Rodenwaldt, Gerhart [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches <Berlin> [Editor]
Korkyra: archaische Bauten und Bildwerke (Band 2): Die Bildwerke des Artemistempels von Korkyra — Berlin, 1939

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II. BESCHREIBUNG UND ERGÄNZUNG

A. WESTGIEBEL

i. Umrahmung

Für das Giebelrelief war im Hintergründe des Giebeltympanons eine besondere Umrahmung
gebildet (s. oben S. 10f.). Der untere, tragende Teil bestand aus einer schmucklosen Basis
(vgl. Band I) und einer darüber befindlichen, nur wenig (etwa 2 cm) zurücktretenden, mit
einem Mäander geschmückten Stufe. Den oberen Abschluß des Reliefs bildeten zwei schräge
Leisten. Stufe und Leisten sind jeweils mit dem Relief aus den Platten gebildet, die das Giebel-
feld zusammensetzen. Die Maße sowie die mancherlei Unregelmäßigkeiten (oben S. 11) gehen
aus den Bestandszeichnungen der einzelnen Platten (unten) hervor. Die Mäanderstufe ist etwas
niedriger als die schrägen Leisten; sie wurde selbst von der glatten Basis getragen. Die Höhe
der Stufe schwankt zwischen 26,2 und 27,3 cm, die Höhe der Leisten zwischen 29,1 und 29,5 cm.
Das Mäanderornament (Abb. 1) selbst dagegen ist höher als das Doppelbandornament der Leisten,
weil die Ränder schmaler sind als dort. Der obere und der untere Randstreifen sind gegen
den Mäanderstreifen durch eine leicht gerundete Einziehung abgesetzt. Der einfache Mäander
ist in zartem Relief sehr sauber gearbeitet. Von seiner Polychromie ist auf Platte IIIc unter
der Vorderpranke des linken Löwenpanthers in der oberen Vertiefung rote Farbe erhalten.
Vermutlich war das plastisch erhöhte Mäanderband weiß. Da der schmale obere und untere
Rand auch an den Vertiefungen des Mäanders klar abgesetzt ist, trug er vermutlich Bemalung
in Schwarz oder Blau.

In dem Mäander wird die Richtung durch die Gegenbewegung ausgeglichen; das Ornament
wurde als ein ruhendes empfunden, das ungeteilt unter der ganzen Breite des Reliefs liegt1.
Anders das Ornament (Abb. 2) der Schrägleisten, das jederseits der Giebelmitte entgegenstrebt.
Außer den im Zusammenhänge erhaltenen oder angepaßten Teilen des Mäanderstreifens ist
noch ein Fragment von 32 cm Länge und 15 cm Höhe vorhanden. Es enthält den oberen
Randstreifen und Teile zweier Mäanderhaken; wegen des starken Ansteigens des erhaltenen
Stückes der Oberfläche muß es zu den mittleren Gruppen gehören.

Eine Wiedergabe, die sich auf das System eingetiefter Linien beschränkt, erweckt den irrigen
Eindruck eines symmetrischen Fischgrätenmusters. Erst die Polychromie ergab die richtige
Wirkung. Während das Mäanderornament in zwei parallelen Ebenen zwischen Leisten liegt,
die sich leise nach innen runden, rahmen umgekehrt bei den Leisten ebene Bänder eine leicht
gewölbte Mitte ein. Diese feinen Differenzierungen ebener und gerundeter Flächen sind mit
großer Sorgfalt ausgeführt. Das Doppelbandornament rundet sich nach dem oberen und unte-
ren Rande zu leicht in die Tiefe. Die rautenförmigen Felder sind abwechselnd an den drei
anderen Seiten flach oder runden sich ebenfalls. Die verschiedene Behandlung der flachen oder
leicht gewölbten Rauten kann nur mit der Verschiedenheit ihrer farbigen Behandlung Zu-
sammenhängen; die einen werden steinfarbig geblieben, die anderen bemalt gewesen sein. Ein
gewölbtes Feld der einen Reihe entspricht jeweils einem flachen der anderen. Es handelt sich

1 K. A. Rhomaios deutet die Richtung als Gegenbewegung zu der nach rechts laufenden Gorgo (vgl. Band I).

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