Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 1): Die Kunstdenkmäler des Kreises Konstanz — Freiburg i.Br., 1887

Seite: 291
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AMT KONSTANZ. — KONSTANZ. 291

Schwankdichtern des 13. und 14. Jhs. oft behandelte Thema des Betrugs der Männer
durch Weiberlist dar (Adam und Eva, Delila, David mit Betseba, Alexander d. Gr.,
Virgilius im Korb, Holofernes und Judith, Aristoteles geritten, Tristan und Isolde (?),
König Arthur, Achilles entdeckt u. s. f.). ETTMÜLLER hat die Umschriften als
theilweise einem Gedichte Heinrichs von Meissen des Frauenlobs entnommen nachge-
wiesen fS.ppJ. Leider hat sich von diesen Wandmalereien nichts mehr erhalten, für deren
eingehendere Beschreibung ebenfalls auf MONE und ETTMÜLLER verwiesen wird.
Den kunstgeschichtlichen Werth des noch erhaltenen Cyclus hat LUBKE in
einer Zuschrift an ETTMÜLLER (beidems. S. 20f.) aufgewiesen. Mit vollem
Recht hat derselbe die Verwandschaft dieser Bilder mit den Miniaturen der
Manesse'schen Handschrift hervorgehoben, und was den Ursprung der Malereien
betrifft, auf einen weltlichen Meister der schwäbischen Schule vermuthet. Sie zählen
in der That zu den interessantesten Darstellungen weltlicher Sujets, welche uns die
Gothik hinterlassen hat und zeichnen sich ebenso durch einen 'Hauch liebens-
würdiger Idealität' in den Frauengestalten, wie durch beginnendes Naturgefühl aus.*
Ihre Entstehung dürfte kaum unter den Anfang des 14. Jhs. herabzusetzen sein, wie
auch LÜBKE annimmt: sie wären dann den Wandmalereien in der Dominicanerkirche
wol gleichzeitig, mit denen (vgl. unsere Tafel III) sie auch im Allgemeinen eine
Uebereinstimmung zeigen.

Münzgasse

No. 17 Portal mit Buckelwerk (14.—15. Jh.).

No. 21 'Zur Katze', spätgothischer rundbogiger Thoreingang.

No. 30 Das Haus zum hohen Hirschen, jetzt Meck'sche Buchhandlung,
schmückt ein gothischer Erker mit dem Wappen der Schulthaiss und von Gaisberg;
es war das Sterbehaus des Cardinais Zabarella, welcher 1417 26. Sept. hier ver-
schied. Vgl. MARMOR Topogr. S. 2J4.

N ied erburggass e

No. 1 (?) Ueber einem Fenster das Datum 1666.

Obermarkt

No. 8. Gasthaus zum Barbarossa. Die beiden Häuser Kemmli und
Egli, in welchen Friedrich Barbarossa 1183 den sogenannten Konstanzer Frieden
mit den Abgeordneten der Lombardischen Städten abschloss, No. 8 und 10 sind
jetzt in das Gasthaus zum Barbarossa umgewandelt.

Am Hause No. 8 befindet sich in einem Schild die Inschrift: Curia fiacis \'
Constantiae ano MCLXXX'III \\Renovata\\ano M'. DCCXXX. Am andern
Hause No. 10 lautet die Inschrift in deutscher Sprache: jfr'beilö lf)Cif befj

3faör 1183. erneuert im Jaljr 1730. Vgl. MARMOR 149.

Das Haus zum Kemmli scheint schon in frühester Zeit Wirthshaus ge-
wesen zu sein, hatte nach dem Rathsbuch 1419 einen Tanzboden, und gehörte
1458 einem Hans Muntprat, der 1474 eine Stiftung im Münster machte, wo er
auch begraben ist. Später gieng es in den Besitz der Patrizierfamilie Schulthaiss

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