu erledigen, zu-
mal nsch keine Rcsultate üder die veranstaltetm Geldsammlungen vor-
lagen. Die Erfolge, welche ber Verein seit der kurzm Dauer seines
EntstehenS hervorgebracht hat und die sehr beftiedlgmd gcnannt zw
werden verdienen, dürsten jedoch nicht als maßgebmd sür die Zukunft
zu bekrachten sein, da nirgends Vcrpflichtungm zur regelmäßigm Fort-
bezahlung der in diescm Jahre geleistelen Beiträgc bedungen wordm
sind. — Wir wollen uns jedoch der Hoffnung hingcben, daß mit den
Forischritten des Baues auch die Theilnahme dafür im Publicum rege
gehalten und durch die zu crwartmde weitere Ausbreitung der
Vcrerne die fcrnerm Beiträge stch mit dm diesjährigm gleich odev
noch höher stellen werden.

„Untcr Voraussetzung solcher Resultate wird cs möglich ftin. einm
bedeutenden, für sich bestehenden Bautheil auf Rechnung des Central-
Dombau-Vereins in Angriff zu nehmen; in einem andern Falle aber,
wo die Beiträge nicht so reichlich oder unregelmäßig fließen sollten,
würde eS, in Bczug auf eine nothwendig gleichmäßige Fortfttzung des
Baues, raihsam erscheinen, die Vereinsmittel dem von des
Königs Majestät allergnädigst bewilligten Dombau-
Fond anzuschließen. Denn obqleich auch am Dome viele an-
dere, wmiger umfangreiche Bautheile vorkommen, so müssen sie doch
alle nach einem gewissen Systeme gleichmäßig gefördcrt werden,
und cs würde nachtheilig, ja, ost fehlerhaft ftin, einzelne Theile für
sich zu vollenden, währmd die angränzmdm zurückblieben, was aber
offenbar der Fall ftin müßte, wenn nach Maßgabe der diSxoniblen
Mittel ckwas für sich Bestehendes vsllendet werdm sollte. Gefttzt nun
aber, es wollten einzelne, vom Central-Verein unabhängige, klei'ncre Verei'ne
ihre Wirksamkeit auf abgesondertc Theile richten, und der eine wählte
dazu cin Gewölbe, dec anderc ein Fenster, der dritte einen Bogen oder
Pfeiler u. s. w„ so ist es leichk zu begreifm, daß alle diese Gegen-
stände m'cht immcr gleichzeitig zur Ausführung gebracht wcrdm könn-
ten, und daß daher die dazu cingehendm Beiträge rntwcder bis zu ci-
nem schicklichm Zsitpuncte reservirt odcr zu andern Zweckm vcrwendet
wrrden müßken, um den Gang des Baues ohne Unkcrbrechung forkzu
führen. Die Bauverwaltung würde stch daher sehr oft in der Lage
finden, den Wünschen der respectivm Derei'ne nicht cntsprechen zu kön-
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