Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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nen, und daraus geht immer mehr die Nolhwendigkeit hervor, daß
die sämmtlichen Vereine sich zu einem allgemeinen Zu-
sammenwirken verbinden, wenn ein aus dem großen Ganzen
abgesonderter Theil zur Vollendung gebracht werden soll. Um dirse
Behauptung noch weikec zu motisircn, ist es nöthig, die Aufmerksam-
keit zuvörderst auf den dermaligen Zustand des Domes selbst,
so wie aufdas daraus hcrvorgehcndeBedürfnißdesWei-
terbaues und auf die hierzu entworfenen und für die
Ausführung bestimmten Bauplane zu lenken.

„Bekanntlich ist nur der hohe Chor vollendet, und der ganze andere
Kirchenraum von da bis zu den unvollendeten Thürmen hin befand
stch seit der im 16. Iahchunderk erfolgten Einstellung des BaueS in
einem höchst beklagenswecthen Zustande, zum goktksdienstlichen Gc-
brauche kaum nothdürftig mit schlechten hölzernen Dachverschalungen
und Nolhdächern geschloffen, welche jetzt durch ihr hohes Alter, so wie
durch langjährige Vernachlässtgung dem Verfalle nahe stnd und unter
allcn Umftänden, zur Abwcndunq von Gefahr, erneuert werden müßten.

„Dieser Austand war die nächste Veranlassung zuc Ausarbeitung
eines Entwurfes, in welchem die vollständige Ergänzung des Grund-
plancs durch Ausführung beider Portale, so wie die Vollendung der
gewölbten Seitmschiffe und Rufführung des Hauptschiffes bis zur
Höhe der mittlern Chorgaleri'e zum Ziele lag, um so durch diesen
mit verhältnißmaßig geringen Kosten aufzuführendcn
Bau das ganze Znnere des Domes, also die Kirche, in
einen würdevollen Zustand zu setzen, ohne einem mögli-
chen Vollendungsbaue hinderlich entgegen zu treten.

„Dieser Plan gelangte im Frühjahre 1834 zur Prüfung an den
inzwischen verstocbenen Ober-Landes-Baudireckor Herrn Schinkel, der
ihn dahin zu erweitern suchte, daß das Mittelschiff zuc Sicherstellung
des hohen ChoreS bis zu dessen Gewölbhöhe hinaufgeführt und zur
Verminderung der Kosten das Ganze on dloo ausgeführt werden sollte,
der spätern Acik die weitere Ausarbeitung der Drtails und die Anfer-
tiqung des Gewölbes nebst «strebebogen vorbehaltend. Da jedoch die
Ausführung «m dloc manchcrlei Jnconvenienzen voraussehen ließ, auch
ein spälercs Nacharbeiten bei dem in Anwcndung kommenden harten
Gestein nicht gut ausführbar ist, so fand Schinkel bei seiner letzken
Anwesenheit imJahre 1838 die Ausführung oa liökail nöthig,
ordnete stakt der Skrebebogen besondere Verstärkungs-
pfeiler, nach Maßgabe der zwischen den Thurmfenstern besindlichen,
an und projectirte für die Einwölbung dcs Mitkelschiffes durchgehende
eiscrne Anker.

„Durch die allerhöchste Cabinets-Ordre vom 12. Ja-
nuar ». c- ist die Ausführung diese- auf 1,200,000 Thlr.
bercchneten Planes vorgeschriebcn nnd gleichzeitig die
nachträgliche Veranschlagung der Strebebogen befohlen
wo rden.

„Von dem Baue der Thürme war bis dahin noch keine Rede, und
nur die Ausführung des Kirchenschiffes war als das Nothwendi'gste be-
trachtet und alle darauf bezüzlichen Vorarbsiten eingeleitet worden.

„Da aber zur Erhaltung und zum Anschlusse dcs Kirchenschiffes
die theilweise Ausführung des nördlichen Thurmes bedingt wird, so
haben des Köni'gs MajestLt unterm 31.Mai a. c. zu befehlen geruht,
daß der Fortbau des Domes auch auf die Thürme ausgedehnt, ;u-
vörderst der nördliche in Angriff genommen und so weit
fyrtgeführt werde, daß das Haupt-Eingangs-Portal
vollendet werden könne. Gleichzeitig wurde für dieses Jayr
eine Summe von 10,000 Thlrn. dazu angewiesen und allechöchst be-
fohlen: die Dombau-Vereine um ihre Entschließung zube-
fragen, ob sie die Kvsten derThürmeübernehmenwollcn.
Ob und wie diese Frage schon beantwortet worden, mag hier außer
Acht bleiben, jedenfalls aber bleibt die Vollendung dcr Thürme eine
große Aufgabe, zumal die Kostesi für den nördlichen Thurm auf
1,800,000 und für den südlichen auf 1,200,000 Thlc. überschlagen
worden sind; die Vereine könnten daher hier alle ihre Kräfte aufwen-
den, während der Bau d-s Kirchenschiffes langsam fortschreiten
würde, da jährli'ch nur 50,000 Thlr. aus Staatsmitteln dazu ange-
wiesen sind, mithin der obige Plan erst in 24 Jahren, und wenn vie
fast unumgänglich nothwendigen Strebcbogen hinzukommcn, crst in
40 Jahren ausgeführt sein würde.

„So schön und erhaben auch dcr Gedanke ist, den Dom mit seinen
Lhürmen gleichzeitig vollendet zu wiffen, so scheint es dennoch viel
angemeffener zu sein, erst die Vollendung des nöthigen Kirchenschiffes
herbei zu führen und an dem nördlichen Thurme, wie auch in der al-
lerhöchsten Cabincts-Ordre vom 31. Mai ». c. ausgesprochen worden,
vorläusig nuc so weit fortzubauen, als zur Herstellung der Vorhalle
mit dem Eingangsportale erforderlich ist, wodurch von selbst der nö-
thige Stützpunct für das Mittelschiff in westlicher Richlung gewon-
nen würde.

„Für die weitere stabile Erhaltung dcr Gewölbe des sehr hohen Mit-
tclschiffes waren ursprünglich die Strebesysteme, bestehend aus Pfeilern,
mit Bogen verbunden, angeordnet. Jn dem füc den besorstehenden
Bau qenehmigten Plane ist — wie bereiks oben gedacht — keine
Rücksichl darauf genommen, sondern cine minder kostspieli'ge Sub-
struction pcvjectirt worden. Abgcsehen vou den constructiven Gründen
für die Möglichkeit der Ausführung und Erhaltung dir Gewölbe die-
ses sehr hohen MittelschiffeS ohne Skrcbcbogen, bleibt doch in deren

Hinweglassung eine VcrZnderung des ursprünglichen Planes zu erken-
nen, und wenn auch kein hierauf bezüglicher Originalplan mehr vor-
handen ist, ss deuten doch alle bestehendeu Bautheile drs unvollende-
tcn Kreuzscbiffcs auf die Anlage der Stcebebogen, nach dem Vorbilde
am hohen Chore, hin. Durch deren Hinweglaffung würde der Dom
nicht nur äußerlich einer großen Zierde cntbehren und in einem an-
dcrn Charakter als der hoheChor erscheinen, sondern auch die zuc Er-
halkung der Gcwölbe nöthigen Ankcr im Jnncrn des Mittelschiffes
müßten einen störenden Eindruck hervorbringen.

„Da nun dec Central-Dombau-Verein i'm §. 1 ftineS Statuts die
Bedingung gestellt hat, für den Bau des DomeS nach seinem ur-
sprünglichen Plane mitzuwirken, so schcint hiernach in der Aus-
sührung der für sich bestehenden, auf ciron 780,000 Thlr. veranschlag-
ten Strebesysteme ein Zielpunct sür die Wirksamkeit des Central-
Vereins zu liegen.

„Mit dem Baue der Strebebogen kann jedoch wegsn der fehlenderr
Sei'tenschiffsgewölbe und Pfei'ler nicht gleich, sondern erst nach deren
Vollendunq begvnnen werden; so wie auch die Einwölbung der Stre-
bebogen erst dann möglich ist, wenn das Mittelschiff seine vollständige
Höhe erreicht hat. BiZ zu dcm Zeikpuncke also, wo die Strebesysteme
in Angriff genommen und mi't dem Baue des Mittelschiffes glei'ch-
mäßig gefördert werden können, ließe sich die Thätigkeit dcs VereinS
auf den Ausbau des nördlichen Thurmes lenken.

„Der Ausbau des Kirchenschisfes ist dagegen ein wei't
dringenderes Bedürfniß, nicht nur für die Gcwinnung des zur
Verrichtung des Gotkesdienstes nölhigen Raumes allein, sondern auch,
wie schon gezeigt worden, aus constructiven Rücksichten; und
dcmnach also erachte ich denBau des Kreuzschiffes mit seinen
Portalen als Las Nochwen'oigste der ganzen Unterneh-
mung, wie ich dieses auch in meinem Aufsatze „„Vergangenheit und
Zukunst des Dombaues"" cntwickelt und zu dem Ende vorgeschlagen
habe: daß die Aussührung des Kirchenschiffes gemein-
schaftlich unternommen, jedoch die königlichen und Ver-
einsmittel respective auf die Süd- und Nordseite ge-
trennt verwendct werdcn mögen. Es würde alsdann die ganze
Nordseite als auSschließliches Werk des Vereins zu betrachten sein, und
dennoch ließe sich eine regelmäßige Bauführung dieser symmetrischen
Constructionsthcile erlangen und das Werk rasch fördern. Ja, man
würde durch ein auf bsiden Seiten gleichzcitigc« Vorschreiten im
Skande ftin, binnen wenigcn Jahren den ganzen Dom für
die Benutzung desGottesdienstes frei zu geben, indemdazu
nur die Vollcndung der Seitenschiffe mit den zugehörigen Portalen
und die Aufsührung des Hauptschiffcs biS zur Oberkante der mitt-
lern Chorgalerie nvthig wäre, wo sich alsdann auf lctzterm eine höl-
zerne Abdcckung anbringen ließe, über welcher der Weiterbau des
Hauptschiffes und der Strebebogen vor sich gehen könnte, ohne die
inneren RZume einzunehmen, so wie dies bei den Restaurationsarbeiten
des hohen Chorrs dcr Fall war.

„Nach di'esem Zeitpuncte, der nach den Ei'ngangS über das Resulkat
dcc Vereine unterstellten Vorausfttzungen binnen 5 b!s 6 Jahren ein-
treten könnte, würde derDombau einen ganz andcrn Charakter annehmen,
und es wäre dann vielleicht möglich, ftlbst den verschiedenen Filial-Verei-
nen Einzelkhei'le, als: Pfeiler, Pyramiden, Bogen und Kronen, anzu-
weiftn. — Jetzt aber ist die Vcreinigung aller Kräste zum Baue der
Portale und dec Kirchenschiffe, so wie auch zur Ergänzung des nörd-
lichen Thurmes für die Herstellung des Eingangsportales und der Vor-
halle nöthig.

„Sollten jedoch einzelne Vereine ihre Mittel dem letztecn Awecke,
nämlich dem Thurmbaue, ausschließlich zuwenden wollen, so würde
dies dennoch dem Ganzen zum Nutzen gereichen, zumal die übrigen
Fonds ungeschwächt dem Ausbaue des Kirchenschiffes zugewendet wer-
den könnten."

Jn der Discussion, die dieftm Berichte folgt, und woran nament-
lich die Hcrren von Bianco, Weyer und Awirner Theil neh-
men, bemerkt dec Hcrr Erzbischof bezüglich deS projectirten Ab-
bruches des Pesch und der Capitels-Stube:

„Bei dec Verwendung der Geldmitiel komme es vorzüglich darauf
an, den Dom alS Kathedrale in den Theilen herzustellen, welche ge-
genwä'rti'g zum Gottesdienste noch nicht benutzt werden können. CS
'ei zwar der Chor vollendet und sogar verschönert; indeß biete dec-
'elbe noch lange nicht den Raum dar, um darin einen auch nur
nochdürftigen, noch viel wcnigcr würdigen GotteSdienst abzuhalten.
Zur Abhaltung des Gottesdienstes sei gegenwärtig nur der Chor ge-
geben; allein so herrlich derselbe auch hergestellt, und so erhebend
auch dessen Eindruck fti, so gewähre dasselbe nur Platz für die Gcist-
lichkcit und eine geringe Anzahl der Glä'ubigen; das übrige Volk
bleibe gänzlich ausgcschlossen und könne nur in den den Chor umge-
benden Seitcnhallen am Gottesdienste Theil nehmen. Dieser Umstand
bewirke aber namentlich, daß der Gotkesdienst im hiesigen Dome nicht
dem Gei'ste der Kircke und der Heiligkeit des Gotteshaufts entspreche;
denn wer die gemeffene Würde eines Pontifical-Amtes und die von
dem daran Theil nchmenden Volke bewiesene Geistessammlung, Ruhc-
und Ordnung in anderen Domkirchen gefthen habe, dem müffe daS
Herz wehe tbun, wenn er fthe, wie in dem Dome zu Köln in den
Sertenhallen des Choces bei Hochämtern von Ansang bis zu Ende
unausgefttzt die Maffen hin und her wogcn und dabei von Vielen
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