266 Antike Poiychromie.
Jupiter') einer neuen Ansicht zuerst entschiedene Bahn brach, indem er
die vielfache Anwendung der Toreutik bei den Griechen augenscheinlicher
darzulegen und diese, so wie die polychrome Sculptur überhaupt, zu ver-
theidigen und zu würdigen suchte. Doch ist das umfangreiche Werk, in
Bezug auf den vorliegenden Umstand, noch mit grosser Mässigung abge-
fasst. Neuere gingen seinen Schritten nach, neue Entdeckungen und Unter-
suchungen lieferten wirkliche oder scheinbare Bestätigung und Erweiterung
seiner Ansicht, und bald kam man zu dem Punkte, dass man im Gegensatz
gegen jene ältere Theorie, in der Plastik, wie sie von den Griechen aus-
geübt worden, eine vollständige und bis zur Illusion getriebene Nachahmung
der Natur sehen wollte. Völkel namentlich, der sich früher nicht in die
Pracht und die Fülle bei Phidias Darstellung des chryselephantinen Jupiter
zu Olympia hatte finden können a), sprach es nunmehr mit Bestimmtheit
aus, dass die Griechen der besten Periode nicht nur ihre Statuen ganz Und
gar und mit den verschiedenen Localfarben bemalt, sondern dass sie daran
sogar Schatten und Lichter aufgesetzt hätten 3). Andre haben diese Ansicht
unterschrieben.
Ebenso war es mit den Untersuchungen über griechische Architektur
der Fall. Auch hier stellte man die Entdeckungen von Farbenresten, die
vornehmlich an den Details gefunden waren, zusammen, indem man es
jedoch anfangs — in der neuen Ausgabe von Stuarts Alterthümern
^von Athen, in den von der Gesellschaft der Dilettanti herausgegebenen
Alterthümern von Attika u. a. m. — bei der einfachen Angabe des
Thatbestandes bewenden liess. Mit einem vollständigen Systeme polychromer
Architektur trat zuerst Hittorff1) auf. Bei den Untersuchungen sicilischer
Monumente war letzterem eine ungleich ausgedehntere Anwendung der
Farbe entgegen getreten; er verband hiemit, was Andre an grossgriechischen,
etruskischen , attischen u. s. w. Monumenten vorgefunden hatten, sammt
seinen eigenen Hypothesen, und fingirte hieraus ein Ganzes, dem wenigstens
der Beifall französischer Kunstkenner nicht fehlte5). Noch entschiedener
hat sich neuerlichst Herr Semper ausgesprochen6), indem er, auf eigene
Studien in Griechenland gestützt, an allen, auch den edelsten Monumenten
der periklei'schen Zeit einen vollständigen Farbenüberzug entdeckt haben
will und demnächst die Herausgabe dieser, nach gemeinsamem Systeme
restaurirten Monumente mit ihrer Bemalung ankündigt. Herr Semper hat,
auf seiner Rückkehr von Griechenland, in Berlin .in verschiedenen Kreisen
einen grossen Theil dieser seiner, gewiss höchst geistreichen Restaurationen
') Le Jupiter Olympien, ou l'Art de la Sculpture antique consideri
sous un nouveau point de vue; ouvrage qui comprend un essai sur le gout de la
sculpture polychrome, l'analyse explicative de la loreutique, et Vhistoire de la
Statuaire en or et ivuire chez les Grecs et les Romains, avec la Restitution des
prineipaux Monuments de cet Art et la Demonstration pratique ou le Renouvel-
lement de ses Procedes mfeaniques par M. Quatremere-de-Quincy. —
*) Ueber den grossen Tempel und die Statue des Jupiter zu Olympia, S. 166 u.a.
— 3) L. Völkel'« archäologischer Nachlass, herausgegeben von K. 0. Müller.
I. Heft. S. 82. — *) De l'architecture polychrome chez les Grecs, ou restitution
complete du temple d'Empedocles, dans l'acropolis de Selinunte, in den Annali
deW instituto di corrispondenza archeologica. Vol. II. p. 263 sqq. — s) Vergl.
Seance publique de la socUte libre des beaux arts, le 25. Dec.embre 1831, p. 20
>19. — 6) Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur uud Plastik bei
den Alten.
Jupiter') einer neuen Ansicht zuerst entschiedene Bahn brach, indem er
die vielfache Anwendung der Toreutik bei den Griechen augenscheinlicher
darzulegen und diese, so wie die polychrome Sculptur überhaupt, zu ver-
theidigen und zu würdigen suchte. Doch ist das umfangreiche Werk, in
Bezug auf den vorliegenden Umstand, noch mit grosser Mässigung abge-
fasst. Neuere gingen seinen Schritten nach, neue Entdeckungen und Unter-
suchungen lieferten wirkliche oder scheinbare Bestätigung und Erweiterung
seiner Ansicht, und bald kam man zu dem Punkte, dass man im Gegensatz
gegen jene ältere Theorie, in der Plastik, wie sie von den Griechen aus-
geübt worden, eine vollständige und bis zur Illusion getriebene Nachahmung
der Natur sehen wollte. Völkel namentlich, der sich früher nicht in die
Pracht und die Fülle bei Phidias Darstellung des chryselephantinen Jupiter
zu Olympia hatte finden können a), sprach es nunmehr mit Bestimmtheit
aus, dass die Griechen der besten Periode nicht nur ihre Statuen ganz Und
gar und mit den verschiedenen Localfarben bemalt, sondern dass sie daran
sogar Schatten und Lichter aufgesetzt hätten 3). Andre haben diese Ansicht
unterschrieben.
Ebenso war es mit den Untersuchungen über griechische Architektur
der Fall. Auch hier stellte man die Entdeckungen von Farbenresten, die
vornehmlich an den Details gefunden waren, zusammen, indem man es
jedoch anfangs — in der neuen Ausgabe von Stuarts Alterthümern
^von Athen, in den von der Gesellschaft der Dilettanti herausgegebenen
Alterthümern von Attika u. a. m. — bei der einfachen Angabe des
Thatbestandes bewenden liess. Mit einem vollständigen Systeme polychromer
Architektur trat zuerst Hittorff1) auf. Bei den Untersuchungen sicilischer
Monumente war letzterem eine ungleich ausgedehntere Anwendung der
Farbe entgegen getreten; er verband hiemit, was Andre an grossgriechischen,
etruskischen , attischen u. s. w. Monumenten vorgefunden hatten, sammt
seinen eigenen Hypothesen, und fingirte hieraus ein Ganzes, dem wenigstens
der Beifall französischer Kunstkenner nicht fehlte5). Noch entschiedener
hat sich neuerlichst Herr Semper ausgesprochen6), indem er, auf eigene
Studien in Griechenland gestützt, an allen, auch den edelsten Monumenten
der periklei'schen Zeit einen vollständigen Farbenüberzug entdeckt haben
will und demnächst die Herausgabe dieser, nach gemeinsamem Systeme
restaurirten Monumente mit ihrer Bemalung ankündigt. Herr Semper hat,
auf seiner Rückkehr von Griechenland, in Berlin .in verschiedenen Kreisen
einen grossen Theil dieser seiner, gewiss höchst geistreichen Restaurationen
') Le Jupiter Olympien, ou l'Art de la Sculpture antique consideri
sous un nouveau point de vue; ouvrage qui comprend un essai sur le gout de la
sculpture polychrome, l'analyse explicative de la loreutique, et Vhistoire de la
Statuaire en or et ivuire chez les Grecs et les Romains, avec la Restitution des
prineipaux Monuments de cet Art et la Demonstration pratique ou le Renouvel-
lement de ses Procedes mfeaniques par M. Quatremere-de-Quincy. —
*) Ueber den grossen Tempel und die Statue des Jupiter zu Olympia, S. 166 u.a.
— 3) L. Völkel'« archäologischer Nachlass, herausgegeben von K. 0. Müller.
I. Heft. S. 82. — *) De l'architecture polychrome chez les Grecs, ou restitution
complete du temple d'Empedocles, dans l'acropolis de Selinunte, in den Annali
deW instituto di corrispondenza archeologica. Vol. II. p. 263 sqq. — s) Vergl.
Seance publique de la socUte libre des beaux arts, le 25. Dec.embre 1831, p. 20
>19. — 6) Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architektur uud Plastik bei
den Alten.



